Allgemeine Berichte | 28.04.2017

1.000 Bäume, 100 Jahre: Wanderung durch Rengsdorfs Streuobstwiesen

Naturexpertin Ingrid Runkel und Tourist-Info vermitteln die Liebe zu Flora und Fauna

Hier darf man an allem riechen und auch mal schmecken:Im Rengsdorfer Kräutergarten wachsen die leckersten Dinge.

Rengsdorf. Nach einer zweistündigen Wanderung kommt die von Ingrid Runkel angeführte Gruppe zurück. Über die Streuobstwiesen und unter den blühenden Apfelbäumen hindurch hat die Naturliebhaberin die Erwachsenen und die Kinder mit ihren Eltern geführt. Jetzt macht sie mit ihnen noch einen Streifzug durch den Kräutergarten, der von Ingrid Runkel und den Mitgliedern des Vereins Flora und Fauna (FloFa) Rengsdorf e.V. seit Jahren liebevoll gepflegt wird.

„Bärlauch findet man in unserem Garten nicht!“, sagt Ingrid Runkel. Und erklärt auch warum: „Der ist den Maiglöckchen zu ähnlich und die sind toxisch, also giftig. Da ist die Gefahr zu groß, dass Kinder beide Kräuter verwechseln und mal das falsche in den Mund stecken.“ Ansonsten kann man fast alles essen, was im Rengsdorfer Kräutergarten wächst. Ingrid Runkel gibt viele Tipps: „Den Engelwurz kann man gut dem Rhabarber dazugeben, dann nimmt er ihm etwas die Säure. Aus dem Rhabarber kann man Kuchen machen, Kompott und auch Suppe. Der Frauenmantel hat seinen Namen nicht umsonst. Der hat das gewisse Etwas für Frauen…“ Dem männlichen Verfasser dieses Textes bleibt der Sinn der Worte verborgen. Aber vielleicht probiert er auch mal den Frauenmantel aus.

Was hier so alles wächst?

Die Schokominze empfiehlt Ingrid Runkel noch - einmal durch etwas flüssige Schokolade gezogen, könnte man sie auch After Eight nennen. Man wundert sich, was hier im Garten von FloFa alles wächst. Besonders wenn man hört, dass dieses Areal unterhalb der ehemaligen Rodelwiese „die kälteste Ecke von Rengsdorf“ sein soll. Viele Kräuter kann man konservieren und haltbar machen, indem man sie einfriert oder in Essig oder Öl einlegt. Regelrecht ins Schwärmen gerät Ingrid Runkel, wenn sie vom Apfel spricht: „Ein geriebener Apfel, mit Honig und Quark vermischt - ein Regenerationswunder für die Gesichtshaut!“ Müttern von Kindern, die Fußball spielen, empfiehlt sie Beinwell. Er soll Blutergüsse heilen. Dann wird es doch noch einmal gefährlich: Die langlebige Kresse, hört sich harmlos an, fast wie „Maulende Myrthe“ bei Harry Potter. Das Kraut soll es aber gewaltig in sich haben und schärfer sein als Chili. Natürlich ist es ein Mann aus der Besuchergruppe, der die langlebige Kresse trotzdem probiert - und natürlich keine Miene verzieht. Heilende Wirkung wird auch dem Giersch zugeschrieben. In Alkohol eingelegt, soll er bei Gelenkschmerzen, Gischt und Rheuma helfen, äußerlich angewendet!

Der Kräutergarten umfasst 200 bis 300 Arten

Die genaue Zahl der Kräuter in ihrem Garten kennt Ingrid Runkel nicht. Sie schätzt die Vielfalt auf 200 bis 300 Arten. Viele befinden sich jetzt, in der frühen Vegetationsphase, noch im Gewächshaus. Nicht so die Cola-Raute. Sie wird besonders von Kindern geschätzt, die zu Hause keine coffeinhaltige Limonade trinken dürfen. Denn der Geschmack der Cola-Raute kommt diesem Getränk sehr nahe. Dem Gaumen seiner Besucher bietet das Kräutergarten-Team an diesem Vormittag aber noch andere Genüsse: frischer Flammkuchen aus dem holzbefeuerten Backes wird gereicht.

Die Streuobstwiesen in Rengsdorf gibt es laut Ingrid Runkel seit über 100 Jahren. Mehr als 1.000 Bäume stehen hier, außer alten Apfelsorten auch Zwetschgen- und Nussbäume. Das Biotop ist Lebensraum für Mensch und Tier, betont Ingrid Runkel. Ihr Ziel ist es, den Menschen den Wert der Streuobstwiesen näher zu bringen. Und ihre Bedeutung für die Zugvögel. Obstbäume seien von unseren Vorfahren nicht umsonst um die Dörfer herum gepflanzt worden. Sie verbesserten das Grundwasser und die Luft und hielten gleichzeitig den scharfen Wind ab. Einige der Bäume seien schon über 100 Jahre alt, sagt Ingrid Runkel. Um dieses hohe Alter zu erreichen, in dem sie immer noch Äpfel tragen, bedürfen sie allerdings der Pflege. Die sogenannten „Wassertriebe“ müssen zurückgeschnitten werden. Die Apfelblütenwanderung fand zum ersten Mal statt. Es war ein Experiment, sagt Ingrid Runkel, und wurde unterstütz von der Tourist-Info des Ortes. Die gute Akzeptanz mit 20 interessierten Teilnehmern motiviert die Kräuterfrau Ingrid Runkel jetzt schon zu sagen: „Es wird nicht die Letzte gewesen sein!“

Der Kinder-Kräutergarten am Apfelweg in Rengsdorf ist eine Gemeinschaftsinitiative der Flora und Fauna (FloFa) Rengsdorf e.V. mit der Ortsgemeinde Rengsdorf und der Lokalen Agenda 21 der Verbandsgemeinde Rengsdorf sowie der „Kräuterwind Gartenroute Westerwald“. Den Kinderkräutergarten findet man am Anfang der Dorfwiese in Rengsdorf. In der Schalltorstraße biegt man von Melsbach kommend rechts ab, geht dann immer mit der Kirchturmspitze im Blick die Straße runter zur Dorfwiese. Das ist auch der Anfang vom kleinen Zwergenweg. Drei Kilometer geht dieser durch die Streuobstwiesen. Ein ganz besonderer Lebensraum. Viele alte Obstsorten und Pflaumenbäume, Wildbienen, Hummeln, Singvögel, Eidechsen, Schlangen und die Wiesen selbst mit den verschiedenen Wildkräutern und Gräsern findet man. Dort ist ein Lehrpfad für die Wildbienen Bienen, Hummeln, Hornissen und Wespen geplant. Der Verein FloFa will den Kitas und Grundschulen auf Schildern diese einzelnen Arten vorstellen. Flora und Fauna e. V. führt im Winter auch Arbeiten zum Erhalt der Streuobstwiesen durch. Helfer sind immer herzlich eingeladen dabei zu unterstützen.

Naturexpertin Ingrid Runkel und Tourist-Info vermitteln die Liebe zu Flora und Fauna

Nach der zweistündigen Tour entlang der blühenden Apfelbäumestärkten sich die Teilnehmer mit frischem Flammkuchenaus dem mit Holz befeuerten Backes. Fotos: -KER-

Nach der zweistündigen Tour entlang der blühenden Apfelbäume stärkten sich die Teilnehmer mit frischem Flammkuchen aus dem mit Holz befeuerten Backes. Fotos: -KER-

Hier darf man an allem riechen und auch mal schmecken: Im Rengsdorfer Kräutergarten wachsen die leckersten Dinge.

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