Vereine präsentieren sich: Der Möhnenverein gibt einen Blick hinter die Kulissen frei
Mit Klischees aufräumen: Möhnenverein Damenkomitee Mokkakännchen aus Bad Hönningen
Bad Hönningen. In der Serie über Klischees zu Vereinen gibt der Möhnenverein „Damenkomitee Mokkakännchen aus Bad Hönningen von 1930“ nach dem Schützenverein in dieser Folge einen Blick hinter die Kulissen frei und präsentiert sich aus dieser ganz besonderen Sicht.
Was nicht jedem bekannt sein dürfte, die Möhnen sind hier in Bad Hönningen nicht in der Karnevalsgesellschaft eingegliedert, sondern ein eigenständiger und unabhängiger Verein. Entstanden ist er in Anlehnung an die Beueler Wäscherinnen, welche in ihrer frechen Art und Weise an Weiberfastnacht in den späten 1920ern-Jahren bei einer Bad Hönninger Geschäftsfrau bleibenden Eindruck hinterlassen haben.
Kurzerhand gründete sie in Bad Hönningen diese bis heute bestehende karnevalistische Frauenvereinigungen. Bis dato waren die Frauen nur schmückendes Beiwerk, wenn überhaupt. Selbst das Funkenmariechen war lange Zeit ein Mann! Der Begriff Möhnen, der damals noch für ältere verheiratete und dunkel gekleidete Frauen stand, etablierte sich im Karneval.
Welche Klischees stimmen denn nun in dem Traditionsverein des Bad Hönninger Karnevals? Nun, das mit dem Humor passt schon! Nicht nur auf der Bühne, auch im Vereinsleben wird vieles mit Humor genommen, weil es manchmal gar nicht anders geht.
Bei 100 Mitgliedern, davon nur 19 Aktive und 10 Euro Mitgliedsbeitrag (wohlgemerkt pro Jahr!) kann der Verein nur mit Spenden und Sponsoren über weitere Schrittchen nachdenken. Jede Veranstaltung kostet viel Geld und noch mehr Zeiteinsatz und ist für die berufstätigen Möhnen ein Spagat, der schon mehr einfordert als ein spaßiges Beisammensein. Rückgrat sind auch heute noch die etwas reiferen Damen (heutzutage aber in bunter Ausgabe), die durch vier „Möhnenazubis“, sprich jüngere Damen, tatkräftig unterstützt werden. Die Pressearbeit in den sozialen Medien ist so schon mal perfekt abgedeckt.
Was erstaunt, ist die klaffende Lücke des mittleren Alters. Ist Vertretern dieser Altersgruppe der Humor abhandengekommen? Hoffentlich nicht! Diese Altersklasse wartet sicherlich nur auf den Startschuss nach den familiären und beruflichen Verpflichtungen – wie in so vielen anderen Vereinen auch. Aber zusätzlich haben die Karnevalisten in der modernen Arbeitswelt noch ein weiteres Problem an der Backe. Die Feiertage des rheinischen Karnevals sind nicht mehr bei jedem Arbeitgeber beliebt. Die Möhnen geben aber nicht auf, sondern kämpfen dafür, auf eine Mannschaft zurückgreifen zu können, die in Zukunft die beliebte Karnevalssitzung wieder organisiert und das soziale Engagement außerhalb des Karnevals aufleben lässt. Mit einer mutigen Entscheidung gilt vorerst das Motto „Back to the Roots“: Kneipenkarneval, Alaaf!
Egal ob Sitzung oder der traditionelle Umzug, bei 10 Euro Jahresbeitrag ist erfolgreiches Geldeintreiben eine nicht wegzulachende Aktivität. Und wenn nicht am Schwerdonnerstag, wann dann? Die traditionellen Straßensperren eignen sich hervorragend, um per Wegzoll die Kasse etwas aufzufüllen und prompt schlägt ein weiteres Klischee zu: Nein, die Damen des Mokkakännchens machen damit kein Kaffeekränzchen oder sammeln für alkoholische Exzesse! Dass diese Kommentare oft von Männern stammen, ist fast überflüssig zu erwähnen.
Dabei ist vielen gar nicht bewusst, dass auch Männer Zutritt zu diesem Damenkreis haben. Denn so ganz will man nicht auf die Herren verzichten – ein paar starke Hände für Wagenbau, Hallenaufbau, Technik aber auch für die Theke sind schon nett. Als Dankeschön darf sich der Göttergatte oder der Freiwillige am Grillabend oder am Fischessen gut gehen lassen. Und um auch hier kein falsches Bild aufkommen zu lassen – es gibt dann keine Diskussionsrunden über Kochrezepte, Botox oder Tupperpartys! Besonders ist in Bad Hönningen – Männer gehören überall dazu! Hier darf Mann auf die Veranstaltung. Denn diese sind mit Männern nochmal so spaßig! Sie dürfen sogar mit auf die Bühne – nur das traditionelle Kostüm bleibt dem Damenkomitee vorbehalten. Und um das Thema Gleichberechtigung abzurunden – Gendern muss hier keiner!
Auch Frauen sehen mitunter den Möhnenverein eher zwiespältig. Ist das geballte Frauenpower oder eher Zickenkrieg? Bedenken zu fehlenden Häkelkünste muss hier keiner haben. Die Choreografie der Acts wird im Team erarbeitet und gemeckert wird nur einmal im Jahr. Eine Truppe, die sich für alle offen und engagiert zeigt und dabei die Brücke zwischen Effektivität und Humor perfekt meistert!
Am besten macht sich jeder selbst ein Bild, kommt zu einem der Treffen ab Oktober oder erlebt live den Kneipenkarneval am 12. Februar 2026 ab 17 Uhr bei der Lindenwirtin. Und nicht vergessen – Männer sind willkommen!
Mit Vertretern des Vorstandes (Ilke Müller 1. Vorsitzende, Elke Schüller 2. Vorsitzende und Martina Hönig Schriftführerin) sprach Anke Sultan. Kontakt jederzeit über Facebook (HuennijerMoehne) oder Instagram (damenkomitee_mokkakaennchen). Vereine, welche sich gerne in dieser Serie vorstellen möchten, können sich direkt an Frau Sultan (anke.Sultan@yahoo.de) wenden.
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