83 Kultobjekte am Kurfürstliche Schloss
Kultursalon lud zu einem lockeren Get-Together der Oldie-Freunde ein
Koblenz. Wetter wie aus dem Bilderbuch. Alle Oldiefans aus der Region kamen herbei. Den Höhepunkt des Oldtimertreffens bildete das „Classic Werkstattgespräch“ wie immer am Ende der Veranstaltung.
Ab 15 Uhr rollten erste Kultgrößen ein: eine grüne Citroen-Diva von de IG Young- und Oldtimerfreunde Neuwied machte den Anfang. Gefolgt von einem türkisblauem Karman Gia, einer grünen Benz-Heckflosse mit Anhänger, einem weißem Morgan-Coupet…. . Lokale Prominenz blickte herein: Christian Opitz mit einem TV-Mittelrhein-Kamerateam; Anna Maria Schuster Geschäftsführerin der BUGAfreunde; Jörg, Schmidt-Kilian, der überregional bekannte Kriminalist und Buchautor und viele andere mehr.
Im „Classic Werkstatt-Gespräch“ ab 17.30 Uhr waren als Talkgäste zu hören: Alexander Stenzel für die IG Young-und Oldtimerfreunde Neuwied, Heribert zu Reckenthal vom Nürburgring für die schnellsten Rallyes der Region, Franz Obst, Schirmherr der Gentlemen Driver Rallye Rheinland, Volker Thull, der Mann für alle Versicherungsfragen aus Mainz, Christoph Gotthardt, Restaurateur für Oldtimer aus Koblenz. Wie immer unterhielt Moderatorin und Gastgeberin Petra Lötschert die Talkgäste und ihre Zuhörer mit interessanten Fragen und Tipps rund um das Oldtimergeschehen.
Der Neuwieder Kumpelttyp
Mit Alexander Stenzel – Architekt und 1. Vorsitzender der IG Young- und Oldtimerfreunde Neuwied startete die Runde.
Die Gruppe ist als bodenständig bekannt. Sie bildet einen der größten Stammtische am Rhein. Fahrende Frauen bilden etwa 10 Prozent der Clubmitglieder. Alexander Stenzel, auf seinem schwarzen Hemdkragen steht Axel, hat wie die Salongründerin und viele andere zuerst einen Käfer gefahren. Seinen ersten Oldtimer hat er auf einem Schrottplatz gefunden und solange an ihm geschraubt und geschweißt bis wieder ein stolzes Auto aus ihm wurde - ein Renault Alpin. Mit dem fuhr er auch auf seine eigene Hochzeit.
Die stolze Neuweiser Truppe hat auch Andernacher, Siegener an ihrem Tisch sitzen. Er kann unterschiedliche Menschen führen. Er ist ein Kumpeltyp. Die Food-Rallye Nr. 8 steht schon im Start, auch gesellige Mahlzeiten gehören dazu. Start und Ziel ist das Food-Hotel Neuwied von etwa 120 Fahrzeugen.
Die Stadt Neuwied unterstützt ihre Oldiefreunde mit allen Mitteln – kostenfreie Straßenabsperrungen, Parkplätze auf Zeit gehören dazu. Alexander Stenzel will Petra Lötschert, die das Oldtimer-O´Podium alleine stemmt, gerne mit seiner Mannschaft auch in Zukunft unterstützen. Das „Classic-Werkstattgespräch“ gefällt ihm, denn hier wird spannend informiert und es lassen sich gute Verbindungen knüpfen.
Der schnelle Heri
Heribert zu Reckenthal ist alles andere als versnobt. Er bietet Petra Lötschert an, ihn einfach Heribert Reckenthäler zu nennen, denn seit 1919 seien Adelstitel abgeschafft worden. Auch er kommt gebürtig aus Neuwied und lebte lange in Urbar. Heute ist er auf dem Nürburgring zu Hause. Sein erstes Auto war bereits eine Rennmaschine – ein Ford Fiesta mit 350 PS. Mit seinen Freunden hat er dann Bildersuchfahrten durchgeführt. Diesem Hobby ist er treu geblieben und machte es zu seinem Broterwerb – Rallyes ins Leben zu rufen. 2011 startete er mit Porsche-Touren. 2014 mit der Lady Caprio Rallye – auf Facebook keck mit „Frauen fahren oben ohne“ ausgeschrieben. 2015 erfolgte die Gentlemen Driver Rallye Rheinland, Die Royal Run sowie die Supercar Rallye stocken die Geschwindigkeit seiner Rallyes auf. Bei der Gentlemen Driver Rallye treten Oldtimer gegen schnelle Flitzer an und können auch dabei gewinnen. Dazu hat er Rechtsanwalt Franz Obst als Schirmherr auch für 2017 im Mai gewinnen können. Die Erlöse dieser Charity-Rallyes gehen an Kindergärten, Kinderstationen in Krankenhäusern, Jugendprojekten von Gemeinden. Der schnelle Heri zeigt Herz. Übrigens, er hat das Oldtimertreffen in seiner Heimat, im Kurfürstlichen Schloss auf Facebook fleißig mit Ankündigungen unterstützt.
Vitamin B in Persona
Franz Obst ist ein bekannter Rechtsanwalt in Koblenz, der auf RTL mit Mario Barth Missverhältnisse im deutschen Land aufdeckt, selbst bei Behörden. Er ist schon lange Oldtimerfan. Es begann mit einer Spielzeug-Oldtimer-Sammlung. Er gesteht gerne in Oldtimern mitzufahren. Sein Wissen über Autos hat er sich in seiner Jugend über Autoquintett antrainiert, heute alles Oldtimer. Er kennt damit exakt die genauen Daten und kann mitreden. Was Franz Obst an der Runde so sympathisch macht, ist seine Liebe zur Wahrheit. Franz Obst verfügt zudem über eine Mediatorenausbildung. Er bekommt alle ruhig, bringt alle zum Mitspielen. Am Gesprächstisch von Frau Lötschert kommt schon mal kein Streit auf. Er ist einfach Everybodys-Darling. Ihm macht der Schlagabtausch am Hochtisch Spaß.
Sein regionaler Einfluss zeigt sich als Schirmherr, wenn es darum geht für Rennen Straßensperren genehmigt zu bekommen, Durchfahrten zu ermöglichen, den Oberbürgermeister zu Events einzuladen.
Sein erster Autotraum fing mit einem Renault 10 an, anschließend war es ein Taunus Coupé mit 50 PS. Er bleibt auf dem Teppich. Heribert Reckenthäler verwöhnt ihn heute als Schirmherr seiner Rallyes mit Get-Together-Parties und unter anderem mit Superautos – Ferrari-, Bugatti-, Lamborghini–Fahrten. Franz Obst zieht hier gerne mit, denn er macht es für einen guten Zweck. Sein Hauptgebiet bleiben jedoch die Paragrafen, durch dessen Dschungel er seine Anhänger auch beim „Nachbarschaftsstreit“ führt. Er bleibt sich treu.
Mann für Rallye-Konzepte
Volker Thull sprang an diesem Samstag für Michael Peschel ein, der auf der Essener Techno Classica einfach nicht mehr wegkam. Volker Thull ist ein Versicherungsmann aus Mainz, der sich an heiße Eisen der Rallye-Szene heranwagt. Er schuf für die Allianz Versicherungskonzepte, die einzige Rallye- Vollkaskoversicherung von Europa. In China kann man seinen Oldtimer nicht versichern, schon gar nicht bei Rallyes. Er macht es von Deutschland aus weltweit möglich. Thull fuhr und fährt selbst Rallyes. Der deutsche Oldtimer-Index berichtet von einem diesjährigen Oldtimerwertzuwachs von neun Prozent, klärt Lötschert auf: „die 50er Jahre Autos von Mercedes Benz, der VW-Bus Typ2, der Citroen 2CV6, bekannt als Ente, der Fort´d Escort 1100S liegen dabei ganz vorn“. Die Top 10 Sales von Amelia Island zeigen das auf dem amerikanischen Markt die europäischen Modelle am teuersten verhandelt werden - allen voran die Italiener mit Bugatti 1937 Typ 575 Cabriolet schug bei einer Auktion mit 7, 7 Millionen zu buche, ihm folgte der Ferrari 250 Europa Coupe von 1955 mit 2,2 Millionen. Solche Automobile sind gut mit einer Allgefahrenversicherung abgedeckt, erfahren wir.
Volker Thull sieht ein Problem darin, das viele Oldtimer nur eine Haftpflichtversicherung haben. Manche sind erst gar nicht versichert. „In Düren“, berichtet Moderatorin Lötschert, „haben Nagetiere einen Scheunen-Jaguar im Innern zerlegt“.
Bei einer Voll- oder Teilversicherung wäre der Versicherer dafür aufgekommen und erklärt warum. Der Mann aus Mainz weist dabei auch auf weitere Teilversicherungen hin wie zum Beispiel die Reparaturversicherung, Pannenschutzbriefe etc. hin. Er rät allen Oldtimerbesitzern zu einem Wertgutachten – schon ab 100 Euro zu haben. „Das sichert den Verkaufs- wie Versicherungswert“, meint Thull. Wie hätte er wohl Heidi Hetzler, die nach einer Weltumrundungstour mit dem Oldtimer HUDO (Hudson Greater Eight, Baujahr 1930) versichert? Allein der Motor ihres HUDOS wurde zweimal ausgetauscht.
Besonders tierlieb
Er liebt die Enten und doch kam Christoph Gotthardt mit einem Ford der 20er Jahre an, der aus dem Grand Canyon stammt. In dieses Auto hat der Maschinenbautechniker seine Liebe bis ins Detail gesteckt. Alles begann jedoch mit einem Käfer. Doch als er in Aachen eine blaue Ente sah, unter der zwei nackte Damenbeine lagen, war es um ihn geschehen.
Er kaufte der Besitzerin die tüvreife Ente für 100 DM ab und restaurierte sie auf Zustandsnote 2. Heute besitzt er immer noch diese Ente Baujahr 1976, mit Marktwert über 20.000 Euro.
Seine Ehefrau hat er einst jedoch mit seinem Fahrrad betört, er kam spät nachts bei ihr an und blieb bis heute. Christoph Gotthardt ist mit Leidenschaft Restaurateur, hat eine eigene Werkstatt, die sein Hund Amie bewacht. Bereits als Zehnjähriger zerlegte er Haushaltsgeräte, dann waren es Motorräder, zum Schluss die Autos. Von der Silvretta Classic schwärmt Gotthardt am meisten. Mal war er mit einem Jaguar E-Type, Serie 3 dabei, mal mit seiner Ente. Mit der Ente bekam er am meisten Kontakt.
Volker Thull sieht er am Tisch erst argwöhnisch an, als dieser mit Versicherungen loslegt. Als es jedoch um einen Werkstattfall mit Motorschaden geht, gewinnt er Achtung vor Volker Thulls Angeboten. Dass es diverse Teilversicherungen gibt, findet er spannend.
Sogar Motoren-, Bremsenversicherungen - auch mit Selbstbeteiligungen sind dabei. Thull ist eben ein Rallyefachmann und weiß, was ein Oldtimerbesitzer braucht. Christoph Gotthardt fängt Feuer.
Jugger – 3,2,1
Auf der Schlosswiese tobte ein Mannschaftsspiel nach Trommelschlägen.
Salongründerin Lötschert hatte deutsche Jugger eingeladen, ihr Spiel als Prävention gegen Gewalt unter Jugendlichen einzusetzen. Juggern ist ein Mix aus verschiedenen Sportarten. Fechten, Speerwurf, Rugby. Eine Art Gladiatorenspiel bei dem es um Fairness, Geschicklich- wie Schnelligkeit, Kreativität und Teamgeist geht.
Ohne Gruppenzusammenspiel kann hier kein Spiel gewonnen werden. Der Kultursalon mit seinen Talkgästen schlägt gegen illegale Rallyes auf öffentlichen Straßen Geldstrafen in Kombination mit Antigewalttraining wie das Juggern vor. Mit Bastian Klein und Tom van Helvoort als Ansprecher der Juggergruppe Koblenz erfuhren die Koblenzer einiges über fairen Mannschaftssport und spielerisch erlernbare Gewaltprävention.
Kultur im Schloss
Auf der Schlosswiese wurde unweit der schönsten historischen Limousinen gepicknickt, gesonnt wie gejuggert. Das Schloss gehörte an diesem Nachmittag den Koblenzern und seinen Gästen. Und alle genossen es.
Der Kultursalon Koblenz hatte sich mit dieser Veranstaltung mal wieder viel Mühe gegeben. Alles in allem ein schönes Konzept seine Stadt mit den eigenen Bürgern und Gästen der Region zu feiern. Der Koblenz Touristik müsste dieses Konzept gefallen, vielleicht lässt es sich sogar noch gemeinsam ausbauen.
Sommerpause
Der Kultursalon Koblenz geht in seine Sommerpause und tritt im Herbst wieder mit neuen Themen an. Am Samstag, 28. Oktober geht es um „Heimat schmecken –regionale Köstlichkeiten geben sich die Ehre.“ Vorgestellt werden besondere Produkte und Produktionsverfahren der Region unter anderem mit Christa Alsbach. Und am Samstag, 16. Dezember heißt es „Wunderwerk Technik – vom Charme des Industriedenkmäler“. Mit von der Partie sind Eisenhütte Sayn und Wollfabrik Moselkern. Mehr auf der neuen Website www.kultursalonkoblenz.de ab Mai.
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