Allgemeine Berichte | 01.04.2022, 14:54 Uhr

Jugendgottesdienst Fachstelle für katholische Jugendarbeit und Pfarrei St. Peter Montabaur und Stelzenbachgemeinden

Kreuzreliquien-Verehrung der Firmlinge

Die Firmlinge verehrten die Kreuzreliquie. Foto: St. Peter Montabaur - Stelzenbachgemeinden
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Montabaur. „Firmung – das bedeutet Ja zu sagen zu unserem Glauben an einen liebenden Gott, der uns trägt und begleitet, in guten wie in schlechten Zeiten“, begrüßte Pastoralreferentin Elke Weisbrod die etwa 200 Gläubigen, die zur Kreuzreliquien-Verehrung in die Pfarrkirche St. Peter in Ketten gekommen waren.

Ängste und Wünsche vor Gott tragen

Die jüngste Zeit sei geprägt von „vielen schrecklichen Ereignissen“ wie die Corona-Pandemie und dem Krieg in Europa. „Dazwischen alles, was sonst noch geschieht: Krankheiten, Tod, Unfälle, Trennung, Enttäuschung, Misserfolg“, zählte die Seelsorgerin auf. Zusätzlich sei die Kirche selbst in Kritik geraten, müsse Missstände aufarbeiten und neue Wege gehen. „Wo finden wir Gott in alldem? Wo die Menschen guten Willens? Wo können wir aktiv werden und die Kirche und die Gesellschaft mitgestalten?“ Diese und viele andere Fragen sollten in dem Firmkurs und dem Gottesdienst aufgegriffen werden. Um die Sorgen, Ängste und Nöte, aber auch unsere Hoffnung und Wünsche, vor Gott zu tragen, dafür sei die Kreuzreliquie des Bistums Limburg als „besonderer Gast“ in die Pfarrkirche St. Peter in Ketten nach Montabaur gekommen.

Brücke ins Leben Jesu

Domdekan Dr. Wolfgang Pax erklärte den 41 Firmlingen und ihren Eltern die Bedeutung der Kreuzreliquie: „Sieben Millimeter dünne Holzbrettchen - schnell verbrannt, wenn man sie in einen Ofen werfen würde.“ Warum sind diese der katholischen Kirche so heilig? „Ihr habt alle Erfahrungen damit. Es gibt Gegenstände, die erinnern euch an einen bestimmten Menschen.“ Genauso sei es sich mit diesem Kreuz auch. „Dieses Kreuz erinnert uns an Jesus. Sogar mehr noch: Dieses Kreuz zeigt uns, dass Jesus gelebt hat, Mensch unter uns war, dass er etwas Besonderes in seinem Leben vollbracht hat. Und dass das etwas mit uns zu tun hat. Diese Holzbrettchen sind die Brücke ins Leben Jesu. Deshalb begegnen wir diesem Kreuz.“

Zur Geschichte der Kreuzreliquie

320 n. Chr. wurden in Jerusalem Reste eines Kreuzes gefunden. Man ging davon aus, dass das das Kreuz Jesu ist. Durch bestimmte Wege ist es damals nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, gekommen. Was wir sicher wissen, ist, dass um 950 ein ganz feierlicher Kasten aus Gold und Edelsteinen angefertigt wurde, um diese Holzbrettchen aufzubewahren. Ein Ritter aus Deutschland hat auf einem Kreuzzug diese Staurothek an die Mosel gebracht. Von Trier gelangte sie dann nach Limburg. Historisch unumstritten ist: Diese Holzstückchen werden über 1000 Jahre als das Kreuz Jesu verehrt.

Lebenshingabe

Pax erläuterte im Folgenden die spirituelle Bedeutung der Kreuzreliquie: „Das Kreuz ist ein schreckliches Folterinstrument. Das hat seinen Grund. Am Kreuz hat Jesus sein Leben gegeben, weil er konsequent war und nicht geflohen ist. Und da gab es einen Gott, der hat hinter diesem Kreuz, Jesus, seinen Sohn, mit Leben beschenkt.“ Das Kreuz stehe für Lebenshingabe. „Es zeigt uns: Gott ist stärker als der Tod. Jesus hat eben nicht am Kreuz seinen letzten Atemzug getan, sondern wurde in neues Leben gerufen.“

Den Kreislauf der Gewalt durchbrechen

Marco Rocco, Leiter der katholischen Fachstelle für Jugendarbeit, verglich die Kreuzreliquie mit dem Original eines Firmenlogos. „Beim Logo wird eigentlich ganz deutlich: es geht um die Bedeutung. Und wir wissen, was wir damit verbinden. Das Kreuz ist gewissermaßen zum Logo für unseren Glauben geworden. Aber wissen wir, wofür es steht?“ „In einem Moment, an dem nichts mehr vor und zurückgeht, in einem Moment, in dem alles aussichtslos scheint, kein Licht am Horizont, durchbricht Jesus, für euch, für mich, und für uns alle den Kreislauf von Gewalt und Hass. Als er festgenagelt ist, durchbricht er den Kreislauf von Rache und noch mehr Gewalt, indem er sagt: Vergib ihnen! Was für ein Hirte ist Jesus!“

Neuanfang und Auferstehung

Rocco erzählte als persönliches Beispiel von einem ihm aussichtslos erscheinenden Konflikt mit einer mit ihm verwandten Person. Diese habe er einfach mal in den Arm genommen und dabei seinen Wunsch gesagt, dass er sich ein besseres Verhältnis wünsche. „Ich habe das dann einfach eben gemacht. Ich würde jetzt nicht sagen, dass das ein Patentrezept ist. Aber was ich daraus mitgenommen habe, ist: Wir müssen den Kreislauf durchbrechen. Gott traut uns das zu.“ Für Rocco besteht schon in einem Neuanfang die Glaubenserfahrung von Auferstehung. Ausweglose Situationen gebe es ja genug. „Zum Beispiel im Ukraine-Konflikt: Wo kann da Licht sein, wenn zwei Armeen sich gegenüber stehen. Aber auch dort geben Menschen einiges hin. Sie geben ihr Leben hin, um Freiheit zu verteidigen, einige geben alles hin, um Geflüchtete aufzunehmen.“ Auch wenn es nicht die Patentlösung gebe, bestehe immer eine Möglichkeit, aus dem Kreislauf der Verzweiflung etwas Neues starten zu können. „Und deswegen ist das Kreuz für mich zurecht unser Logo, unser Zeichen der Hoffnung. Unser Zeichen, dass im Kreuz wirklich Heilung steckt. Am Kreuz, als nichts mehr ging, weder vor noch zurück, macht Jesus das einzig Richtige: Er bittet um Vergebung und zeigt uns bis heute damit, wie wir damit umgehen können.“ Rocco ermunterte die anwesenden Jugendlichen und Erwachsenen, gerade in der Fastenzeit persönliche Zeichen des Neuanfangs zu setzen.

Symbolisiert wurde der Neuanfang mit Gott durch die Kreuzverehrung, für die alle Anwesenden zur Kreuzreliquie nach vorne kamen und ein persönliches Olivenholz-Kreuz zum Umhängen geschenkt bekamen. Musikalisch umrahmt wurde der Jugendgottesdienst durch den Lobpreis der Band „CreatorSound“ der Fachstelle für katholische Jungendarbeit. Die technische Leitung hatte Jugendbildungsreferent Lukas Winkler übernommen.

Pressemitteilung

St. Peter Montabaur -

Stelzenbachgemeinden

Die Firmlinge verehrten die Kreuzreliquie. Foto: St. Peter Montabaur - Stelzenbachgemeinden

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