Baugewerks-Innung Cochem-Zell
Nach dem Abi ins Handwerk
Junger Handwerksunternehmer beweist: Studium ist nicht immer der Königsweg, Handwerk bietet tolle Chancen
Senheim. Nach dem Abitur ins Handwerk: Dass das eine sehr gute Idee sein kann, beweist Christian Ahnen, frischgebackener Meister aus Senheim. Anstatt mit Mitte zwanzig in einem Strom von Konkurrenten aus der Uni hinaus auf den übersättigten Akademiker-Markt geschwemmt zu werden, um sich dort mit unbezahlten Praktika oder befristeten Arbeitsverträgen herumzuschlagen, entschied er sich von vornherein für eine Karriere in der Handwerksbranche. Mit 23 Jahren hat er die Gesellen- sowie Meisterprüfung bereits mit Bravour bestanden – und startet nun mit einem eigenen Bauunternehmen in die Zukunft.
Für ihn biete das Handwerk eine Menge Vorteile: Er verdiene bereits in jungen Jahren gutes Geld, könne in Heimatnähe arbeiten, zuversichtlich in die berufliche Zukunft schauen, und er sehe Tag für Tag, was er geleistet habe – er vermute stark, dass das ein Erfolgserlebnis sei, das viele Studierte nicht haben könnten, schildert Christian Ahnen. Der junge Mann hatte den Mut, einen heute noch ungewöhnlichen Weg zu gehen.
Mit Vorurteilen konfrontiert
Und das, obwohl er durchaus mit Vorurteilen beziehungsweise Verwunderung zu tun hatte, wie der Beton- und Stahlbetonbauer unumwunden zugibt: „Wie? Du studierst nicht? Diese Frage habe ich mehrfach gehört. Aber so ist das eben, wenn man gegen den Strom schwimmt.“ Der junge Mann war sich immer sicher: „Ich bin kein Schreibtischtäter, im Büro fällt mir einfach die Decke auf den Kopf. Was ich jetzt tue, ich das Richtige für mich.“ Initialzündung war der Hausbau der Familie, der Christian Ahnen schon als Kind faszinierte.
Der Blick auf die Marktlage bestätigt seine Entscheidung. Auf der einen Seite platzen die Universitäten aus allen Nähten. Auf der anderen blieben noch nie so viele Lehrstellen unbesetzt wie im vergangenen Jahr. Das geht aus dem Bundesbildungsbericht 2017 eindrücklich hervor. Rechnerisch kamen auf 100 Schulabgänger, die einen Arbeitsplatz suchten, 104 Ausbildungsangebote. Folge: der viel beklagte Fachkräftemangel. Positiv gesehen: Wer sich jetzt für eine Ausbildung entscheidet, kann sich berechtigte Hoffnung auf eine weitgehend konkurrenzarme Zukunft mit guter Auftragslage machen.
Gute Chancen für Studien- abbrecher und Gymnasiasten
„Die Zeiten fürs Handwerk sind so gut wie nie“, bestätigt auch Helmut Weiler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelrhein. Das ist die Institution, die sämtlichen regionalen Innungen vorsteht. Kein Wunder also, dass langsam, aber sicher auch Gymnasiasten und Studienabbrecher das Handwerk mit seinem goldenen Boden für sich entdecken. Durch sein Abi habe er Vorteile gehabt, berichtet Christian Ahnen. Wenn einen das interessiere, mache man den schulischen Teil der Lehrzeit schon mit links.
Folgerichtig kann der junge Mann mit Erfolgen glänzen: Die Gesellenprüfung schloss er mit sehr gut ab, in Berlin wurde er als bester Betonbauer Deutschlands geehrt. Auch die Meisterprüfung bestand er jüngst mit hervorragendem Ergebnis.
Jetzt wird das eigene Unternehmen aufgebaut, gemeinsam mit Mitarbeiter Daniel Doniges, ebenfalls Maurer- und Betonbauermeister. Die ersten Aufträge sind schon da. Das Angebotsspektrum umfasst den Schwerpunkt Rohbau ebenso wie Pflaster- und Maurerarbeiten oder Umbau- und Sanierungsmaßnahmen in Wohn- und Geschäftshäusern. Dass Christian Ahnen seinen Arbeitsplatz gleich um die Ecke hat, freut die Freundin und Söhnchen Ben.
Freiwilliges Jahr im Handwerk geplant
Und auch Rainer Angsten, Obermeister der Baugewerks-Innung Cochem-Zell, empfängt das neue Innungsmitglied mit offenen Armen: „Es sollten sich noch viel mehr junge Menschen fürs Handwerk entscheiden.“ Um den Schulabgängern diese Option schmackhaft zu machen, arbeitet er mit weiteren Entscheidungsträgern daran, ein Freiwilliges Jahr Handwerk ins Leben zu rufen, das ähnlich wie ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert werden könnte. Auf diese Weise hätten junge Menschen die Möglichkeit, verschiedene Handwerksberufe kennenzulernen und dabei auch einen Auslandsaufenthalt zu erleben, so die Idee.
„In unserer Branche ist das Anfangsgehalt gut und die Aufstiegschancen sind bestens“, macht Rainer Angsten Mut, auf (noch) ungewohnten Pfaden handfest an seiner Zukunft zu bauen.
Pressemitteilung Baugewerks-
Innung Cochem-Zell
Christian Ahnen (li.) steht auf dem Erfolgstreppchen schon ganz oben: Nach Abitur, Gesellen- und Meisterprüfung startet er nun mit einem eigenen Bauunternehmen in eine sichere Zukunft. Rückendeckung gibt ihm die Baugewerks-Innung Cochem-Zell. Obermeister Rainer Angsten (re.) freut sich über den Neuzugang.Foto: Dinah Schmidt
