Allgemeine Berichte | 11.05.2021, 10:52 Uhr

Klaus Ridder erinnert an DKW-Rennmaschinen und Gustl Hobl

Mit 90 Jahren imemr noch gut drauf

Mit der vollverkleideten 350er DKW-Rennmaschine (genannt auch singende Säge) wurde Gustl Hobl 1956 Vizeweltmeister.Foto: Archiv AUDI
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Region. Als Junge fuhr ich mit dem Fahrrad zur 30 km entfernten Rennstrecke im hannoverschen Stadtwald Eilenriede und wenn ich mir heute das Rennprogramm anschaue, da entdecke ich in meinen handschriftlichen Aufzeichnungen als Sieger der Klassen 125 ccm und 350 ccm den Namen August Hobl (genannt Gustl).

Ich war dabei, als der Ausnahmefahrer mit seinen Werks-Maschinen von DKW aus Ingolstadt beim letzten Rennen auf der Eilenriede-Rennstrecke zwei Rennen gewann und ich erinnere mich auch noch an den eigenwilligen Klang der Drei-Zylinder-Zweitakt-Rennmaschine, die auch den Beinamen „Singende Säge“ bekam. Ein hoher Ton, der meine Ohren stark strapazierte.

Die 125 ccm-Maschine hatte einen anderen Klang, es war praktisch eine Entwicklung von Gustl Hobl auf der Basis der 350 ccm-Maschine. Zwei Zylinder wurden entfernt und so hatte man einen Einzylinder-Motor mit 117 ccm.

Und neben dem erfahrenen ‚Altmeister‘ Sigi Wünsche war es ein 24 Jahre junger Rennfahrer, der sogar zwei Rennen an einem Tag gewann: August (Gustl) Hobl. Und, dieser Gustl Hobl schrieb mir kürzlich, als ich ihn zum 90. Geburtstag gratulierte, folgende Zeilen: „Herzlichen Dank für die Gratulation, ich habe mich sehr darüber gefreut. Es ist schön, wenn sich noch so viele Menschen an mich erinnern. Das Telefon, der Computer und die Post waren am Geburtstag und den Folgetagen voll im Einsatz. Da wir, Hannelore und ich, coronabedingt, sehr zurückgezogen leben und auch nicht feierten, hoffen wir, dass wir virusfrei bleiben. Geimpft sind wir schon Beide. Nun hoffen wir, dass es bald wieder möglich ist, ein normales Leben zu führen und zu bleiben.“

Ja, Gustl Hobl war ein Ausnahmetalent und brachte es, neben drei Deutschen Meisterschaften, sogar zum Vizeweltmeister 1956 in der 350er-Klasse. Und die 350er Klasse war damals hart umkämpft. Weltmeister wurde der Engländer Bill Lomas auf einer italienischen Moto Guzzi.

Und auch auf dem Nürburgring war Gustl Hobl vorne mit dabei. Es gibt in seinem Archiv ein Bild, wo er mit seiner vollverkleideten DKW-Rennmaschine nach dem Start als Erster in die Südkehre einbiegt. Gewonnen wurde das Rennen vom Engländer Bill Lomas auf Moto Guzzi, dessen Maschine unverkleidet und somit für den kurvenreichen Nürburgring wohl besser geeignet war.

Ich bekam von Gustl Hobl noch ein Bild von der Startaufstellung am Nürburgring. Auch hier sind ganz vorne zwei vollverkleidete DKW-Rennmaschinen zu sehen.

Gustl Hobl lernte den Beruf des Kfz-Mechanikers bei der Auto Union in Ingolstadt, machte mit 16 Jahren mit Sondergenehmigung den Führerschein und wurde nach der Lehre als „Probefahrer“ eingesetzt. Später wurde er in die Versuchsabteilung befördert und nahm als „Jüngster“ an Zuverlässigkeitsfahrten, die damals sehr populär waren, teil. Privat baute er eine 125er DKW zu einem „Renngerät“ um und startete damit 1951 bei lokalen Rennen als Ausweisfahrer.

Es folgte bei DKW, die schon eine Rennabteilung mit den Altstars Ewald Kluge und Sigi Wünsche hatten, der weitere Aufstieg zu den Altstars. Ewald Kluge stürzte schwer am Nürburgring und Gustl Hobl nahm den Platz ein und enttäuschte nicht. Bei den Weltmeisterschaften war er vorne mit dabei und wurde 1955 WM-Dritter und 1956 sogar Vizeweltmeister.

DKW zog sich 1956 vom Motorsport zurück und 1956 beendete Gustl Hobl auch seine Karriere. Gleichwohl nahm er bis ins hohe Alter an Oldtimer-Veranstaltungen teil und war immer gern gesehener Gastfahrer.

Der Firma DKW/AUDI bliebt Gustl Hobl als Meister erhalten und war zuletzt bei AUDI im technischen Kundendienst tätig.

Sein „Rentnerdasein“ genießt Gustl Hobl mit seiner Frau Hannelore, mit der er 60 Jahre verheiratet ist.Klaus Ridder

Gustl Hobl, hier mit seiner Frau Hannelore, feierte am 13.April 2021 seinen 90 Geburtstag.Foto: Archiv Hobl

Gustl Hobl, hier mit seiner Frau Hannelore, feierte am 13.April 2021 seinen 90 Geburtstag.Foto: Archiv Hobl

August Hobl war ein ‚Leichtgewicht‘. Als Rennfahrer beherrschte er gleichwohl auch die 350er DKW souverän.Foto: Archiv AUDI

August Hobl war ein ‚Leichtgewicht‘. Als Rennfahrer beherrschte er gleichwohl auch die 350er DKW souverän.Foto: Archiv AUDI

Startrunde der 350er Klasse zum Großen Preis von Deutschland 1955 auf dem Nürburgring. Vorne die Nummer 66 Gustl Hobl.Foto: Archiv Hobl

Startrunde der 350er Klasse zum Großen Preis von Deutschland 1955 auf dem Nürburgring. Vorne die Nummer 66 Gustl Hobl.Foto: Archiv Hobl

Mit der vollverkleideten 350er DKW-Rennmaschine (genannt auch singende Säge) wurde Gustl Hobl 1956 Vizeweltmeister.Foto: Archiv AUDI

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