Ein Vortrag im Odendorfer Zehnthaus
Mensch und Vulkan
Dr. Helmut Endres Vortrag zur Kulturgeschichte des Vulkanismus begeisterte das Publikum
Odendorf. „Der Berg tat sich auf und bebte, der Himmel hallte davon wider und wurde düster ... Ein brennender Regen fiel herab. Er brachte den Tod und ließ die Welt in Rauch aufgehen.“ Mit diesem bildgewaltigen Zitat aus einem 3600 Jahre alten babylonischen Epos leitete Dr. Helmut Endres im Odendorfer Zehnthaus seinen Vortrag zur Kulturgeschichte des Vulkanismus ein.
Zu allen Zeiten ihrer Geschichte, so hob er hervor, hatten die Menschen Vulkanausbrüche erlebt, die sie in irgendeiner Weise auch geistig verarbeiten mussten. An ausgewählten Beispielen legte er dar, wie Menschen vulkanische Erscheinungen aufgefasst haben, wie sie sie in Worten und Bildern wiedergaben und zu welchen Handlungen sie durch diese direkt oder indirekt veranlasst wurden.
In der griechisch-römischen Antike sah man hinter dem Vulkanismus eine besondere Gottheit. Das christliche Mittelalter kannte keinen Feuergott mehr, jetzt wurde der Vulkan zur Höllenpforte, und Vulkanausbrüche wurden als Strafe Gottes gesehen, der man allenfalls mit Bittprozessionen begegnen konnte.
Mit der Aufklärung rückte der Vulkanismus in bisher nicht gekanntem Maße in das wissenschaftliche und öffentliche Interesse. Zahlreiche Veröffentlichungen sowie die Vulkanmalerei richteten sich jetzt auch an ein breiteres Publikum.
Weltweit katastrophale Auswirkungen hatte der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im Jahre 1815. Die globale Klimaveränderung führte zu Missernten, Hungersnöten und politischen Unruhen. Maßnahmen zur Bewältigung dieser Krisen, so die Gründung kommunaler Sparkassen, aber auch die Einrichtung von Volksfesten zur Ablenkung der Bevölkerung, haben bis heute Bestand.
Mehr denn je steht heute der Vulkantourismus in Blüte. Die Vulkaneifel wird unter wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten gefördert. Neu gegründet wurden der Vulkanpark Eifel sowie Vulkanmuseen wie die Terra Vulcania in Mayen und der Lava-Dome in Mendig.
Darüber hinaus schloss Endress seinen spannenden Vortrag, komme man heute aber auch im Alltag vielfältig mit dem Vulkanismus in Berührung, so in der Kunst, der Architektur und ebenso in der Werbung. Dies belege, dass Vulkanismus jetzt eher positiv besetzt sei. Es gebe Vulkanfeuerwolle und Vulkanbier, ein Herrenparfum schließlich werde mit dem Slogan beworben „Inspiriert von der tiefen Kraft des Vulkans und der lebendigen Hitze des Feuers …“
