Kölsches Weihnachtskabarett zugunsten der Bürgerstiftung
„Medde us dem Levve“
Meckenheim. Das einzige, was in der Weihnachtszeit stört, ist der Umstand, dass sie die Session unterbricht, so ein geflügeltes Wort im Rheinland. Nur gut, dass man es in Köln und Umgebung versteht, aus jeder noch so traurigen Veranstaltung eine Karnevalssitzung zu machen und zu schunkeln. Da verliert selbst der Tod seine Relevanz und wird nur noch besungen. Weihnachten ist Nostalgie und Aktualität und niemand kann das besser auf die Bühne bringen als das kölsche Kabarett-Ensemble „Medde us dem Levve“. Die Bürgerstiftung hatte auch in diesem Jahr am dritten Advent in die Schützenhalle eingeladen und die Meckenheimer strömten in Scharen, so dass diese auch ausverkauft war. Der Erlös der Veranstaltung kommt der Bürgerstifung zu Gute und Bürgermeister Bert Spilles stellte in seiner Begrüßungsansprache die Frage, wo denn das Jahr geblieben sei. Sein besonderer Willkommensgruß galt natürlich den Künstlern, die noch zwei Tage vorher im ausverkauften Millowitsch-Theater in Köln gespielt hatten und nun im kleinen Gürzenich von Meckenheim auftraten. Die Künstler, das sind Wolfgang Nagel, Jörn Weber, Mariam Weber, Andreas Münzel, Dirk Schnelle und Horst Weber mit der Zuständigkeit für Musik und kölschen Verzäll sowie die ehemalige WDR-Radiomoderatorin Elfi Steickmann, die kölsche Texte beisteuert und inzwischen acht Bücher in kölscher Sprache herausgebracht hat. Peter Brings von der gleichnamigen kölschen Rockgruppe hat vor einigen Tagen in einem Gespräch angemerkt, dass Kölsch kein Dialekt, sondern eine eigene Sprache sei. Damit hat er Recht, denn vieles lässt sich eben nur schwer ins hochdeutsche übersetzen und hat seinen ganz eigenen Klang. So wurde es am Anfang doch recht besinnlich, denn es ging über Kerzen, von der Taufkerze bis zur Osterkerze und Kommunionskerze zur Allerheiligenkerze und den vier Kerzen auf dem Adventskranz. Man sieht in jeder Kerze ein liebes und vertrautes Gesicht. Und dann die Frage an das Publikum ob man denn hier auch Kölsch reden dürfte. Heftiger Beifall, aber durchaus ernster Hintergrund. Denn der WDR hat ja die Übertragung aus dem Hänneschen-Theater eingestellt. Und die Begründung liegt auch auf der Hand. Beim Bayerischen Rundfunk gibt es einen Intendanten aus München und da darf Bayerisch gesprochen werden, beim NDR kommt der Intendant aus Köln und da gibt es selbstverständlich Sendungen in Mundart. Nur beim WDR, da kommt der Intendant halt aus Troisdorf. Den Hintergrund verstand jeder im Saal.
Herr Schmitz und sein Getränkeladen
Aber Heiligabend in Köln, da gibt es auch den Herrn Schmitz, der in Rodenkirchen seinen Getränkeladen hat und diesen um 16 Uhr abschließt um dann zu Hause zu feiern. Um halb fünf ruft erheitert Anton an und fragt, wann er wieder den Laden öffne. Klar, am 27. Dezember vormittags. Eine halbe Stunde später ruft wieder Anton, diesmal schon leicht beschwipst, an, und eine halbe Stunde später nochmals schon recht betrunken. Zum Schluss schreit der Herr Schmitz ihn nur noch an, dass er am 27. Dezember schon früh genug rein kommen werde. Anton erwidert, dass er gar nicht rein, sondern endlich raus wolle. Auf den Schreck erst einmal in den Dom, aber auch da ist nichts mehr, wie es sein sollte. Da findet man doch tatsächlich in Reihe 16 jemanden, der dort genüsslich an seiner Zigarette raucht. Da fiel unserem Künstler vor Schreck das volle Kölsch-Glas aus der Hand.
Elfi Steickmann philosophierte anschließend über den Satz „Wir schenken uns dieses Jahr nichts“ und wie dieser von Männern und Frauen ganz anders verstanden werden kann. Und der Weihnachtswunsch aller Männer zusammengefasst: eine stumme Nymphomanin mit eigenem Getränkeladen sowie Jahreskarte vom FC. Überhaupt der FC, der hat ja nach aufopferungsvollem Spiel 0:1 gegen Bayern verloren und so würde man das auch im Rest der Republik schreiben. In Köln freilich heißt das „FC holt 0:1“. Und natürlich die ganzen Versuchungen an Weihnachten, da heißt es dann Hummelhüfte statt Wespentaillie und als Antifaltencreme empfiehlt Elfi Steickmann ihren Freundinnen Tiramisu.
Dann wurde es besinnlich, im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Tod kam auf die Bühne in dem Sketch: „Der letzte Wagen ist immer ein Kombi, und du bist hinnen in de Kist“, egal ob vorher Porsche-, VW- oder Smartfahrer. Horst Weber war köstlich im Frack mit Zylinder und Trauerschleife, das Publikum war begeistert. Diese Begeisterung traf auch auf die Küchentips von Elfi Steickmann für den Heiligen Abend zu. Sie empfiehlt, sich noch mal auf Alfred Biolek wie vor 40 Jahren zu besinnen und in der Küche braucht es vor allem viel Wein, da geht die Arbeit dann wie von selbst und ab einem gewissen Pegel ist es dann auch egal, was die liebe Familie so denkt.
So ging es weit über zwei Stunden und das Publikum bedankte sich mit begeistertem Beifall und der Wunsch nach einer Zugabe blieb natürlich nicht ungehört. STF
Elfi Steickmann erzählte kölsche Geschichten. Foto: Stefan Fassbender Pressebuero
