Allgemeine Berichte | 25.07.2017

Projekt an der Hochschule Koblenz

Lehre und Lernen im Zeitalter der Digitalisierung

Die beteiligten Studierenden (von links): Henrietta Rieken, Natalie Raczkowiak, Sabrina Heinrichs, Stefan Hoffmannund Jennifer Derichs.  Hochschule Koblenz

Koblenz. Ein praxisnahes Studium findet heute nicht mehr ohne Laptop, Tablet und Smartphone statt – weder auf Seiten der Studierenden noch auf Seiten der Lehrenden. Auch wenn es Tafel und Overhead-Projektor noch in vielen Räumen gibt, beschäftigen sich Lehrende und Lernende der Hochschule Koblenz mit der Frage, wie sich Lehre und Lernen im Zeitalter der Digitalisierung weiterentwickeln. Im Rahmen einer Projektphase im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften sind fünf Marketing-Studierende dieser Frage nachgegangen. Dazu wurden Schüler, Studierende, Lehrende und Experten im Bereich E-Learning befragt, welche Erwartungen, Möglichkeiten und Hindernisse die Digitalisierungsstrategien an Hochschulen beeinflussen.

Im Rahmen der Studie loben E-Learning-Experten die Potenziale des digitalen Lehrens und Lernens, die sie besonders in einer Steigerung der Medienkompetenz, der Berücksichtigung von individuellen Lernfortschritten und der Nutzung von zeitlicher und örtlicher Ungebundenheit verdeutlichen. Digitale Elemente, gemeint sind dabei unter anderem Videos, Podcasts oder Chats, sind heute bereits in den meisten Lehrveranstaltungen vorhanden und lösen immer häufiger das klassische Lehrbuch ab. Nicht nur für die sogenannte Generation Z, junge Menschen, die mit Smartphone, sozialen Medien und ständigem Internet- und Informationszugang aufgewachsen sind, ist dies der richtige Weg. Auch für spezielle Zielgruppen, wie alleinerziehende oder berufstätige Studierende, Fernstudierende oder Studierende mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, können digitale Lernangebote helfen Grenzen von Zeit und Raum zu überwinden und somit ein Studium überhaupt erst möglich machen. Doch die Digitalisierung stößt auch auf Grenzen. Technische Voraussetzungen sowie didaktische und methodische Kenntnisse der Lehrenden sind unterschiedlich ausgeprägt und rechtliche Rahmenbedingungen oftmals unklar. „Es gibt nicht die eine Antwort, wie man Lehre und Lernen digitalisieren sollte, vielmehr erscheint eine intelligente Verzahnung von Online- und Offline-Stärken als vorteilhaft“, fasst der betreuende Dozent Andreas Hesse die Ergebnisse des Projekts zusammen.

Internet ist ständiger Begleiter beim Lernen für die Schule

In einer Bestandsaufnahme wurden verschiedene Hochschulen hinsichtlich ihres Digitalisierungsgrads verglichen. Dabei kristallisierte sich auch für die Hochschule Koblenz Optimierungsbedarf heraus. Doch was erwarten die zukünftigen Studierenden von einer Hochschule? Einer Umfrage an mehreren Koblenzer Gymnasien und Schulen im ländlichen Raum zufolge betrachten sich die 18- bis 19-Jährigen als visuelle Lerntypen. Für sie zählen WhatsApp und Snapchat zu den wichtigsten Kommunikationsmitteln. Kostenlose Online-Videos und -Tutorials werden zur Lernunterstützung gerne genutzt, und das Internet ist ständiger Begleiter auch bei der Vorbereitung von Klassenarbeiten. Die Jugendlichen zeigen sich betont offen gegenüber elektronischen Unterlagen, Klausuren und Vorlesungen im Live-Stream. Auch bei den aktuellen Studierenden dienen virtuelle Informationsmedien als ergänzendes Lernmaterial. Ganz konkret wünschen sich die Studierenden Formate, die digitale Angebote und Präsenzveranstaltungen mischen, wobei dabei die Präsenzformate deutlich überwiegen sollen. Nur fünf Prozent der befragten Schüler und Studierenden fordern ein überwiegend oder gänzlich digitales Angebot.

Doch welche Chancen und Hürden sehen Lehrkräfte in der Digitalisierung? Letztlich verantworten und entscheiden die Professoren, welche Lehrformate sie einsetzen. An den drei Campus der Hochschule Koblenz wurden daher 53 Lehrkräfte im Bereich Wirtschaft befragt. Die Befragung macht deutlich, dass onlinegestütztes Lernen im Bereich der Kompetenzvermittlung an Grenzen stößt. So lassen sich wichtige Formate wie Gruppenarbeiten besser in Präsenzveranstaltungen umsetzen und auch Unsicherheiten bezüglich der technischen Umsetzbarkeit, des Vorbereitungsaufwandes und Urheberrechtsfragen stellen oftmals ein Hindernis dar.

Digitale Lehrangebote sollen Präsenzstudiengänge ergänzen

Die Hochschule Koblenz arbeitet beständig daran, die Präsenz-Studiengänge konsequent durch digitale Lern- und Lehrangebote zu ergänzen und sogenannte „Blended Learning“-Angebote auszubauen. Ein E-Learning-Referat bündelt dabei das Fachwissen auf dem Gebiet der digitalen Lehre. Hier beraten acht Angestellte und zusätzliche Beauftragte in den Fachbereichen die Lehrenden an den drei Standorten der Hochschule zu E-Learning-relevanten Themen, bieten Schulungen an und unterstützen bei der Aufzeichnung und Veröffentlichung von Lehrveranstaltungen. Zu den Blended-Learning-Szenarien gehört auch die Erstellung von Animationen, interaktiven Applikationen, Quiz-Elementen oder spielerischen Lernmodulen. Ein weiterer Baustein der Digitalisierungsstrategie sind die „Open MINT Labs“, virtuelle Labore, die die Studierenden der MINT-Fächer durch Übungsaufgaben, interaktive Simulationen und Anwendungsbeispiele aus der Praxis auf die Arbeit im realen Labor vorbereiten. Und im Verbundprojekt „work & study“ der Hochschulen Koblenz, Worms, Bonn-Rhein-Sieg und htw saar werden für sogenannte nicht traditionelle Zielgruppen wirtschaftswissenschaftliche Studienangebote entwickelt, die ihnen über zeitlich und räumlich flexible Lernstrukturen eine Teilhabe an der akademischen Bildung ermöglicht.

OpenOLAT ist dabei das Learning Management System der Hochschule Koblenz, in dem alle Lehrenden Online-Module zu ihren Veranstaltungen erstellen, den Studierenden Materialien zur Verfügung stellen, Kurse verwalten, Tests abnehmen und sich mit Studierenden und anderen Lehrenden austauschen können. In seinen Projektergebnissen gibt das Team rund um Andreas Hesse Handlungsempfehlungen für eine standortübergreifende Digitalisierungsstrategie, die natürlich – ganz im Sinne der Digitalisierung – nicht mehr in Papierform, sondern als Webseite mit umfangreichen Videos, Infografiken und Präsentationen eingereicht wurde.

Informationen zum E-Learning an der Hochschule Koblenz sind unter www.hs-koblenz.de/e-learning abrufbar. Informationen zur Projektarbeit im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften erteilt Andreas Hesse unter ahesse@hs-koblenz.de.

Pressemitteilung

der Hochschule Koblenz

Die beteiligten Studierenden (von links): Henrietta Rieken, Natalie Raczkowiak, Sabrina Heinrichs, Stefan Hoffmannund Jennifer Derichs. Foto: Hochschule Koblenz

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