Unkeler gedachten wie vielerorts am Sonntag der Toten am Volkstrauertag
Kränze am Kriegerdenkmal niedergelegt
Unkel. Mit einem Gedicht eröffneten die Viertklässler Greta Kuhsel und Jule Schwarzer der Grundschule „Am Sonnenberg“ die vom Bläsercorps der KG und der Chorgemeinschaft MGV Concordia Unkel/Kasbach/Ohlenberg unter Leitung von Karlheinz Frings musikalisch gestalteten Gedenkfeier, zu der die Stadt Unkel anlässlich des Volkstrauertages an das „Heiligen Grab“ aus dem Jahr 1520 an der Außenwand des Chores von Sankt Pantaleon eingeladen hatte. Begrüßen konnte Stadtbürgermeister Gerhard Hausen an dem Kriegerdenkmal neben Pfarrer Andreas Arend, Altbürgermeister und dem Fraktionsvorsitzenden der Freien Wählergruppe, Volker Thomalla, Abordnungen der Unkeler Bürger- sowie Junggesellenvereine, der Feuerwehr und des VdK um Heinrich Richarz.
„Seit 1952 versammeln sich alljährlich Menschen in Deutschland, um am Volkstrauertag der Kriegstoten und Opfer der Gewaltbereitschaft sowie der Gewaltherrschaft aller Nationen zu gedenken“, erinnerte Volker Thomalla. In den westlichen Nachbarländern Belgien, England und Frankreich werde an diesem Tag, an dem im Rheinland die Session beginnt, der Beginne des Friedens nach dem Ersten Weltkrieg gefeiert. Während in Deutschland viele eine rote Pappnase tragen würden, würde dort oft eine rote Mohnblüte getragen, die schon vor dem Weltkrieg vor allem in den Ländern des Commonwealth als Symbol des Todes wie der Erneuerung und des Lebens gegolten habe. „Auf den blutgetränkten, von Granattrichtern zerfurchten Feldern in Flandern wuchs nach den furchtbaren Schlachten nichts außer Mohn, der die von Verwüstung heimgesuchte Landschaft im Frühjahr in ein rotes Blütenmeer verwandelte“, so der Redner. Jede Blüte, so die Legende, stehe für einen gefallenen Soldaten.
Die Vereinbarung des Waffenstillstandes von Compiègne vor 100 Jahren hatte vorgesehen, dass innerhalb von sechs Stunden nach Unterzeichnung alle Kampfhandlungen eingestellt würden. „In der 11. Stunde des 11. Tages des 11. Monats des Jahres 1918 endet der Erste Weltkrieg, der rund 20 Millionen Menschen das Leben gekostet hat, davon die Hälfte Zivilisten, und der weitere 21 Millionen Menschen für den Rest ihres Lebens körperlich und seelisch verletzt hat“, erinnerte Volker Thomalla, bevor er sich dem Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus widmete. Ein Patriot sei jemand, der eine positive emotionale Verbundenheit mit dem Ort, der Region oder dem Land pflege, in dem er lebe. Er stelle sich aber nicht über andere und werte diese auch nicht ab, sondern nehme andere gerne auf und sehe sie als Bereicherung seines Lebens an. Der Nationalist dagegen stelle sich über andere und werte diese entsprechend ab. „Nationalistische Sprüche wie ‚Deutschland über alles‘ haben unser Land und andere Nationen in eine dunkle Zeit geführt“, mahnte der Redner. Heute höre man etwa „America first“ und vielerorts, leider auch in Deutschland, würden nationalistische Tendenzen wieder an Zuspruch gewinnen.
Die Europäische Union habe in der deutschen Geschichte eine bislang einmalig lange Zeit des Friedens und des Wohlstands gebracht. „Nationalismus, der nach Emmanuel Macron Verrat am Patriotismus ist, zerstört dieses Gebäude und nimmt uns den Frieden. Nationalismus hat im zurückliegenden Jahrhundert immer zu Krieg, Zerstörung, Tod und unermesslichem Leid geführt. Deshalb darf er in unserem Leben keinen Platz mehr haben“, so Volker Thomalla, der aufforderte, im Alltag gegen nationalistische Tendenzen einzutreten. Nur dann könnten spätere Generationen am 11. im 11. weiter die rote Pappnase aufsetzen, statt Trauersymbole tragen zu müssen, „weil sie nicht nachvollziehen können, wieso wir nicht aus der Geschichte gelernt haben“, schloss er seine Rede, bevor Gerhard Hausen für die Stadt, Christoph Conrad und Heinrich Richarz für den VdK sowie Uli Koch für Bürger- und Junggesellenvereine Kränze niederlegten.
Dabei gedachte sie der Opfer von Gewalt und Krieg aller Länder, der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlingen ihr Leben verloren haben. „Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben oder die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder ihrem Glauben festhielten“, so Gerhard Hausen. Nicht vergessen wurden die Opfer der aktuellen Kriege, die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung. „Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten. Aber unser leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt“, hob der Stadtchef hervor, bevor Andreas Arend nach einem Trauermarsch der Bläser ein Gebet sprach, dem die Chorgemeinschaft das Lied „Die Rose“ folgen ließ, bevor die Bläser die Gedenkveranstaltung mit dem 1809 von Ludwig Uhland gedichteten „Guten Kameraden“ abschlossen, zu dem 1809 Friedrich Silcher die Melodie komponiert hat. DL
Zahlreiche Vertreter Unkeker Vereine waren am Volkstrauertag der Einladung der Stadt gefolgt.
