Allgemeine Berichte | 23.03.2021

Ein neuer Stolperstein für Überlebenden des KZ Sachsenhausen

Ludwig Bischoff verweigerte den Hitlergruß

Lila Winkel: 1937 waren über 10 % der Lagerinsassen des KZ Sachsenhausen Jehovas Zeugen

Martin Krüger mit dem Stolperstein für seinen Großvater. Fotos: privat

Wachtberg. Was bringt einen einfachen Schuhmacher in den 1930er Jahren dazu, den Gruß „Heil Hitler“ zu verweigern, wissend dass er dafür in ein Konzentrationslager eingeliefert werden kann? Martin Krüger, der viele Jahre zur Gemeinde der Zeugen Jehovas in Wachtberg gehörte, hat über seinen Großvater Ludwig Bischoff geforscht. Bischoff, im Jahr 1900 geboren, meldete sich noch 1918 freiwillig zur Armee, obwohl damals bereits drei seiner Brüder gefallen waren. Von den Kriegserlebnissen ernüchtert, findet er Hoffnung in der Heiligen Schrift und schließt sich 1921 den Internationalen Bibelforschern an. Bei Predigtfahrten aufs Land erzählt er anderen von seinem neu gefundenen Glauben. 1931 nehmen die Bibelforscher auf Kongressen den neuen Namen „Jehovas Zeugen“ an. Ludwig Bischoff besucht mit 3000 weiteren Gläubigen einen Kongress in Paris. Anschließend besucht er Gemeinden in Österreich, um sie im Glauben zu stärken.

Als Hitler 1933 an die Macht kommt, sucht Ludwig Bischoff sein Heil nicht im „Dritten Reich“ der Nationalsozialisten, sondern im Reich Gottes, für das Christen seit Jahrhunderten im Vaterunser beten. Bereits am 24. Juni 1933 wurde die Internationale Bibelforscher-Vereinigung verboten. Dadurch wird Ludwig Bischoff zum Staatsfeind. Am 29.03.1936 beteiligt er sich nicht an den Reichstagswahlen. Daraufhin verstärkt die Gestapo ihr Vorgehen gegen Jehovas Zeugen und entdeckt Ende August 1936 das geheime Literaturlager und die illegale Druckerei der Zeugen durch ein Sonderkommando.

Nun wird auch Ludwig Bischoff verhaftet und in das bis heute kaum bekannte Konzentrationslager Columbiahaus in Berlin gebracht. Dieses befand sich damals in der Auflösung, da die Stadt Berlin das Gelände für den Bau des Flughafens Tempelhof benötigte. Bereits einen Monat später wurde er daher in das noch unfertige Lager Sachsenhausen überführt. In seinen Erinnerungen schildert er den Aufbau des Lagers im ersten kalten Winter 1936/37: Die nackten Füße nur in Holzschuhen und mit dünner Häftlingskleidung musste er im Schnee bei unzureichender Ernährung mit primitivem Werkzeug Bäume fällen und diese transportieren.

Bei der Verlegung des Stolpersteins für Ludwig Bischoff in seiner Heimatstadt Wermelskirchen spielt sein Enkel Martin Krüger ein Lied vor, welches ebenfalls in Sachsenhausen komponiert wurde – von Erich Frost, der auch zur Opfergruppe der Zeugen Jehovas gehört. Das gleiche Lied wurde am 27.01.2021 auch bei der zentralen Gedenkveranstaltung des Landtags Baden Württemberg gespielt. Dabei berichtete der Historiker Dr. Hans Hesse, dass Jehovas Zeugen im Jahr 1937 über 10 % der Lagerinsassen des KZ Sachsenhausen ausmachten. Von den damals rund 25.000 Gläubigen wurden in der NS-Zeit 8800 verhaftet und in den Konzentrationslagern mit einem lila Winkel an der Kleidung als eigene Häftlingsgruppe stigmatisiert. 950 Zeugen Jehovas wurden in den Lagern ermordet oder öffentlich hingerichtet. Auch in Bonn erinnern bereits zwei Stolpersteine an diese Opfer.

Pressemitteilung
Jehovas Zeugen in Bonn-
Bad Godesberg/Wachtberg

Ludwig Bischoff kurz vor seiner Verhaftung.

Ludwig Bischoff kurz vor seiner Verhaftung.

Martin Krüger mit dem Stolperstein für seinen Großvater. Fotos: privat

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