Zum 140. Todestag von Ferdinand Freiligrath lud der Geschichtsverein Unkel zur Soirée ein
Leben des „Trompeters der Revolution“ anschaulich vorgestellt
Unkel. Zu einer Begegnung mit Ferdinand Freilgrath hatte der Unkeler Geschichtsverein aus Anlass des Todestages des Freiheitsdichters am 18. März 1876, also genau vor 140 Jahren, Mitte voriger Woche in das Weinhaus „Zur Traube“ eingeladen. „Allerdings erwartet sie keine Trauerfeier, sondern eher eine sehr informative, wie auch vergnügliche Soirée“, versicherte der Vorsitzende Piet Bovy den zahlreiche Gäste, darunter sein Rheinbreitbacher Heimatvereins-Kollegen, Dankward Heinrich, sowie der Leiter des Königswinterer Siebengebirgsmuseums, Elmar Scheuren. Für den informativen Teil des Abends zeichneten Stadtarchivar Wilfried Meitzner mit einem 30-minütigen Parforceritt durch das Leben von Ferdinand Freiligrath verantwortlich sowie Wolfgang Ruland, der in seinem längeren Vortrag durch Briefe, Originaltexte und Erinnerungen von Zeitgenossen die Unkeler Zeit des Dichters Revue passieren ließ.
Bei der Themenwanderung „Eckenblut und Terra Stux“ der Veranstaltung „R(h)einwandern in den Frühling“ im Vorjahr hatten Mitglieder des Geschichtsvereins Unkel bereits am 1. Mai für die Teilnehmer an drei Stationen in kurzen Szenen den Spätromantiker und Freiheitsdichter Ferdinand Freiligrath aufleben lassen. „Auch heute Abend werden Sie wieder unseren Stadtarchivar Wilfried Meitzner in der Rolle des Lyrikers erleben, wie dieser seinen Jugendfreund, den Liederdichter und Sänger Carl Stumpf, der von Detlef Blöcker gespielt wird, im Scheurener Weingut Römerhof besucht“, erfuhren die Gäste von Wolfgang Ruland. Zusammen mit Sabine Marquardt brachte dieser später den Zuhörern die Liebesbeziehung zwischen Ferdinand Freiligrath und Ida Melos näher, nachdem Günter Küpper als „Poet und Revolutionär“ auf André Bohnefaß, dargestellt von Werner Geißler, also auf die eher recht bodenständige Romanfigur des unvergessenen Unkeler Schriftstellers Leonard Reinirkens getroffen war, die mit dem schwärmerischen Dichter nicht allzu viel anfangen konnte.
„Ferdinand Freiligrath wurde am 17. Juni 1810 in Detmold geboren, wo seine dichterischen Talenten schon früh erkannt wurden“, berichtete der Stadtarchivar.
„1832 übernahm er eine Korrespondentenstelle der Firma Jacob Sigrist in Amsterdam, die dort ein Wechselgeschäft und Großhandelshaus betrieb. Die Nähe zum Meer inspirierte seinen schwärmerischen Hang zu exotischen Stoffen, sodass er in seinen Gedichten nach Afrika und in den Orient entführte“, so Wilfried Meitzner. Der bei Schwab veröffentlichte „Löwenritt“ habe den Dichter schließlich in ganz Deutschland berühmt gemacht, bevor er nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Mai 1837 als Kaufmannsgehilfe in der Barmener Firma P. von Eynern mit der Veröffentlichung seiner Gedichtsammlung bei Cotta/Stuttgart 1838 seinen endgültigen Durchbruch als Lyriker feiern konnte, so dass er seinen kaufmännischen Beruf aufgab.
Die Unkeler Zeit 1839/40 werde zwar als dichterisch unfruchtbare Zeit Freiligraths bezeichnet, allerdings sei der Abstand von der Tretmühle notwendig gewesen, um mit der Muße das Erlebnis der Rhein-Romantik in schöpferischer Kraft umzusetzen, so der Archivar. Immerhin habe der Dichter eine Liebe gewonnen und den Rolandsbogen wieder aufgebaut. „Politisch kann seine Lyrik, da noch nicht bezeichnet werden. Allerdings setzte Freiligrath seine ganze Hoffnung hinsichtlich Recht und Freiheit auf den preußischen König Friedrich Wilhelm IV., der ihm 1842 eine Staatspension von 300 Talern gewährte“, berichtete der Referent. Nur zwei Jahre später habe sich der Dichter dann doch politisch gegen den Preußenkönig wegen der verschärften Zensurmaßnahmen geäußert und habe auf die Pension verzichtet.
Zusammen mit seine Frau Ida, die ihn in seiner Haltung unterstützte, setzte er sich zunächst nach Brüssel, dann in die Schweiz ab, um einer Inhaftierung zu entgehen. Das Gedicht „Trotz alledem“ machte ihn zum „Trompeter der Revolution“, der 1848 nach Deutschlnd zurückgekehrte und an der von Karl Marx redigierten Neuen Rheinischen Zeitung mitarbeitete. Nach der Niederschlagung der Revolution entzog sich Freiligrath erneut der Verhaftung durch die Ausreise, zunächst in die Niederlande, dann 1851 nach England, wo seine Frau durch Sprachunterricht den Unterhalt sicherte. „1856 wurde der Dichter Leiter einer Schweizer Bankfiliale. Nachdem diese aber Ende 1865 geschlossen wurde, war er wieder arbeitslos. Im April 1867 riefen einige seiner Barmer Freunde zu einer Spendensammlung auf, die 58.000 Taler, also etwa 1,6 Millionen Euro einbrachte“, so Wilfried Meitzner. 1868 kehrte Freiligrath nach Deutschland zurück und ließ sich, da er in Preußen nicht amnestiert war, 1874 in Cannstatt bei Stuttgart nieder, wo er vor 140 Jahren am 18. März starb, schloss Wilfried Meitzner seinen Vortrag, nach dem Wolfgang Ruland auf die Unkeler Zeit einging. Angekommen war der Dichter dort am 1. September 1839 und zwar in der Löwenburg, bevor er am 23. September in die Mansarde des heutigen Freiligrathhauses umzog. „Ich wohne zu Unkel köstlich, paradiesisch“, schwärmte er, lange bevor er Ida Melos kennen gelernt hatte. Der soll er nach einem Erntetag bei Simrock am Menzenberg abends am Rhein seine Liebe gestanden habe, obwohl er seinem Vater am Sterbebett versprochen hatte, die jüngste Schwester seiner Stiefmutter aus Soest, zu heiraten. Ida Melos verließ Unkel Richtung Heimat, um ihm kurz darauf aus Thüringen zu schrieben: „Fern von Dir, Geliebter, ist es mir klar geworden, dass ich ohne Dich nicht leben kann - Ewig Dein!“ Umgehend antwortete ihr Ferdinand Freiligrath: „Du hast genannt mich einen Vogelsteller! Als ob Du selber keine Garne zogst! O Gott, in Deine Garne flog ich schneller und blinder ja, als Du in meine flogst!“ Ende 1840 verließ auch der Dichter Unkel und heiratet am 20. Mai 1841 die Tochter des Gymnasialprofessors und Buchautors Johann Gottfried Melos in Großneuhausen.
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