Während der Kappensitzung nahmen die Büttenredner Ereignisse aus Waldbreitbach aufs Korn
„Mitten im Dorf steht so ein Ding mit Torf“
Bei den Brave Jonge sorgten tolle Vorträge und Tänze für ein närrisches Highlight
Waldbreitbach. In sechs Stunden begeisterten 23 Programmpunkte die über 250 Narren bei der Kappensitzung der Brave Jonge im Waldbreitbacher Kolpinghaus. Während einer überschäumenden karnevalistischen Stimmung, die Narren im Saal stiegen manchmal auf die Stühle, inthronisierten die Sitzungspräsidenten Michael Beyer und Hermann Schlich die neuen Tollitäten. Prinz Carsten I. en Weltenbummler von Dart und Gravur und Prinzessin Steffi I. en junge Möhn (Ehepaar Haakert) erhielten die Insignien Prinzenkette und Hännesje und herrschen in dieser Session unter dem Motto „Mit janz vill Herz sin mer dobei für die Bräpe Narretei“ über die Waldbreitbacher Karnevalisten. In Reimen erzählte der Prinz warum er Gravur und Dart mag und Prinzessin Steffi, sie tanzte mal bei den Brave Mädche und liebt den Reitsport, führte aus: „Ich tausche den Job auf der Bank gerne ein, um einmal in Bräpisch Prinzessin zu sein.“ Der riesige Hofstaat huldigte den Tollitäten mit einem Lied übers Prinzenpaar und den Bräpischer Karneval. Dem stand „Faxe“, Frank Kötting, mit seinem Prinzenlied in nichts nach.
Das Showprogramm
Auf der karnevalistisch dekorierten Bühne zeigten die Piratenbräute Pia Zimmermann und Anna Diensberg mit einem flotten Tanz die „Große Freiheit“. Michael Rams schlüpfte fast in die Rolle eines Protokollarius, da er die Ereignisse des vergangenen Jahres Revue passieren ließ. Statt Sondierungsgespräche für Groko und Jamaika favorisierte er eine Sahara-Koalition: „Wir schicken alle in die Wüste.“ Zum 240-jährigen Bestehen des Waldbreitbacher Kirchenchors meinte der Büttenredner, dass der Chor gemischt ist: „Die eine Hälfte kann singen, die andere nicht.“ Aufs Korn nahm Rams die Bräpe Ecken: Am Aueneck ist eine Dorfkneipe. Am Marieneck das Wappen von Waldbreitbach als Blumenbeet: „Dafür muss man für studiert haben“. Am Nusseck sei die Grenze der Geschmacklosigkeit mit einer Krippe erreicht und dann gibt es noch hinter dem REWE die Dreckseck: „Dazu fällt mir nichts mehr ein.“ Einen tollen Gardetanz legten Marie Böckmann und Leonie Böckman, sie ist das Patenkind von Prinzessin Steffi, auf die Bühnenbretter. Die befreundete KG Roßbach präsentierte sich mit Vorstand, Kinderprinzenpaar, Garde, Elferrat und Möhnen. Das Aushängeschild der KG Brave Jonge ist die Tanzgruppe Brave Mädche. Deren Trainerin Jolanda Schmitz legte zuvor in Reimen dar, wie die zwölf Damen neue Outfits erhielten und wie das Geld dafür zusammenkam. Dass die ihr Geld gut angelegt hatten, bewiesen die Brave Mädche
mit einem grandiosen Auftritt, der einen frenetischen Beifall der Zuschauer erhielt. Richie XXS, Richard Lerbs, ist der Garant für Zwerchfellstrapazen mit seinem Lokalkolorit: „Mitten im Dorf steht so ein Ding mit Torf. Das könnte man ein Hochbeet für Maria und Josef nenne, et Wappe von Bräpisch kann ich darin nit erkenne.“
Zu den vielen Ecks in Waldbreitbach kürte er noch die „Heckwegeck“. Martin Luther habe den Terror erfunden, durch den Anschlag seiner Thesen, meinte Richie. Mit einem Gedicht über das Prinzenpaar, ein in die Moderne versetztes Märchenlied über „Schneeflittchen“ und einige Witzen endete ein außergewöhnlicher Büttvortrag.
Lokale Themen hatten Einfluss auf das Programm
Dass die Verbandsgemeinden Waldbreitbach und Rengsdorf jetzt eins sind, demonstrierten die Brave Jonge auch bei ihrer Kappensitzung. Vom Möhnenverein Ehlscheid begeisterten die Mädchen der Showtanzgruppe Chicas Locas, das ist spanisch und heißt verrückte Mädchen.
Für Lachtränen sorgte das Zwiegespräch von Karl Heinz, Gerhard Rams, und Alma, Katja Hertling, die so einiges von Urlaub und Autofahren zum Besten gaben. Pyramiden bis unter die Hallendecke baute die Oberlahrer Tanzgruppe „Just for Fun“ und danach zogen „Et Kleen un de Lang“ das Weihnachtsdorf, das während des Karnevals noch existiert, durch den Kakao. Vor allem, weil der Adventskranz noch „of dem Bach is“. Dennoch gab es von Sylvia Wilhelms und Holger Steinebach, Vorsitzender der Brave Jonge, eine Ode an den Wiedtalort mit dem Lied: „Me han e Hetz für Bräpisch unser Dörfje an de Wied“. Einige Zeit verschwunden waren die Waldbreitbacher Stadtsoldaten, tauchten aber jetzt, zahlenmäßig geschrumpft, mit einem Schirmtanz wieder auf. Dafür hatte Ortsbürgermeister Martin Lerbs das Oberkommando, trainiert wurden die Herren von Christiane Strauf, Birgit Hartmann und Christiane Lerbs.
Ideenreich war auch die seit zehn Jahren bestehende Tanzgruppe „Hampelmännchen“ mit ihren Trainerinnen Sandra und Roswitha Bröhl-Högen.
Und dann hieß es „mach laut, mach richtig Lärm“, denn die Rockgruppe der „taktlosen Akkordarbeiter“ mit Richard Lerbs, Sebastian Lerbs, Philip Lerbs und Rene Siebke legte los mit kölschen Liedern und die Narren im Saal stiegen auf die Stühle. Nur kurz standen wegen des Zeitdrucks, es war schon nach Mitternacht, die Repräsentanten des Karnevalclubs Rot Blau Niederbreitbach mit dem noch amtierenden Prinzenpaar und Gefolge auf der Bühne. Weiß und rot war der Kontrast, den die Männertanzgruppe „Dreamboys“ boten, die von Silke Beyer trainiert wurden. Und zum Abschluss des närrischen Highlights sorgte dann noch eine Abordnung der Linzer Karnevalsgesellschaft weiterhin für Stimmung bis in die frühen Morgenstunden.
HEP
Die Chicas Locas vom Möhnenverein Ehlscheid sprangen hoch bei ihrem Showtanz.
Prinz Carsten und Prinzessin Steffi regieren jetzt die Waldbreitbacher Narren.
