800 Fans in der Remagener Rheinhalle ließen sich auf den Parodisten und Stimmenimitator Andreas Müller ein
Kurz und heftig bekamen alle ihr Fett weg
Zum Schluss des abwechslungsreichen Programms gab es noch bekannte Melodien mit eigenen Textteilen
Remagen. Alles, was bei drei nicht auf dem Baum war, nahm er in rasantem Tempo unter die Lupe. Und wer nicht aufpasste, der hatte schnell den Gag am Rande verpasst. Aber die 800 Fans in der Remagener Rheinhalle ließen sich ein auf den Parodisten und Stimmenimitator Andreas Müller. Müller ist der Mitbegründer und Macher der SWR3 Gagtory und Comedychef des Radiosenders. Bevor er ins Programm einstieg, ließ er wissen, dass er gerade aus Nordkorea komme, „ach Verzeihung, nein, aus Heinsberg“ – und das Publikum brüllte vor Lachen. Gleich beim Einstieg, auch wenn es auf der Bühne mit den vielen Instrumenten aussah, als gebe er gleich ein Konzert, legte Müller mit seinem einzigen Instrument, der Stimme, los und nahm sich passend zu Nordkorea und Heinsberg das Coronaviurs vor. Schlimmer als die Pandemie sei die Hysterie. Dagegen gebe es ein Medikament, das „Schmalspuridiotikum gegen Panikmache und Hamsterkäufe“. Dieses Medikament war auf der Leinwand hinter ihm erschienen. Und dort waren denn auch alle zu sehen, über die er in rasantem Tempo schwätzte. Ob Nahles oder Merkel, ob Seehofer oder Kim und Putin sowie Videoeinspielungen oder Schlagzeilen: Immer parallel zu seinen Worten flimmerte das Passende über die Leinwand. Aufs Korn nahm der Parodist, immer wieder auch begleitet von deren Stimmen, die vielen Hinwerfer in „disruptiven Zeiten“. Ob Nahles oder AKK, die glücklicherweise mit Vornamen nicht Friederike heiße, ob Sahra Wagenknecht, Jean-Claude Juncker, Dirk Nowitzki oder der dreitägige Ministerpräsident von Thüringen, Thomas Kemmerich: Kurz und heftig bekamen alle ihr Fett weg, bevor sich Andreas Müller auf die Trennungspaare wie Wulffs und Gottschalks stürzte.
Nur einer gebe nicht auf, und der sei Bayer, und das sei Horst Seehofer. Die Bayern würden niemals freiwillig aufgeben. Nur einer habe vorzeitig aufgehört – und das sei Papst Benedikt gewesen. Auch im Ausland gebe es viele, die niemals gehen würden. Und hier reichte die Palette von Kim bis Putin.
Einen kleinen Abstecher nach Remagen gab es auch, als Müller von Peter Altmaiers eigenem Weltraumbahnhof auf die viel wichtigere Baustelle auf der B9 in Remagen und den Zustand der Remagener Brückentürme kam.
Schlag auf Schlag ging es weiter. Die Fans mussten schon ganz gut aufpassen, wer jetzt dran war. Stimmen imitieren gehört nun mal zu Müllers besonderen Gaben. Und da waren Angela Merkel, Helmut Kohl und Gerhard Schröder an der Reihe.
Das große Publikum amüsierte sich bestens. Köstlich auch der „Außenamtsdarsteller“ Heiko Maas, den Müller als H&M-Modell im „Maas-Anzug“ sah. Aufgrund seiner Größe werde da auch nicht so viel Stoff verbraucht, das halte den Preis niedrig. Er fabulierte über die fortschreitende „digitale Entmündigung“. Heute kenne kaum jemand die eigene Handynummer.
So ging es munter weiter. Parodist Müller hastete über die Bühne, ohne auch nur einen Moment Stille walten zu lassen. Das Publikum liebte es, wenn ihm auch anschließend der Kopf gerauscht haben muss. Doch zum Schluss des Programms gab es noch Musik von Müller, bekannte Melodien mit eigenen Textteilen, wie zum Beispiel „All you need is Löw“ von den Beatles. Der tosende Applaus war dem SWR3-Parodisten absolut sicher. AB
Auch die ehemalige Bundesarbeitsminsiterin Andrea Nahles bekam in Remagen ihr Fett weg.
