Allgemeine Berichte | 02.03.2016

Unkeler Initiativkreis "Wider des Vergessen"

Neue Gedenktafel informiert über den jüdischen Friedhof von Unkel

Zur Einweihung waren Josef Pasternak und Ulrich Zöphel von der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz angereist

Zusammen mit Bürgermeister Gerhard Hausen, Josef Pasternack, Ulrich Zöphel weihte der Initiativkreis die Gedenktafel ein. -DL-

Unkel. „Vorbehaltlich der Zustimmung durch die Jüdische Kultusgemeinde Koblenz soll an einer der beiden Eingangssäulen zum Jüdischen Friedhof eine kleine Info-Tafel mit den wichtigsten Eckdaten über die Ruhestätte jüdischer Mitbürger angebracht werden!“ Diese Forderung hatte der Unkeler Initiativkreis (IK) „Wider des Vergessen“, der sich seit Jahren intensiv darum bemüht, das Gedenken der jüdischen Geschichte in Unkel wach zuhalten, unter anderem auf der Stadtratssitzung im Oktober des Vorjahres gestellt. Besucher der Stadt, vor allem jüdische Menschen, aber auch Unkeler Bürger sollten wenigstens an Ort und Stelle einige Basis-Informationen über den Jüdischen Friedhof erhalten, zumal dieser angesichts von 39 verschwundenen Grabsteine ziemlich unscheinbar sei, hatte der IK argumentiert.

„Auch für mich ist der Jüdische Friedhof ein zentraler Ort jüdischer Geschichte, allerdings ist er nicht Eigentum der Stadt, sondern der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz. Da würde es wenig nutzen, wenn der Stadtrat sich mit dem Vorhaben einverstanden erklärt“, hatte damals Stadtbürgermeister Gerhard Hausen betont. Das Anbringen eines Info-Schildes in Form einer Bronzetafel würde er zwar begrüßen, finanzieren müsse der IK eine solche Aktion jedoch durch Spenden aus der Bevölkerung, nachdem er sich mit der Koblenzer Kultusgemeinde abgestimmt habe, hatte der Stadtchef geraten.

Mitte voriger Woche nun konnten Ester Kottscheid und Gottfried Herkenrath zur feierlichen Einweihung der Info-Tafel an den Eingang des jüdischen Friedhofs „Am Hohen Weg“ einladen. Namentlich begrüßen unter den extrem zahlreichen Teilnehmern aus Unkel konnten sie nicht nur den Stadtchef und den 1. Beigeordneten, Wolfgang Plöger, Pfarrer Andreas Arend sowie den Vorsitzenden des Unkeler Geschichtsvereins, Piet Bovy, mit Stadtarchivar Wilfried Meitzner samt seinem Vorgänger Rudolf Vollmer. Nach Unkel zu der kleinen Feierstunde angereist waren auch Josef Pasternak, der Kantor der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, sowie deren Geschäftsführer, Ulrich Zöphel. „Es gibt noch rund 100 jüdische Friedhöfe in der weiteren Umgebung, rund 400 in ganz Rheinland-Pfalz, die bezeugen, dass hier Juden gelebt haben. Die ersten sind wahrscheinlich mit den Römern als Händler oder als Sklaven an den Rhein gekommen“, erinnerte Josef Pasternak, der sich für die ausgenommen guten Wartung des jüdischen Friedhofs in Unkel bedankte.

Erstmals namentlich erwähnt werden Unkeler Juden, die Schutzgebühr, das so genannte Gleidt zahlen mussten, in der so genannten „Türkenhilfe“ 1578. Zwar wurden ihnen 1814 durch das Nassauische Edikt Handelserleichterungen zugestanden, die Judenpolitik war aber weiterhin eher restriktiv. Aus dem 1817 von Preußen eingerichteten „Judenregister“ geht hervor, dass in der Bürgermeisterei Unkel 17 jüdische Familien lebten, neben acht in Rheinbreitbach und fünf in Erpel vier in Unkel. 1853 waren dann 44 Juden allein in Unkel ansässig, die sich 1867 zwar der Linzer Synagogengemeinde anschlossen, aber als Spezialgemeinde selbstständig blieben.

Nach dem Bau einer eigenen Synagoge 1874 in der Grabenstraße erwarb diese am 11. April 1877 neben dem evangelischen/städtischen Friedhof ein fünf Ar großes Grundstück, das Platz für 100 Grabstätten bot, nachdem die Unkeler Juden ihre Toten bis dahin in Linz oder auf dem Bad Honnefer Judenfriedhof in Selhof „Auf der Helte“ beerdigt hatten.

Am 2. August 1879 wurde der Metzger Gottschalk Levy aus Scheuren als erster auf dem neuen Friedhof beerdigt, seine Tochter Bertha Auerbach fand am 27. Januar 1940 als letzte dort ihre Ruhestätte. Insgesamt wurden 42 jüdische Mitbürger sowie fünf Kinder auf dem Unkeler Friedhof begraben bis zu einer Verfügung der Kreisverwaltung. Nachdem die Nationalsozialisten bereits im Juni 1941 moniert hatten, das der jüdische Friedhof das Stadtbild störe, forderte die Neuwieder Verwaltung die Unkeler auf, die Grabsteine unverzüglich zu entfernen, den Friedhof zu schließen und das Gelände als öffentliche Bleiche zu nutzen. „Man machte es sich unheimlich einfach, indem die Grabsteine nebenan in die ehemalige Kiesgrube geworfen wurde, die längst als Schuttabladeplatz genutzt wurde“, erinnerte Gottfried Herkenrath. Nach dem Krieg wurden die übrig gebliebenen Grabsteine auf Geheiß der Amerikaner geborgen und wieder aufgestellt. Heute befinden sich auf dem Gelände aber nur noch acht Grabsteine, zwei davon ohne Inschrift. Außerdem konnte sie nicht an den entsprechenden Beerdigungsstellen errichtet werden.

Einen jüdischen Friedhof nennt man auch „Haus der Ewigkeit“. Dazu passt, dass das Niederlegen und Pflanzen von Blumenschmuck auf einem Grabes nicht dem jüdischen Brauch entspricht. Eine Verunreinigung der Toten mit gärenden, säuernden oder sonstigen Nebenprodukten der Zersetzung wird so vermieden. Stattdessen legt man als Zeichen des Gedenkens an den Verstorbenen einen Stein an das Grab, ein Brauch, der noch aus der Zeit der Wüstenwanderung stammt.

Da es bei den Juden nicht so etwas wie ein Kirchenregister gibt, auf den Grabsteine aber auch die Namen der Vorfahren zu finden sind, stelle jüdischen Friedhöfe mit diesen „steinernen Urkunden“ eine wichtige historische Quelle von einzigartigem historischem Wert dar. Die Namen sind nach jüdischem Glauben untrennbar mit der Seele verbunden. Daher ist es enorm wichtig, dass der jeweilige Name erhalten bleibt. Außerdem muss für die leibliche Auferstehung beim Erscheinen des Messias zumindest ein Teil der Gebeine erhalten sein.

„Bisher hat keine Tafel an diesen 1988 unter Denkmalschutz gestellten Friedhof erinnert, der für die Kulturstadt Unkel und ihre Bürgerschaft ein historisch besonders wertvoller Ort ist und der als Haus der Ewigkeit, also als unveräußerliches Gut auch nie seine Bedeutung verliert“ , erklärte Gottfried Herkenrath, bevor er zusammen mit Ester Kottscheid die Gedenktafel am Eingangstor enthüllte. Diese sei den auf dem Friedhof Bestatteten gewidmet und soll die Öffentlichkeit mahnend an den Zustand des ständig Geschändet-Seins aufmerksam machen. „Ihre Seelen mögen eingebunden in den Bund des Lebens“, zitierte Josef Pasternak dann eine gängige Inschrift auf jüdischen Grabsteinen, um mit dem „Gebet für das Vaterland“ die Feierstunde zu beenden.

Zusammen mit Bürgermeister Gerhard Hausen, Josef Pasternack, Ulrich Zöphel weihte der Initiativkreis die Gedenktafel ein. Foto: -DL-

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Michael Kroeger: Bestätigung Wahlergebnis am 13.4.2026. Mark Geimer wird Stadtbürgermeister. Unterschrift Nutzungsvertrag Windkraft am 17.4.2026 durch den 1. Beigeordneten Werner Lahme. Die Vereidigung Mark Geimer als...
  • Mirko Walden: Es ging doch darum, dass nicht gewarnt wurde und die Lage nicht erkannt wurde. Ebenfalls wurden keine Maßnahmen umgesetzt. Was ist hierzu passiert? Was bringen neue Sirenen, wenn nicht evakuiert wird?...
  • Dieter Borrmann: Der landschaftlich großartige Weg unterhalb Brauselay über den Conder Kreuzweg nach Cond ist teils unbefestigt, teils sehr glatt, teils steil. Sehr gutes, rutschfestes Schuhwerk (Profilsohle) wird unbedingt angeraten.
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Kleinanzeigen
Anlagenmechaniker
Heizölanzeige
Anzeige Reinigungskraft
Anzeige KW 16
Kirmes Polch
Empfohlene Artikel
Die aktuelle und die kommende Brunnenkönigin.
124

Bad Breisig. Während noch einige Gäste der Römerthermen ein Kaltgetränk genossen, fanden sich nach und nach Repräsentanten und bekannte Gesichter der Stadt Bad Breisig im Römer-Bistro ein, eine aufmerksame Spannung machte sich breit. Bürgermeister Marcel Caspers begrüßte die Anwesenden, darunter Vertreter der Kommunalpolitik, Sponsoren des Brunnenfestes, Mitglieder der Karnevalsgesellschaft und weitere...

Weiterlesen

Bereits jetzt freut sich Landrat Marko Boos, den MYK-Pokal zum ersten Mal an eine Gemeinde oder Stadt im Landkreis Mayen-Koblenz überreichen zu können. Wie der neue Preis genau aussieht, bleibt bis zur Verleihung allerdings noch ein gut gehütetes Geheimnis. Foto: Foto: Kreisverwaltung MYK/teilweise KI-generiert
31

Kreis MYK. Der Landkreis Mayen-Koblenz setzt ein starkes Zeichen für bürgerschaftliches Engagement: Erstmals wird im Jahr 2026 der MYK-Pokal verliehen. Mit dieser neuen Auszeichnung sollen Ortsgemeinden und Städte gewürdigt werden, die sich in besonderem Maße für das Gemeinwohl einsetzen und mit ihren Projekten eine nachhaltige Wirkung über die eigene Kommune hinaus entfalten.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Helfermannschaft mit dem neuen Spielhaus auf dem Hof der KiTa Immendorf. Foto: SCH
7

Verein Abenteuer Helfen e.V. erledigte einige Renovierungsarbeiten im Kindergarten St. Christophorus Immendorf und baute für die Kinder eine neue Spielhütte auf

Freizeit ist Helferzeit

Koblenz-Immendorf. Der Verein Abenteuer Helfen e.V. hat sich zur Aufgabe gestellt, mit kleinen und großen Aktionen zum Beispiel Kindertagesstätten, Jugendzentren, Tierheimen und Gnadenbrothöfen praktische Hilfe zu leisten. Hierbei ist das Ziel, organisatorische und handwerkliche Probleme für soziale Einrichtungen zu lösen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
20

Nach mehreren Fällen von getöteten, verletzten oder verschwundenen Tieren liefert DNA-Untersuchung Klarheit

Kreis Altenkirchen/Kreis Neuwied: Mehrere Wolfsangriffe bestätigt

Kreis Altenkirchen/Kreis Neuwied. Am Mittwoch, dem 18.03.26 wurden im Rahmen eines Schadensfalls mit 3 toten, 2 verletzten und 1 verschwundenen Schafen aus dem Gemeindegebiet Mammelzen, Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld (Kreis Altenkirchen) DNA-Abstriche genommen und an das Senckenberg Institut zur Analyse überstellt. Bei der Untersuchung der Proben wurde als Ergebnis „Wolf“ mit dem Haplotyp HW01 - daher zugehörig zur Mitteleuropäischen Flachlandpopulation - nachgewiesen.

Weiterlesen

Das Feuer in einer Kleingartenanlage konnte von den Wehrleuten schnell gelöscht werden. Foto: Freiwillige Feuerwehr Königswinter
11

Rauchsäule wies den Feuerwehrleuten den Weg zum Einsatzort

17.04.: Feuer in Kleingartenanlage: Hütte stand in Vollbrand

Königswinter. Eine Rauchsäule wies den Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr Königswinter am Freitagabend den Weg zu einer brennenden Gartenhütte in Oberdollendorf. Das Feuer in einer Kleingartenanlage am Reihbäumer Weg konnte von den Wehrleuten schnell gelöscht und eine Ausdehnung auf Vegetation und andere Hütten in der Umgebung verhindert werden.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Imageanzeige
Dauerauftrag Imageanzeige
Holz Loth-Entsorgung
Rund ums Haus Daueranzeige
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Kirmes Polch
Rund ums Haus
Schulhausmeister
Kirmes Polch
Werbeplan 2026
Anzeige Lagerverkauf
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Titelanzeige
Maibaumstellen in Heimersheim
Kooperationsgeschäft