Allgemeine Berichte | 04.09.2024

„Lützel im Gespräch“

Es herrschte reges Interesse. Foto: Jan Buchbender

Lützel. Fast 20 Gäste informierten sich beim Stadtteiltreffen „Lützel im Gespräch“ am 02.09.2024 im Bürgerzentrum Lützel über die Situation von wohnungs- und obdachlosen Menschen in Koblenz. Impulsgeber des Treffens unter Moderation von Sebastian Mählmann, Kath. Diakon der Pfarrei St. Petrus und St. Martinus, waren Julian Sommer von der Caritas Fachberatungsstelle für Menschen ohne Wohnung, Wolfgang Braun vom Verein „Die Schachtel e.V.“ und Loriana Metzger (Die Linke).

Was ein zum Beispiel im UN-Sozialpakt von 1976 verbrieftes Grundrecht ist, müssen faktisch hunderttausende Menschen in Deutschland schmerzlich entbehren: So waren nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe im Jahr 2022 50.000 Menschen obdachlos und 607.000 Menschen wohnungslos, d.h. ohne eigene Wohnung bei Verwandten oder Freunden untergebracht. Mit erheblichen psychosozialen Folgen für die Betroffenen.

Wie Sommer ausführte, sind bei der Caritas aktuell ca. 140 Menschen postalisch gemeldet, wovon ca. zwei Drittel wohnungslos und ein Drittel obdachlos sind. Hinzu kommen ca. 60 Meldungen bei dem Verein Schachtel e.V., der Träger des Obdachlosenrestaurants „Mampf“ in Koblenz-Lützel ist. Befragt, wie Menschen in Obdachlosigkeit geraten, beschrieb Sommer eine typische Fallgeschichte. So komme es oft vor, dass Menschen aufgrund von Erkrankungen ihre Arbeit verlieren und sich dann Mietschulden aufhäufen, die zur Kündigung der Wohnung führen. „Wenn es gut läuft, kommen die Betroffenen dann noch ein paar Wochen bei Bekannten unter. Und dann folgt die erste Nacht auf der Straße.“ Beide Einrichtungen bieten u.a. Beratungsdienste und schaffen Aufenthaltsräume für die Menschen ohne feste Bleibe. Bei der Caritas gibt es auch Appartements zu mieten, über die Betroffene den Weg in die eigene Wohnung zurückfinden sollen. Im Obdachlosenrestaurant Mampf werden pro Jahr 8.000 Mittagessen ausgegeben, was für den Trägerverein eine enorme Kraftanstrengung bedeutet. „Wir müssen für unsere Fachkräfte und den Restaurantbetrieb jedes Jahr ca. 100.000 Euro an Spenden zusammenbekommen“, erläuterte der ehrenamtliche Geschäftsführer Wolfgang Braun vom Verein die Schachtel.

„Ich habe nicht gewusst, wie viel Engagement von Vereinen und Verbänden vonnöten ist, um dieser gesellschaftlichen Ungerechtigkeit zu begegnen“, beschrieb ein Gast seine Reaktion auf die Vorträge der Referenten.

Das monatlich stattfindende Format „Lützel im Gespräch“ ist ein Forum zur Diskussion und Meinungsbildung zu verschiedenen stadtteilpolitischen und gesellschaftlichen Themen. Es ist ein Angebot des Bürgerzentrums Lützel, in Kooperation mit dem Quartiersmanagement „Zukunft Stadtgrün Lützel“, der Kath. Kirchengemeinde Koblenz St. Petrus und St. Martinus und Ehrenamtlichen aus Vereinen und Parteien. Das Organisationsteam freut sich jederzeit über motivierte Engagierte.

Das nächste Stadtteiltreffen zum Thema „Wie familienfreundlich ist Lützel?“ findet am Montag, den 07.10.2024 statt.

Es herrschte reges Interesse. Foto: Jan Buchbender

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