Neue Klänge im Gewölbe in Montabaur
Lauschvisite überraschte mit vier internationalen Uraufführungen
Montabaur. Am Dienstag, 31. Januar, war die Konzertreihe Lauschvisite zum wiederholten Mal zu Gast bei Kultur im Keller im historischen Gewölbe und bot mit zeitgenössischen Kompositionen ein besonderes Programm, das in der Region seinesgleichen sucht. In ihrer Begrüßung unterstrich Jutta Linden-Quirmbach die internationale Ausrichtung der Lauschvisite, die auch in diesem Konzert zum Ausdruck kam. Neben der Westerwälder Akkordeonistin und Initiatorin der Lauschvisite, Eva Zöllner, waren die Klarinettistin Heather Roche aus London, die japanische Komponistin Miharu Ogura und der iranische Komponist Sina Fani Sani nach Montabaur gekommen, um gemeinsam ihre Arbeit zu präsentieren. Das Konzert war der Abschluss eines Projekts des Zöllner-Roche-Duos mit jungen Komponistinnen und Komponisten aus aller Welt, das im Rahmen eines Ensemblestipendiums des Deutschen Musikrats realisiert wurde. Das Westerwälder Publikum erlebte in der besonderen Atmosphäre des alten Gewölbes gleich vier Welturaufführungen. Eva Zöllner moderierte durch den Abend und gab gemeinsam mit den anwesenden Komponisten hilfreiche Einführungen zu den Musikstücken. Sina Fani Sani erzählte, wie die aktuelle Situation in seiner Heimat, dem Iran, Eingang in seine Musik gefunden hat, und das Publikum erlebte ein intensives Stück, in dem schroffe Klänge und persische Wortfetzen sich zu einer packenden Textur verbanden. Miharu Ogura ließ in ihrer Komposition Klangflächen zerfließen und gestaltete virtuose Passagen, die den beiden Musikerinnen einiges abverlangten. Zöllner und Roche spielen seit vielen Jahren im Duo und ihre enge Verbundenheit wurde in der musikalischen Präzision mehr als deutlich. Der ägyptische Komponist Amir Khalaf war per Videobotschaft zugeschaltet und präsentierte ein geräuschhaftes Stück, das die Konzertbesucher zum aufmerksamen Zuhören herausforderte. Seine Kollegin Sonia Gonzalez aus Mexiko wurde für ihre Komposition von astrophysikalischen Phänomenen inspiriert und brachte dies in kompakten und überraschenden musikalischen Gedanken zum Ausdruck.
Das Publikum erlebte hautnah, wie unterschiedlich sich experimentelle Komponistinnen und Komponisten heutzutage ausdrücken und wie spannend es sein kann, die ausgetretenen Pfade der Musik zu verlassen. Im mit mehr als 40 Zuhörern gut gefüllten Gewölbe entstand eine lauschende Gemeinschaft, die die ungewöhnlichen Klänge fasziniert verfolgte. Im Anschluß an die Veranstaltung wurde noch lange und angeregt über die erlebte Musik gesprochen.
