Linz im Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm „Historische Stadtbereiche - Städtebaulicher Denkmalschutz“
Linz hat Entwurf für städtebauliches Entwicklungskonzept auf den Weg gebracht
Geförderte Modernisierungsmaßnahmen in der Altstadt können in wenigen Wochen in Angriff genommen werden
Linz. Lange vor Unkel ist die Stadt Linz in das Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm „Historische Stadtbereiche - Städtebaulicher Denkmalschutz“ aufgenommen worden. Während der vorbereitenden Untersuchungen hatte das mit der Erstellung des „Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept“ (ISEK) beauftragte Ingenieurbüro „Stadt-Land-plus“ aus Bingen eine Bestandsaufnahme der Gebäude und der Verkehrsanlagen innerhalb des 16,25 Hektar großen Untersuchungsgebietes, also in der Altstadt, durchgeführt. Auf der jüngsten Stadtratssitzung Mitte voriger Woche haben die Mandatsträger nun einstimmig den Entwurf für das ISEK sowie die Förderrichtlinien für Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen an privaten Gebäuden beschlossen ebenso wie die Aufstellung der Kosten- und Finanzierungsübersicht .
Zuvor hatte Raum- und Umweltplaner Norman Kratz vom Bopparder Planungsbüro das Prozedere noch einmal Revue passieren lassen und die Förderung erklärt. „Falls die Sanierung des Gehwegs der Kaiserbergstraße entlang der alten Stadtmauer einbezogen werden kann, erhöht sich das Gesamtvolumen der Förderung auf 6,57 Millionen Euro, von denen 66 Prozent auf öffentliche Maßnahmen entfallen, die zu 75 Prozent gefördert werden“, berichtete er. Das restliche Drittel der Fördersumme stehe für private Sanierungsmaßnahmen bereit, die allerdings umfassend sein müssen. Nur dann können die Investoren für ihre Modernisierungsarbeiten mit einer 30-prozentigen Förderung rechnen, die jedoch mit maximal 30.000 Euro gedeckelt ist. Damit habe Linz die empfohlene Förderung um 5 Prozent beziehungsweise um 5.000 Euro überschritten.
Stadtrat diskutiert jede Maßnahme
„Jede Maßnahme wird vom Stadtrat diskutiert und auf seine Förderwürdigkeit untersucht. Zuschüsse für eine Schließung von Baulücken braucht man gar nicht erst zu beantragen. Auch ein einfacher Fassadenanstrich reicht nicht aus, um in den Genuss von Fördermitteln zu kommen. Die Sanierung muss schon umfassend in die Substanz gehen“, führte Norman Kratz aus. Dass dabei 30.000 Euro wahrscheinlich eher ein Tropfen auf den heißen Stein sein würden, sei klar. Allerdings gebe es erhöhte steuerliche Abschreibungen.
„Mit unserem Beschluss sind die Weichen für die Sanierung der Linzer Altstadt gestellt“, konstatierte Stadtbürgermeister Hans Georg Faust zufrieden. „Wir können eine Menge Geld erwarten. Das beinhaltet aber auch die enorme Verpflichtung, allein angesichts der hohen Planungskosten das Programm auch zu Ende zu bringen“, mahnte er, bevor Heinz Scholl, der das ISEK-Projekt in der Verwaltung betreut, darauf aufmerksam machte, dass noch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) dem Konzept zustimmen müsse, das neben der Kaiserbergstraße noch um den Bereich „Parkplatz Burg“, das Umfeld um den Pulverturm und den Bereich „Neutor, Asbacher Straße, Am Schoppbüchel“, erweitert worden ist.
Riesenchance für Linz
„Dass wir in dieses Programm aufgenommen worden sind, ist eine riesige Chance für Linz. Die Stadt wird ein völlig anderes Gesicht haben, wenn wir dieses Riesenthema in den nächsten zehn Jahren abgearbeitet haben“, sagte Jürgen Pappendorf (CDU) voraus. Die eigentliche Arbeit, eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur gelingen könne, wenn alle, Gewerbetreibende, Bürger und Verwaltung Hand in Hand arbeiten würden, käme auf die Stadt wie auf die Hausbesitzer erst nach der Zustimmung der ADD zu.
„Wir haben den Prozess vor gut drei Jahren mit der Broschüre zu unserem Zehn-Punkte-Programm in der Stadthalle und der Aktion ‚Linz gestalten – Leben in der Altstadt‘ begonnen“, erinnerte Dieter Lehmann (SPD). Bis hin zur Aktivierung des Bürgersinns seien die damals aufgelisteten Forderungen in dem Programm enthalten. „Wir wissen jetzt, wo es hingeht. Was heute beschlossen wurde, muss Allgemeingut in Linz werden“, so der Fraktionsvorsitzende. Entsprechend müssten die Pläne jedem Haushalt vorliegen und natürlich auch von allen Bürger mitgetragen werden. „Nur so kann das Interesse erzeugt werden, das dem Initiierungscharakter des Förderprogramms gerecht wird“, betonte der Sozialdemokrat. Während die Straßensanierung mit 1,87 Millionen die größte Kostenposition ausmache, stünden in den nächsten zehn Jahren 1,2 Millionen Euro für private Maßnahmen zur Verfügung, so dass bei einer maximalen Förderhöhe von 30.000 Euro immerhin vier Gebäude pro Jahr saniert werden könnten, insgesamt also 40 Gebäude, so dass sich der Wohnwert dann deutlich erhöht hätte. Gleichzeitig forderte Dieter Lehmann einen Sanierungsmanager, der die Arbeiten von der Beratung der Bürger bis hin zu dem neuen Verkehrskonzept, das eine Verkleinerung der Fußgängerzone nach sich ziehen werde, koordinieren könne.
Aufbruchstimmung in der Stadt
„Das Förderprogramm ist eine Option, die mit Sicherheit eine Aufbruchstimmung in der Stadt erzeugt“, betonte Roland Thees von Bündnis 90/Die Grünen. In einer SWR-Fernsehsendung sei Linz als Dornröschen bezeichnet worden. Mit dem Förderprogramm biete sich der Stadt die Chance, in zehn bis 15 Jahren nicht mehr so bezeichnet zu werden. „Zusammen“ ist das wichtigste Wort. Ich habe aber keine Bange, dass wir dass nicht hinbekommen könnten“, ergänzte Heiko Martin (FWG), bevor Hans Georg Faust allen dankte, die konstruktiv zusammengearbeitet hatten, um in das Förderprogramm aufgenommen werden. „Wir haben heute die Balkenkonstruktion errichtet. Jetzt sind die Bürger aufgerufen, die Gefache zu füllen, damit das Haus Wärme bekommt“, gebrauchte der Stadtbürgermeister abschließend für die anstehen Arbeiten das Bild eines Fachwerkhauses.
