Allgemeine Berichte | 24.05.2024, 09:58 Uhr

Interview mit Peter Brings

„Manchmal sind wir zu lange still“

 Quelle: Brings
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Koblenz. Die kölsche Kultband BRINGS spielt am 8. Juni ein Konzert auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz. BLICK aktuell sprach im Vorfeld mit Peter Brings.

BLICK aktuell: Peter Brings, am 8. Juni kommt die Band BRINGS auf die Festung Ehrenbreitstein nach Koblenz und spielt dort ein Konzert. Vor gut drei Wochen haben Sie im Tanzbrunnen vor 12.000 Menschen und mit vielen Gästen die Saison eröffnet. Wovon sind Sie eher ein Freund, von den großen Festivals oder von den kleinen Konzertlocations?

Peter Brings: Das kann man gar nicht so genau sagen, das hat alles seinen Reiz. Wenn man in einem Club spielt, wo 500-600 Leute sind, ist das natürlich eine andere Energie, als wenn 12.000 bis 20.000 Leute vor Dir stehen. Aber man stellt sich auf die jeweilige Situation ein und am Ende musst Du gut sein, bei beiden Veranstaltungen und zwar so gut, wie es gerade geht an dem Tag, damit die Menschen wieder kommen.

BLICK aktuell: Kürzlich haben Sie in Bad Lippspringe (Ostwestfalen) gespielt. Das ist nicht gerade ein Heimspiel. Ist es schwierig, nicht-kölsches Publikum zu überzeugen?

Peter Brings: Ne, gar nicht, nein! Wenn die Menschen zu uns zu kommen, z.B. zur Großen Freiheit in Hamburg mit 2000 Leuten, dann haben sie sich auch entschieden für die Band. Das hört sich dann vielleicht manchmal komisch an, wenn die kölsch singen, aber es hört sich auch manchmal komisch an, wenn Deutsche in der Kölnarena mit Bon Jovi versuchen, Englisch zu singen. Ich glaube, dass Musik irgendwie eine internationale Sprache hat, von der Sprache des Textes mal abgesehen. Leute, die auf uns stehen, die wissen, was wir da singen, auch wenn sie nicht aus Köln kommen. Karneval ist ja auch etwas Bundesweites.

BLICK aktuell: Sie sind vor kurzem Opa geworden. Nochmal herzlichen Glückwunsch! Wie hat die Geburt Ihres Enkels Ihr Leben verändert?

Peter Brings: Danke. Ich habe jetzt einen total süßen, kleinen Enkel, der irgendwie alles von mir kriegt, ich bin total verliebt in ihn. Er sieht genauso aus wie mein Sohn als kleines Kind und ist ein totales Geschenk. Mein Sohn ist mit einer Iranerin verheiratet und wir leben hier richtig multikulturell, bei uns ist richtig was los in der Bude.

BLICK aktuell: Hat sich ihr Publikum mit den Jahren verändert? Ist es mitgewachsen oder gab es einen Wechsel bei Ihren Fans?

Peter Brings: Also ich würde sagen, viele sind mit uns gewachsen, das sind schon die allermeisten, aber wenn ich jetzt an den Tanzbrunnen denke, dann sehe ich auch viele junge, neue Fans, die dazu gekommen sind. Wir sind eine generationsübergreifende Band, das ist vielleicht auch unser Geheimnis, dass wir nie eine Zielgruppe hatten und zu uns alle zwischen 7 und 77 Jahren kommen.

BLICK aktuell: Schreiben Sie heute einen Song unter anderen Aspekten als noch vor 20 Jahren?

Peter Brings: Ne, das muss immer mein Herz angehen, das muss mich beschäftigen, da hat sich nichts verändert. Ich habe letztens erst gelesen, dass sich Songtexte in den letzten 20 Jahren in deutschen Pop- und Schlagersongs dahingehend verändert haben, dass die Menschen mehr von sich persönlich reden. Nicht von der großen Liebe allgemein, sondern von ihrer eigenen großen Liebe, und das finde ich eine total gute Entwicklung.

Ich habe mit 14 Jahren das erste Mal Udo Lindenberg gesehen, und ich habe mich direkt in den Typen verliebt, als der mir erzählt hat, wie er drauf ist, weil ich wusste immer, der lebt dasselbe Leben wie ich. Ich habe mich immer in ihm wieder gefunden, weil er von sich erzählt hat und so habe ich es auch gehalten. „Superjeilezick“ ist aus meiner Sicht geschrieben, wie eine Party damals abgegangen ist. Würde ich heute so nicht mehr unterschreiben (lacht), das liegt aber nur an meinem Alter…

BLICK aktuell: Sie haben sich immer politisch positioniert und sind sicherlich dafür auch schon angefeindet worden. Wie gehen Sie damit um?

Peter Brings: Das interessiert mich nicht! Da habe ich auch keine Angst vor und wenn die zu uns kommen und sagen: „BRINGS, macht Musik, was soll die scheiß Politik?“ dann gilt für mich, dass ich ein mündiger Bürger und Vater von drei Kindern bin und wenn hier die Nazis laut werden, werde ich auch laut! Man muss den jungen und auch den älteren Menschen sagen: „Seid laut, Leute!“ Dieses deutsche Volk ist immer so lange still und manchmal ist es zu lange still. Und wenn ich sehe, dass die Europawahl bevorsteht, dann denke ich jetzt schon an die Wahlbeteiligung…da kriege ich jedes Mal auf der Bühne einen Anfall. Ich kenne Länder, da lassen sich die Menschen erschießen (!), weil sie wählen wollen. Und ihr könnt es, und macht es nicht! Menschen, die nicht wählen gehen, müssten eigentlich mehr Steuern zahlen oder dürften hier nicht mitbestimmen! Es ist traurig, dass die Leute es nicht als etwas ganz Besonderes wertschätzen, überhaupt die Möglichkeit zu haben, wählen zu können. SPS

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