Leseverein Neuwied feierte sein 150-jähriges Bestehen
Leseverein kann auf eine lange Tradition zurückblicken
Neuwied. Der 2. Juli ist im Vereinsleben des Lesevereins e.V. Neuwied ein besonderes Datum. Exakt an diesem Tag vor 150 Jahren wurde der katholische Leseverein in das Vereinsregister der Stadt Neuwied eingetragen. Über die Jahre hat sich das Vereinsleben stark gewandelt. Gegründet wurde der Verein kurz nach der Reichsgründung und dem Deutsch-Französischen Krieg im Jahre 1874 als Reaktion auf den Kulturkampf zwischen dem preußischen Staat und der kath. Kirche. Männer aus der kath. Gemeinde Neuwied fanden sich zusammen, um möglichst vielen den Zugang zu den nicht gerade billigen Druckerzeugnissen der damaligen Zeit zu ermöglichen. Als Vereinszwecke wurden die „belehrende“ Unterhaltung und die Geselligkeit angestrebt.
Der Verein hat sich schon vor über 80 Jahren vom „Katholischen Leseverein“ zum „Leseverein“ gewandelt, deren Mitglieder sich dem christlich-humanistischen Weltbild verpflichtet fühlen. Über all die Jahrzehnte hat sich das Ziel der gepflegten Unterhaltung in geselliger Runde erhalten. Auch ist die Mitgliedschaft bis heute ausschließlich Männern vorbehalten. Dieser Vorbehalt ist aber nur noch an ganz wenigen Punkten im Vereinsleben erkennbar. Im Gegenteil, die Witwen der ehemaligen Mitglieder sind zu allen Veranstaltungen eingeladen und fester Bestandteil der Vereinsfamilie.
Über 200 Gäste waren gekommen
Kürzlich feierte der Leseverein e.V. Neuwied mit einem ökumenischen Festgottesdienst und anschließenden Empfang in der St. Matthias Kirche dieses ungewöhnliche Ereignis. Über 200 Mitglieder und Gäste folgten der Einladung. Nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden des Lesevereins Thorsten Dreistein-Faustmann wurde der Gottesdienst vom Superintendenten der evangelischen Kirche Detlef Kowalski und Pfarrer Christian Scheinost von St. Matthias unter Mitwirkung des Jungendchors „SingFi“ und den Fürbitten durch Vereinsmitglieder gestaltet. Leitfaden war die Geschichte der Emmausjünger aus den Lukas Evangelium. Auch in dieser Geschichte spielt die Geselligkeit eine tragende Rolle.
Anschließend versammelten sich die Besucher im hinteren Teil der Kirche zum Empfang. Der gesellige Teil des Nachmittags startete mit einem guten Glas Sekt vom Weingut Emmerich aus Leutesdorf. Darüber hinaus stand eine große Auswahl von Getränken zur Verfügung. Für das leibliche Wohl war ebenfalls mit einer bunten Auswahl an Gebäck der Bäckerei Geisen gesorgt.
Nach dem Vereinsvorsitzenden, der sich bei allen für ihr Kommen und beim Festausschuss für die Organisation und Ausgestaltung der Veranstaltung bedankte, richtete das Vereinsmitglied Jan Einig in seiner Eigenschaft als Oberbürgermeister der Stadt Neuwied ein Grußwort an die Versammlung. Die Glückwünsche der Neuwieder Casino Gesellschaft überbrachte deren Vorstandsmitglied Herr Christoph Jäger.
Der Verein hatte noch ein weiteres Geschenk an seine Mitglieder. Michael Ohlenschlager hat in mehr als einem Jahr Arbeit die Chronik des Vereins überarbeitet, ergänzt und auf den neuesten Stand gebracht. Entstanden ist ein fast 200 Seiten starkes Buch, das jedem Mitglied überreicht wurde und das vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart ein spannendes Bild des Lesevereins zeichnet.
Für eine dezente musikalische Untermalung sorgte Alexander Reffgen mit seinem Saxofon. Ein besonderer Dank gebührte den Mitgliedern und Familienangehörigen, ohne deren Engagement diese ungewöhnliche Feier nicht möglich gewesen wäre. Ein ganz besonderer Dank ging an Herrn Norbert Faltin.
Nach Abschluss des offiziellen Teils der Veranstaltung blieben die meisten Besucher noch bei einem Glas Wein oder Bier zusammen und huldigten dem 150 Jahre alten Vereinsmotto „Geselligkeit“.
