Allgemeine Berichte | 15.01.2020

Orgelkonzert in Ollheim zum Start des Beethoven-Jubiläumsjahres 2020

Ludwig van Beethovens Sinfonien sind als Reden an die Menschheit geschrieben

Markus Eichenlaub, der Domorganist des Speyrer Domes, ließ die bedeutende König-Orgel aus der Zeit Beethovens erklingen

Bis zum letzten Platz besetzt war die Pfarrkirche in Ollheim beim Orgelkonzert zum Auftakt des Festivals OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis.Fotos: JOST

Ollheim. Das „Festival OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis“ startete am Sonntagabend mit dem ersten Orgelkonzert des Beethoven-Jubiläumsjahres 2020 in der Pfarrkirche Sankt Martinus zu Ollheim. In der bis zum letzten Platz gefüllten Kirche ließ Markus Eichenlaub, Domorganist des Speyrer Domes, die bedeutende König-Orgel aus der Zeit Beethovens erklingen. Landrat Sebastian Schuster erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass Ludwig van Beethoven selbst in jungen Jahren im heutigen Rhein-Sieg-Kreis die Orgel gespielt habe. Schuster freute sich schon auf das Konzert, denn er wusste: „Unberührt lassen uns Orgelklänge nie, Orgelklänge sind Heimatklänge der besonderen Art.“

Wie die Drehorgel eines Leierkastenmannes

Zuvor schon hatte Eichenlaub das Publikum mit dem „Präludium durch alle Dur-Tonarten“ Opus 39,1 von Ludwig van Beethoven (1770-1827) eingestimmt, ein Werk, das Beethoven mit 19 Jahren geschrieben hatte und das von Marcel Dupré (1886-1071) eingerichtet worden war. Musikalisch tänzelte er dabei durch alle Tonarten, ohne dass es der Zuhörer so richtig mitbekam. Wie die Drehorgel eines Leierkastenmannes klang die im Jahre 1768/9 erbaute König-Orgel, die ursprünglich im Kloster Schillingscapellen bei Dünstekoven beheimatet war, beim witzigen Ausschnitt aus „Fünf Stücke für Flötenuhr“, das Beethoven 1799 geschrieben hatte und das von Severin Zöhrer (*1986) für Orgel umgesetzt worden war.

In seinen spirituellen Impuls ging Monsignore Christoph Biskupek, Pfarrer an Sankt Franziskus von Assisi in Erkrath-Hochdahl, der Frage der Erfahrbarkeit Gottes in der heutigen Zeit nach. Der göttliche Namen sei leider in Vergangenheit und Gegenwart allzu oft instrumentalisiert worden, „Gott“ sei der beladenste aller Ausdrücke, keiner sei so besudelt und zerfasert worden. Doch er war überzeugt, dass man dem Wort Gottes seine ursprüngliche Faszination wieder zurückgeben könne. Wenn auch nicht unbedingt in der Liturgie aus Aushängeschild und Mutterboden des Glaubens, denn die liturgische Sprache sei ein gravierendes Problem bei der Vermittlung der Gotteserfahrung. Doch mit Peter Kuzmic wusste Biskupek: „Hoffnung ist die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu hören. Glaube ist der Mut, in der Gegenwart danach zu tanzen.“

Kaleidoskopartige Klangfarben

Aus dem bekannten Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ – im französischen Original „Ah, vous dirai, je, Maman“ – hatte Beethovens Zeitgenosse Christian Heinrich Rinck (1770-1846) neun überaus unterschiedliche Variationen zusammengestellt und dazu noch ein beeindruckendes Finale komponiert. In kaleidoskopartigen Klangfarben demonstrierte Eichenlaub mit diesem Werk, wie vielseitig die Ollheimer Kirchenorgel klingen kann, von leise, bescheiden und schüchtern bis gewaltig, dramatisch und Ehrfurcht gebietend.

Die in Ollheim geborene Musikwissenschaftlerin Dr. Marie Luise Maintz zeigte die zahlreichen Querverbindungen zu Beethoven auf, die in den vorgestellten Musikstücken enthalten waren. Es sei nicht ganz ausgeschlossen, dass Beethoven selbst einst auf diesem Instrument gespielt habe, als es noch in Schillingscapellen stand, denn als Elfjähriger hatte er bereits seine erste feste Anstellung als zweiter Hoforganist und verdiente einige Jahre lang seinen Lebensunterhalt mit dem Orgelspiel in den Gotteshäusern rund um Bonn. Maintz machte deutlich, dass der Organist der Freieste aller Musiker sei, denn er könne jedes Mal die Klangfarbe seines Instrumentes neu erfinden. Nach Beethoven sei die Musikwelt jedenfalls nicht mehr dieselbe gewesen, denn er habe mit seinen Werken Ideen politischer, philosophischer oder humanistischer Art transportiert. „Seine Sinfonien sind als Reden an die Menschheit geschrieben.“

Diesseits und Jenseits werden zusammengeführt

Das Thema aus der neunten Sinfonie Beethovens, „Alle Menschen werden Brüder“, hatte der zeitgenössische Komponist Bert Koelewijn (*1953) in einer Reihe von überaus unterschiedlichen Variationen verarbeitet. Eichenlaub holte auch hier alles aus dem über 250 Jahre alten Instrument heraus, bis hin zu historischen Landsknecht-Tänzen.

Nun beleuchtete Heiner Meurs, Geschäftsführender Vorsitzende des Kirchenvorstands von Sankt Martinus, den 1906/07 errichteten neoromanischen Ollheimer Kirchenbau als „Abbild des Himmels“.

Architektonisch wer hier das endliche und unvollkommene Diesseits mit dem unendlichen und vollkommenen Jenseits zusammengeführt.

Mit einem pulsierenden Rag für Orgel von Andreas Willscher (*1955) mit dem Titel „My Beethoven“ schloss Markus Eichenlaub den musikalischen Teil des Abends mit Anklängen an „Für Elise“, fröhlich-beschwingt wie eine Buster-Keaton-Filmmusik. Stehende Ovationen des Publikums veranlassen ihn zu einer grandiosen Zugabe mit allem, was die Ollheim Orgel zu bieten hat, bevor Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner zum Empfang im Dorfhaus einlud.

JOST

Markus Eichenlaub, der Domorganist des Speyrer Domes, ließ die bedeutende König-Orgel aus der Zeit Beethovens in der Pfarrkirche zu Ollheim erklingen.

Markus Eichenlaub, der Domorganist des Speyrer Domes, ließ die bedeutende König-Orgel aus der Zeit Beethovens in der Pfarrkirche zu Ollheim erklingen. Foto: Volker Jost

Bis zum letzten Platz besetzt war die Pfarrkirche in Ollheim beim Orgelkonzert zum Auftakt des Festivals OrgelKultur im Rhein-Sieg-Kreis.Fotos: JOST Foto: Volker Jost

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
17.01.202011:44 Uhr
Heiner Meurs

Exzelllent. Geprägt von Fachwissen und journalistisch verantwortungsvoller Erarbeitung. Beispielhaft!

Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 1

  • Rüdiger Knieps: Kesseling im Kreis Ahrweiler
  • Michael Kroeger: Bestätigung Wahlergebnis am 13.4.2026. Mark Geimer wird Stadtbürgermeister. Unterschrift Nutzungsvertrag Windkraft am 17.4.2026 durch den 1. Beigeordneten Werner Lahme. Die Vereidigung Mark Geimer als...
Kleinanzeigen
Kirmes Polch 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Heizölanzeige
Genusstage 17./18.04.
Stellenanzeige Auszubildung zum/zur Umwelttechnologen/in
Kirmes Löhndorf
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Maibaumstellen Heimersheim
Empfohlene Artikel
13

Koblenz. Die Einführung des Diakonats der Frau ist seit Jahren ein wichtiges Anliegen des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB), der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), des Netzwerks Diakonat der Frau sowie vieler Katholikinnen weltweit und hier vor Ort.

Weiterlesen

13

Region. Bis zum 15. Mai können Landwirtinnen und Landwirte Anträge auf „Agrarförderung 2026“ stellen. Bezuschusst werden Direktzahlungen, Ökoregelungen, gekoppelte Tierprämien, die Ausgleichszulage sowie die Weitergewährung für Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen und des Ökologischen Landbaus. Die Förderung der landwirtschaftlichen Betriebe erfolgt nach den Regelungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union.

Weiterlesen

Weitere Artikel
14

Kostenlose Beratung und Unterstützung

Beratungsleistungen der Gemeindeschwesterplus

Kreis Neuwied. Die Gemeindeschwesterplus bietet kostenlose Beratung und Informationen zu gesundheitlichen Themen wie Sturzprävention, Ernährung, Bewegung und vielen weiteren Aspekten - auch bei Hausbesuchen.

Weiterlesen

Symbolbild.
79

Astrologische Vorschau für die KW 18: Gesundheit, Liebe und Erfolg im Fokus bei den Sternzeichen

Sterne im Blick: Horoskop für die Woche 27. April bis 3. Mai 2026

Mit dem Übergang vom April in den Mai beginnt eine Woche, die von Aufbruch, Begegnungen und kleinen Wendepunkten geprägt ist. Rund um den 1. Mai rücken Feste, Traditionen und zwischenmenschliche Beziehungen in den Mittelpunkt. Das Feiern in den Mai hinein sorgt für Leichtigkeit, während alte Bräuche wie das Aufstellen des Maibaums für romantische Zeichen und neue Impulse stehen. Gleichzeitig fordert die Woche dazu auf, auf die eigene Balance zu achten und Chancen bewusst zu nutzen.

Weiterlesen

14

Jiddische Musik und Märchen

Klezmer märchenhaft

Koblenz. Klezmer märchenhaft - Jiddische Musik und Märchen am Samstag, 2. Mai 2026, 18 Uhr in der Christuskirche Koblenz, Friedrich-Ebert-Ring / Hohenzollernstraße.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Dauerauftrag 2025
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Werksverkauf Anhausen
Rund ums Haus Daueranzeige
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Lava Grill Buffet
Floristik Meyer
Anzeige Uhren Vintage
Kirmes in Löhndorf
Werbeplan 2026
Anzeige Lagerverkauf
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Maibaumstellen Heimersheim
Maibaumstellen Heimersheim
Kirmes Polch
Kooperationsgeschäft