Kardener Stiftslesung mit Guido Pringnitz zu seiner Dokumentation „Deckname Zeisig“
Neue Erkenntnisse zu einem spannenden Kapitel
Treis-Karden. Dicht besetzt war der Zuhörerraum im Kardener Stiftsmuseum, als Ortsbürgermeister Philipp Thönnes die Gäste begrüßte, die zur 17. Stiftslesung in die historischen Mauern dieses einmaligen Ortes gekommen waren, um Guido Pringnitz zu erleben und hören, der neue Erkenntnisse in Sachen „Deckname: Zeisig“ dabei hatte. „Das ist eine meiner letzten Amtshandlungen als Ortsbürgermeister“, sagte der Treiser, wobei er bei der Gelegenheit seinem Beigeordneten Jürgen Claßen, der ebenfalls nach der Kommunalwahl eventuell neue Funktionen bekommt, in Sachen Stiftslesungen dankte. Dabei erwähnte er auch noch andere Mitstreiter, die diese kulturelle Veranstaltung seit 2015 sponsern oder unterstützen.
Beeindruckende Fülle neuer Informationen
Der 54-jährige Heimatforscher beeindruckte auch dieses Mal mit einer Fülle neuer Informationen, Fotos, Filme und Fakten zum Tunnel zwischen Treis und Bruttig.
Im Buch „Deckname: Zeisig“ wird die Geschichte rund um den geplanten Eisenbahn-Tunnel erstmalig dokumentarisch und nachvollziehbar chronologisch aufgearbeitet.
Dem Treis-Kardener Autor genügt es nicht, die Geschehnisse in reiner Textform abzuarbeiten, sondern er belegt die geschichtlichen Ereignisse mit einer Fülle von Dokumenten und Fotos aus zahlreichen nationalen und internationalen Archiven. Eine spannende Reise durch die Zeit, die auch die leidvolle Geschichte eines KZ-Außenlagers beleuchtet.
Der Autor beschäftigt sich unter anderem mit dem Bau und den Arbeiten im Treis-Bruttiger Tunnel während des Krieges. Dort mussten die Häftlinge unter schlimmsten Bedingungen arbeiten. In der zweiten Auflage seines Buches wurden jetzt verschiedene interessante Ergänzungen und neue Erkenntnisse eingearbeitet.
Der Autor sagt über sich selbst: „Schon als Kind stand ich in den gesprengten Trümmern des Treiser Tunnels. Das ist nun mehr als 40 Jahre her. Seit dieser Zeit hat mich dieser Ort nicht mehr losgelassen und diente bis Ende der 70er Jahre mir, meinen Geschwistern und Freunden zunächst als Spielplatz.
Die spätere Beseitigung der Trümmer tat meiner Faszination keinen Abbruch, denn es gab Vieles zu entdecken und zu erkunden.
Nach und nach wuchs auch mein Interesse an der Geschichte dieser Anlage und den Geländeformationen an sich. Bemerkenswert waren hier alleine schon die Dimensionen der Betontrümmer. Dieses Buch ist ein Beitrag zur geschichtlichen Aufarbeitung und Aufklärung der Ereignisse um den Treis-Bruttiger Tunnel in den verschiedenen Epochen vom Bau und der geplanten ursprünglichen Nutzung über die Verwendung im zweiten Weltkrieg bis heute“.
Noch zwei weitere Stiftslesungen vorgesehen
Für dieses Jahr sind noch zwei weitere Stiftslesungen vorgesehen: am 6. September mit Anja Holderbaum und ihrem Krimi „Moselwunder“. Für die letzte Lesung dieses Jahres am 6. Dezember wird der gebürtige Treis-Kardener Sascha Gutzeit mit einem kriminell-besinnlichen Vorlesevergnügen mit Musik unter dem Titel „Weihnachten mit Kommissar Engelmann“ auftreten.
Auch die 17. Kardener Stiftslesung“ fand mit Unterstützung der Buchhandlung Layaa-Laulhé (Inhaber Petra Görtz) und dem Café Belda statt.
Leckere Snacks, ein guter Tropfen und eine Gratisführung durch das sehenswerte Stiftsmuseum hinter der Stiftskirche St. Castor rundeten diesen kulturellen Abend - wie immer - ab, denn Marlies Michels führte am Schluss der Veranstaltung Interessierte durch die einmalige Ausstellung. TT
Ortsbürgermeister Philipp Thönnes (l.) begrüßte die Gäste der 17. Stiftslesung in Karden.
Der 54-jährige Autor verfügt als Autodidakt über ein bemerkenswertes Wissen in Sachen Eisenbahntunnel Treis-Bruttig.
