Weltgästeführertag 2018 in Bad Neuenahr-Ahrweiler

„Menschen, die Geschichte schrieben“

Trotz eisiger Temperaturen wurden die Führungen zu berühmten Persönlichkeiten von zahlreichen Gästen besucht

„Menschen, die Geschichte schrieben“

Gästeführerin Silke Jaensch (links) bei ihrer gemeinsamen Führung mit Rudolf Schulte-Sasse in Ahrweiler. Foto: Ahrtal-Gästeführer e.V.

10.03.2018 - 10:06

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es ist schon gute Tradition, dass sich der Verein Ahrtal-Gästeführer am jedes Jahr stattfindenden Weltgästeführertag des BVGD beteiligt. Unter dem Motto „Menschen, die Geschichte schrieben“ hatten sich die Gästeführer Personen verschiedenster Couleur ausgesucht, die sie bei ihren Führungen in Ahrweiler, Bad Neuenahr und bei einer Exkursion in die Weinberge vorstellten. Bei eisigen Temperaturen, aber strahlendem Sonnenschein fanden sich insgesamt rund 50 Besucher ein und ließen sich von den bestens vorbereiteten Gästeführern in vergangene Zeiten entführen.



Auf den Spuren Gottfried Kinkels


Mittags startete Ursula Jäger mit ihren Gästen auf den Spuren von Gottfried Kinkel bei seiner Wanderung durch das Ahrtal. Nach der Begrüßung am Blankartshof und Informationen über das Leben und Schaffen von Kinkel führte die Route vorbei am Deutschen Haus, wo Kinkel sich des Öfteren mit seinen literarischen Freunden vom Maikäferbund aus Bonn traf, weiter durch die Oberhutstraße, vorbei an der Ehrenwall’schen Klinik hin zu den Gärten entlang der Ahr mit Blick zum Kalvarienberg. Auf dem Weg durch die Weinberge bekamen die Gäste interessante Informationen über Adolf Dronke, der am 22. Mai 1888 im Kursaal von Bad Bertrich den Eifelverein gründete und anschließend weitere 21 Ortsgruppen. Weiter führte der Weg entlang der Ahr zum historischen Weinort Walporzheim, hin zu St. Peter, dem ältesten Gasthaus an der Ahr (gegen 1100 bezeugt). Der Rückweg führte durch die Weinberge entlang der Ahr. Hier bekamen die Gäste einen Einblick in das zeichnerische Schaffen von Ponsart mit einer außerordentlich genauen, fast fotoähnlichen Darstellung der Landschaft. Durch die Weingärten rechts der Ahr führte der Weg wieder zurück in die Stadt. Gottfried Kinkel hat durch die Veröffentlichung seiner Wanderungen durch das Ahrtal, Jean Nicolas Ponsart durch seine außergewöhnlichen Zeichnungen und Adolf Dronke als Gründer des Eifelvereins entscheidend zur touristischen Bedeutung unserer Region beigetragen.


Ein engagierter Arzt und Mitbürger


Die beiden Gästeführer Silke Jaensch und Rudolf Schulte-Sasse hatten sich für Ahrweiler Dr. Carl von Ehrenwall und Guido Ilges ausgesucht. Zunächst übernahm Silke Jaensch die Gruppe und erzählte vor dem Weinhaus Körtgen aus dem bewegten und wohltätigen Leben des Dr. Carl von Ehrenwall, wo dieser 1877 seine „Private Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemüthskranke“ gegründet hatte, die er bis zu seinem Tod im Jahr 1935 ständig erweiterte und modernisierte. Aber nicht nur als Arzt brachte sich von Ehrenwall in das Leben der Stadt ein. Er war in der Kommunalpolitik als Beigeordneter der Stadt tätig und wirkte in vielen sozialen und kulturellen Bereichen als Förderer, wurde 1892 Schützenkönig der Sankt Sebastianus Bürgerschützen und unter Anerkennung seiner Verdienste, die er sich um das Wohl und der Entwicklung der Stadt erworben hat, 1927 Ehrenbürger der Stadt.

Dann führte der Weg in die Walporzheimer Straße, wo die Gäste einen Einblick in das Wirken und Leben hinter den Mauern der heutigen Dr. von Ehrenwall’schen Klinik bekamen. Mit der freundlichen Unterstützung der Verwaltungsleiterin Birgit Bertram wurden den Gästen einige historische Räumlichkeiten in der Klinik gezeigt.


Von der Ahr in den „Wilden Westen“ – und zurück


Rudolf Schulte-Sasse entführte die Zuhörer von dort in eine ganz andere Welt und entwickelte ein schillerndes Bild des Lebens von Guido Ilges, der am 10. November 1835 in Ahrweiler geboren wurde. Er erlebte mit sieben Jahren seinen Vater Daniel Ilges als Schützenkönig der Sankt Sebastianus Bürgerschützen. Mit 17 Jahren wanderte er ohne seine Familie aus nach Amerika, wo er im „Wilden Westen“ Geschichte schrieb. Er wurde am 14. Mai 1861 auf Weisung von Präsident Lincoln wegen Mut und Tapferkeit bei den Kampfhandlungen gegen die Konföderierten (Südstaaten) zum Hauptmann befördert. Zur Beerdigung seines Vaters konnte Guido Ilges nach Ahrweiler kommen und wurde am Fronleichnamsfest 1871 in Ahrweiler 29 Jahre nach seinem Vater, als amerikanischer Hauptmann, Schützenkönig der Sankt Sebastianus Bürgerschützen. Es war der Oberstleutnant Guido Ilges, der 1881 den berühmten Sioux-Häuptling Gall und kurze Zeit später auch Sitting Bull festnehmen konnte. Das machte ihn zum gefeierten amerikanischen und auch in Ahrweiler bekannten Helden.


Wo der Autor des „Kapitals“ sich erholte


In Vorbereitung auf die Führung in Bad Neuenahr hatten sich die Gästeführer Werner Jahr und Franz-Xaver Betz mit den Aufenthalten von Karl Marx und Ernst Mosch in Bad Neuenahr befasst. Die Führung begann vor dem Rathaus von Bad Neuenahr, dem ehemaligen Hotel Flora, in dem Karl Marx 1877 mit seiner Familie während seines Kuraufenthalts abgestiegen war. Werner Jahr – in die Rolle von Karl Marx geschlüpft – erzählte in der Ich-Form vom beschwerlichen Leben eines Kurgastes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Weg führte durch die Telegrafenstraße zum Kurpark, so wie ihn Marx wohl täglich während seines Kuraufenthalts gegangen war. In der Mittelstraße 31, dem heutigen Gebäude der städtischen Jugendpflege, konsultierte er damals den Kur- und Badearzt Dr. Richard Schmitz. Nach seiner Kur verließ Karl Marx Bad Neuenahr in unbekannter Richtung. Es war sein letzter Aufenthalt in Deutschland, bevor er für immer nach London ging.


Wie die „Egerländer“ im Ahrtal erdacht wurden


Vor dem Kurhaus übernahm Franz-Xaver Betz die Gäste. Nach Erläuterungen zur Geschichte der Pressebälle, die als Wohltätigkeitsveranstaltungen für Journalisten ins Leben gerufen wurden, entführte er die Gäste in den Theatersaal des altehrwürdigen Kurhauses. Hier begann die Erfolgsgeschichte des 1925 im tschechischen Zwodau geborenen Ernst Mosch, der auf dem Bundespresseball 1955 im Orchester von Erwin Lehn aufspielte. Da diese Bälle extrem lange dauerten, entlasteten sich die Musiker gegenseitig, indem sie abwechselnd in kleinen Besetzungen, unter anderem auch in einer Blaskapelle, spielten. Dabei entstand bei Ernst Mosch die Idee, seine weltberühmten „Original Egerländer Musikanten“ zu gründen, die 1966 sogar in der Carnegie Hall auftraten. Seine Musik hat ihn in die weite Welt geführt, an den Ort des Beginns seiner großen Karriere ist er allerdings nie zurückgekommen. Mit einer Hörprobe mit Stücken von Ernst Mosch endete die interessante Führung.

Der Weltgästeführertag ist der Einstieg in die neue Saison 2018. Die Gästeführer freuen sich wie immer auf zahlreiche Gäste und werden auch zum Weltgästeführertag 2019 wieder Sonderführungen im Programm haben.

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Kommentare
Antje Schulz:
Man muß beim Leserkommentar von G. Seidel anmerken, daß Gerlinde Seidel bezahlte Mitarbeiterin von Jan Bollinger ist. Und zu Herrn Salka folgendes: Dieser ist nicht zum ersten Mal durch Fehlleistungen aufgefallen. Unter anderem ist Salka durch seine extrem rechten Umtriebe bekannt. Unter anderem der...
Gabriele Friedrich:
Weiß denn Herr Dr.Bollinger nicht das die Taxischeine von der Krankenkasse bezahlt werden? Ich bekomme nicht mal einen Taxischein zum Krankenhaus in Mayen und das bei 80 GdB. Und man kann sich die Scheine sowieso wieder nur "per Taxi" beim Arzt abholen ( (falls der das genehmigt) An den Aufwand, den...
G. Seidel:
Herr Kocher, wo liegt Ihr Problem? Ihnen als Leser dürfte es doch nicht entgangen sein, dass Politik und Medizinexperten wiederholt darauf hinweisen, dass der Schutz von Risikogruppen bisher vernachlässigt wurde und gezielte Schutzmaßnahmen endlich ergriffen werden sollten. Da liegt Dr. Bollinger mit...

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Elisabeth Geerds:
Danke, dass Sie sich immer mal wieder auch solchen Themen widmen. Finde ich spannend und wichtig. Respekt an Herrn Wahlen und Herrn Hirschfeld für Ihr Engagement in diesem Teil der Erde...
Gabriele Friedrich:
Besser geht es ja nicht. Dr. Schlags auch ein Garant für gutes Gelingen und die Hausärzte sind auch zu loben, bei der Masse an Patienten, die sie haben und die wenige Zeit. Alles Gute ins Klösterchen !...
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