Liebeserklärung an Luthers Lieder zum Auftakt in Bad Ems
Mit Spektakel ins Reformationsjahr gestartet
Kulinarischer Ausklang
Bad Ems. Mit einem musikalischen Spektakel wie zu Martin Luthers Zeiten wurde in Bad Ems ins Reformationsjahr gestartet. In mittelalterlichem Gewand gab es Szenen zu erleben, die Martin Luthers Liebe zu Liedern in den Mittelpunkt rückten. Damit begann ein Programm, das mit dem 500. Jahrestag der Veröffentlichung von Martin Luthers Thesen am 31. Oktober 2017 seinen Höhepunkt erlebt.
„Wer die Musik verachtet, wie das alle Schwärmer tun, mit dem bin ich nicht zufrieden“, sagte Martin Luther alias Patrick Becker im Altarraum der mit Gästen bestens gefüllten evangelischen Martinskirche. Zuvor hatte die Magd (Christiane Martens) daran erinnert, wie der Reformator einst auf eingängige Volksliedmelodien seiner Zeit Psalmen und geistliche Texte dichtete, um sie dann auch in der Kirche singen zu können. 37 Lieder sind so zusammengekommen, die „sachte und fein beim fröhlichen Singen noch das Evangelium ins Herz“ gelegt hätten. Denen sei anzumerken, dass Luther seinen Herrgott, das biblische Wort und die Menschen lieb hatte. „Singt kräftig und herzlich, dann ist es recht gesungen“, forderte die Magd.
Das taten die Gottesdienstbesucher auch, nicht nur bei der „Marseillaise der Reformation“, wie die Magd „Ein feste Burg ist unser Gott“ bezeichnete. Bläserinnen und Bläser aus Posaunenchören aus Bad Ems, Dausenau, Frücht und Lahnstein unter Leitung von Dekanatskantor Ingo Thrun sowie Sigrun Köpper an der Orgel begleiteten dabei.
In dem von Dekanin Renate Weigel verfassten Stück spielte nicht nur die Dichtkunst Luthers eine große Rolle. Freude, Streitlust, Schuld, Angst und Tod, Befreiung und die froh machende Weihnachtsbotschaft waren Gefühle, die dank Texten und Melodien im Kirchenschiff zur Geltung kamen, ein Streifzug auch durchs gesamte Kirchenjahr und was Menschen auch heute noch traurig oder glücklich macht. „Luther war nicht nur ein Poet, sondern auch ein großer Seelsorger“, so Weigel. Von Todesangst bis zum befreienden Kinderlachen spannten die Akteure einen stimmungsvollen Bogen mit ihrem Spiel. Zu denen gehörten auch Ulrike Balle, Maxie, Undine und Julia Wolf sowie Lukas Nörtershäuser, die sich im Altarraum mittelalterlich gewandet um einen Holztisch wie in Luthers Zimmer gruppiert hatten.
Nach so viel Nahrung für Geist und Seele erwartete die kleinen und großen Besucher anschließend Leckeres für den Magen, das ein fleißiges Helferteam vorbereitet hatte. Bei Schmalzbrot und anderen Aufstrichen durfte kräftig zugegriffen werden, auch vom Lutherbier, das vor dem Gemeindehaus zwischen lodernden Feuerständern kredenzt wurde. Für Bewegung in Gemüt und Beinen sorgte außerdem Barde Bertold Lied, der dort mittelalterliche Weisen anstimmte.
