Künstler aus Unkel und Umgebung laden noch bis Sonntag zur Ausstellung „Unkeler Kreativ“ ein
Kunst und Kunsthandwerk stieß bei zahlreichen Besuchern auf großes Interesse
Unkel. Die jüngsten Künstler, die Kinder aus den beiden Unkeler Kindertagesstätten Sankt Pantaleon Scheuren und dem städtischen integrativen Marien-Kindergarten begrüßte Stadtbürgermeister Gerhard Hausen als erste, der am Samstagvormittag die 27. Ausstellung „Unkeler Kreativ“ im Foyer des Verwaltungsgebäudes der Verbandsgemeinde eröffnete. Sein besonderer Willkommensgruß galt natürlich dem Hausherrn, VG-Chef Karsten Fehr, sowie der Organisatorin der Ausstellung, Dani Niemeyer. „Du bist nun schon seit 14 Jahren für ‚Unkeler Kreativ‘ Produzentin, Regisseurin und Drehbuchautorin in Personalunion. Du hast eine Ära maßgeblich geprägt, indem du sie mit deiner eigenen Handschrift versehen und diesem wunderbaren Mosaik der Kreativität eine Struktur verliehen hast“, lobte der Stadtchef das Engagement der Fotografin aus Bruchhausen. Diese hatte 2005 Ewald Thelen abgelöst, der die Ausstellung 1992 ins Leben gerufen und federführend ausgebaut hatte. „Aus persönlichen Gründen zieht es dich jetzt häufiger in den Norden unserer Republik, sodass du mit der heutigen Eröffnung die Leitung der Ausstellung in andere Hände übergibt. Allerdings bleibst du uns für unsere Webseite weiter erhalten“, freute sich Gerhard Hausen, bevor er sich den 33 Ausstellern widmete.
„Mit Hildegard Neunkirchen haben wir zwar noch eine Teilnehmerin der ersten Stunde unter den Ausstellern, aber mit Angela Richarz und Robin Schneidet auch zwei, die hier zum ersten Mal vertreten sind, ein Beleg, dass ‚Unkeler Kreativ‘ nicht nur bewegt, sondern auch selber in Bewegung ist“, so der Stadtchef. Eben diese Vitalität sei ein Ausweis von Kreativität, die über die Grenzen der Kulturstadt hinaus anerkannt werde. So genieße „Unkeler Kreativ“ einen Ruf als eine der interessantesten Ausstellungen in der Region, betonte Gerhard Hausen, bevor er Oscar Wilde bemühte. Für den irischen Lyriker war Kunst „die stärkste Form von Individualismus, welche die Welt kennt!“ Belegt werde dies durch die Tatsache, dass jeder der 33 ausstellenden Künstler seine eigene kreative Ausdrucksform darbiete. So würde man auf Fotografien, Stoffdesign, Acryl und Ölbildern sowie auf Aquarelle, Porzellanmalerei, und Schmuck, auf Plastiken und Handarbeiten in vielfältiger Form treffen, wodurch ein beeindruckender Einblick in die ungeheuer vielfältigen Möglichkeiten künstlerischen Schaffens geboten werde, so der Stadtchef.
Stefanie Lahr folgt auf Dani Niemeyer
„Der Fantasie sind eben nahezu keine Grenzen gesetzt“, erklärte er, um dann die Kinder zu Wort kommen zu lassen. Zunächst gaben die Pantaleon-Kindergartenkinder mit dem „Körperteil-Blues“ ihren Einstand, bevor Lukas Darbe vom städtischen Kindergarten seine Truppe in „Wackelpudding“ verwandelte. Dafür erhielten er und die Scheurener Kita-Leiterin Bernadette Hausen von Dani Niemeyer jeweils 300 Euro, Summen, die durch den Verkauf von Künstlerspenden zusammengekommen waren. „Ich bin froh und dankbar, dass ich solange diese Ausstellung leiten konnte, eine Arbeit, die in so gut besuchten Vernissagen wie der heutigen ihre Höhepunkte gefunden hat“, erklärte die scheidende Organisatorin, bevor sie Stefanie Lahr als ihre Nachfolgerin vorstellte. Unterstützt wird die Rheinbreitbacherin von Susanne Blank, die schon seit Jahren die Webseite von „Unkeler Kreativ“ gestaltet.
Deren Acrylcollagen von Schmetterlingen und einen großen Hundeporträt sieht man sich gegen über, wenn man im Foyer vorbei an den Patchwork-Topflappen, -Läufern und -Wandbehängen von Ingeborg May sowie an den stolzen Hähnen, den lustigen Koch-Katern und den niedlichen Schweinchen, von Inge Klein auf Hutschenreuther und anderen Porzellan gemalt, den Sitzungssaal betritt. Dessen Mitte neben große Stellwände mit Bildern ein wie etwa die „Gesichter unserer Welt“ von Sabine Heckner oder die „Augen-Blicke“ von Schlange, Affe oder Eule neben dem Bullterrier und dem Australian Shepherd, gemalt von Saskia Blank. In die „Toskana“, aber auch auf die Insel Grafenwerth entführt Hildegard Böhle-Stammschräder, die mit der „Dame in grüner Jacke“, August Macke in die Kulturstadt. Mit Meistern der Renaissance hat sich Harald Willms beschäftigt, der neben den Acrylbildern „Unkeler Funkler“ und „Weinkeller Kloster Eberbach“, in Sepiazeichnungen die „Libysche Sibylle“ und „La Giovinetta“ von Michelangelo und Leonardo da Vinci beisteuert. Während Christel Runkel mit ihren Ölbildern den „Frühling“ herbeizusehnen scheint, erinnert Gisela Meitzner neben ihrer „Urwelt“ mit „Christrosen“ bereits an den nahen Winter.
An den Tischen an den Wänden entlang findet sich etwa „Gestricktes“ von Cilli Adenauer, Tiffany-Glasarbeiten von Renate Severin sowie Schmuck von Romy Grundgeiger, Sabine Menne und Monika Dodemont und kleine Wichtel, Igel, Mäuse und Häschen aus Kaninchenfell von Wolfgang Schütz. Oder aber etwa mit Rheinlandschaften bemalte Muscheln und Steine neben Ledertaschen und Ministaffeleien von Marie-Luise Osterholt. „Die Arbeit sieht man den veredelten Flaschen und Gläsern mit den aus Spezialsilikon selbst gegossenen Spitzen gar nicht an. Immerhin musste zwei Mal Farbe und zwei mal Lasur aufgetragen werden, bis dieser schimmernde Effekt erreicht war“, berichtete Doris Lange einer Besucherin. Die hatte noch kurz zuvor in Kindheitserinnerungen geschwelgt, hatte die Keramikerin Hildegard Neunkirchen doch nicht nur den „Struwwelpeter“ aus dem Bilderbuch des Frankfurter Arztes und Psychiaters Heinrich Hoffmann geformt und gebrannt, sondern auch dessen Kollegen vom zündelnden „Paulinchen mit Minz und Maunz, den Katzen“ über den „fliegende Robert“ und den „Hanns Guck-in-die-Luft“ bis hin zu der um den Tisch sitzenden der Familie vom „Zappelphilipp“.
Wie in den Vorjahren laden Künstler zudem zu Aktionstages ein. Nachdem am ersten Wochenende Cilli Adenauer Geschenktüten gebastelt hatte malt am Samstag, 13. Oktober, ab 14 Uhr Hildegard Böhle-Stammschräder Acrylbilder, während Susanne Blank am Sonntag, 14. Oktober, ebenfalls ab 14 Uhr an einem Miniaturaquarell arbeitet. Zu sehen sind die Arbeiten der 33 Künstler in der Linzer Straße 4 noch bis nächsten Sonntag täglich von 11 bis 18 Uhr. DL
Groß war der Besucherandrang am Tag der Vernissage.
