Rengsdorf und Monte Mare wollen Gespräche über Standort wieder aufnehmen
Monte Mare hatte weit reichende Investitionspläne zunächst auf Eis gelegt
Gemeinde erklärt sich bereit, den Bau von 30 Ferienwohnungen zu genehmigen
Rengsdorf. Die Tür ist nicht zu in den Gesprächen zwischen dem Monte Mare-Saunabetreiber und der Gemeinde Rengsdorf. Beide Seiten äußerten sich gegenüber „BLICK aktuell“ so, dass es wohl noch Möglichkeiten für einen Konsens gibt. Monte Mare hatte den Weiterbetrieb der Sauna an die Genehmigung für den Bau von Wohnungen in dem Außenbereich geknüpft, was die Gemeinde beziehungsweise der Gemeinderat in der ursprünglichen Version abgelehnt hatte. Die Ortsgemeinde in Person von Ortsbürgermeister Christian Robenek sieht jetzt entgegen anders aufgefassten Äußerungen doch Möglichkeiten, dass man der Monte Mare Bäderbetriebsgesellschaft den Bau von Wohnungen genehmigen kann, wenn auch nicht in dem ursprünglich geplanten Umfang.
In einer Erklärung der Monte Mare Bäderbetriebsgesellschaft wurde die Gemeinde Rengsdorf als hauptverantwortlich für die zum 15. Oktober geplante Schließung des Saunabetriebs genannt. Das Unternehmen warf dem Gemeinderat vor, ein geplantes Projekt zum Bau von 60 Wohnungen angrenzend an ein Freizeitgelände in der Nähe der Monte Mare-Sauna verhindert zu haben. Mit dem Bau und dem Verkauf dieser Wohnung hätte die Sauna zu einer großen Therme mit weiteren Sauna- und Wellnessbereichen, einem Hotel, einem Wohnmobilpark mit einem kleinen See sowie einem angeschlossenen Restaurant erweitert werden sollen.
Ortsbürgermeister Robenek sagte zum Entschluss des Gemeinderates im Sommer: „Grundsätzlich standen wir vom Gemeinderat hinter den Investitionsplänen von Monte Mare, nur nicht für den Preis der Schaffung von fünf neuen Bauplätzen für 60 Wohnungen. Das wäre der Ausweisung eines neuen Baugebietes gleich gekommen. Wir verfolgen bei diesem Thema aber den Grundsatz: innen vor außen!“
Von „BLICK aktuell“ auf die umstrittene Wohnbebauung angesprochen, sagte der Ortsbürgermeister: „In der Stellungnahme, die wir Monte Mare haben zukommen lassen, spricht die Ortsgemeinde eindeutig von einer vorstellbaren Lösung zum Bau von Ferienwohnungen. Gemeint ist die Möglichkeit zum Bau von 30 Ferienwohnungen im Besitz eines Eigentümers. Was wir nicht wollen, sind 30 Wohnungen in Teileigentum.“ Sehr deutlich tritt der Ortsbürgermeister dem Eindruck entgegen, die Gemeinde habe kein Interesse, das Unternehmen Monte Mare am Standort Rengsdorf zu halten: „Ich möchte hier nochmals betonen, der Tenor des Schreibens vom 14. Juli ist ausnahmslos fraktionsübergreifend getroffen worden. Einen Ratsbeschluss in dieser Sache gibt es nicht und ist auch nicht so dargestellt worden. Mit einem Ratsbeschluss hätte man die Tür zugemacht. Die Ortsgemeinde Rengsdorf ist weiterhin für Gespräche offen.“
Weitere Gespräche sind dringend erforderlich
Diese weiteren Gespräche sind wohl dringend erforderlich, denn es scheint nach wie vor Missverständnisse und unterschiedliche Interpretationen zu geben, wer wann was gesagt hat. So nimmt Monte Mare-Sprecher Jörg Zimmer zu den aktuellen Aussagen von Ortsbürgermeister Robenek folgendermaßen Stellung: „Im Schreiben vom 14.07.2017 ist weder von 30 Wohnungen im Teileigentum, noch von Ferienwohnungen die Rede. Wir haben in unserer Pressemitteilung vom 28. August den Bedarf für die Eigentumswohnungen begründet. Unser Antrag auf die Änderung des Bebauungsplans wurde gestellt, nachdem es vorher mehrere Gesprächsrunden mit Bürgermeister, Verbandsbürgermeister, Beigeordneten und Faktionsvorsitzenden gab. Wenn für Monte Mare das Ergebnis der Vorbesprechungen gewesen wäre, dass unser Antrag so deutlich mit den Stimmen aller Fraktionen abgelehnt wird, hätten wir den Antrag nicht gestellt.“
Auch die Konkurrenzsituation durch das Erlebnisbad „Deichwelle“ in Neuwied beurteilen Ortsbürgermeister Robenek und das Unternehmen Monte Mare unterschiedlich. Christian Robenek: „Die Schließung des Wellenbades wurde im Jahr 2008 vorgenommen. Die Eröffnung der Deichwelle fiel ebenfalls ins Jahr 2008.
Aus meiner Sicht können hierdurch keine belastbaren Zahlen gewonnen werden, die die Deichwelle als allein Verantwortlichen für die Schließung des Monte Mare Wellenbades ausmachen.“
Dem setzt Monte Mare-Sprecher Zimmer entgegen: „Wir wissen nicht, auf welcher Grundlage der Bürgermeister zu seiner Einschätzung kommt. Die Deichwelle wurde bei ihrer Errichtung mit 40 Prozent vom Land Rheinland-Pfalz gefördert, nach der Eröffnung wurde ein Defizit von fast drei Millionen Euro erwirtschaftet. Neuwied ist keine zehn Kilometer von Rengsdorf entfernt und stellte das Haupt-Einzugsgebiet für das ehemalige Wellenbad dar. Mit der Eröffnung entstand eine (steuersubventionierte) Verzerrung des Marktumfelds – während Monte Mare in Rengsdorf Steuern zahlt, war das Freizeitbad in Neuwied und nur mit Steuermitteln errichtet bzw. zu betreiben.“
Berechtigte Hoffnung, dass die Beteiligten doch noch zu einer einvernehmlichen Lösung kommen könnten, gibt die Tatsache, dass Gemeinde und Unternehmen in der Ratssitzung am 6. September vereinbart haben, sich nach den Wahlen am 24. September und der eventuell erforderlichen Stichwahl am 15. Oktober erneut zu Gesprächen zu treffen.
Vielleicht schon länger nicht mehr die „Nr. 1“, was das Saunaerlebnis angeht?
Noch im November 2016 wurde Herbert Doll (Mitte) vom Wirtschaftsforum Rengsdorf, vertreten durch den Vorsitzenden Michael Sterr (links) und Altbürgermeister Rolf Lück (rechts) für seine herausragenden unternehmerischen Leistungen geehrt. Jetzt gibt es Probleme mit dem Saunabetrieb Monte Mare in Rengsdorf.
