Unkeler Initiativkreis "Wider des Vergessen"
Neue Gedenktafel informiert über den jüdischen Friedhof von Unkel
Zur Einweihung waren Josef Pasternak und Ulrich Zöphel von der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz angereist
Unkel. „Vorbehaltlich der Zustimmung durch die Jüdische Kultusgemeinde Koblenz soll an einer der beiden Eingangssäulen zum Jüdischen Friedhof eine kleine Info-Tafel mit den wichtigsten Eckdaten über die Ruhestätte jüdischer Mitbürger angebracht werden!“ Diese Forderung hatte der Unkeler Initiativkreis (IK) „Wider des Vergessen“, der sich seit Jahren intensiv darum bemüht, das Gedenken der jüdischen Geschichte in Unkel wach zuhalten, unter anderem auf der Stadtratssitzung im Oktober des Vorjahres gestellt. Besucher der Stadt, vor allem jüdische Menschen, aber auch Unkeler Bürger sollten wenigstens an Ort und Stelle einige Basis-Informationen über den Jüdischen Friedhof erhalten, zumal dieser angesichts von 39 verschwundenen Grabsteine ziemlich unscheinbar sei, hatte der IK argumentiert.
„Auch für mich ist der Jüdische Friedhof ein zentraler Ort jüdischer Geschichte, allerdings ist er nicht Eigentum der Stadt, sondern der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz. Da würde es wenig nutzen, wenn der Stadtrat sich mit dem Vorhaben einverstanden erklärt“, hatte damals Stadtbürgermeister Gerhard Hausen betont. Das Anbringen eines Info-Schildes in Form einer Bronzetafel würde er zwar begrüßen, finanzieren müsse der IK eine solche Aktion jedoch durch Spenden aus der Bevölkerung, nachdem er sich mit der Koblenzer Kultusgemeinde abgestimmt habe, hatte der Stadtchef geraten.
Mitte voriger Woche nun konnten Ester Kottscheid und Gottfried Herkenrath zur feierlichen Einweihung der Info-Tafel an den Eingang des jüdischen Friedhofs „Am Hohen Weg“ einladen. Namentlich begrüßen unter den extrem zahlreichen Teilnehmern aus Unkel konnten sie nicht nur den Stadtchef und den 1. Beigeordneten, Wolfgang Plöger, Pfarrer Andreas Arend sowie den Vorsitzenden des Unkeler Geschichtsvereins, Piet Bovy, mit Stadtarchivar Wilfried Meitzner samt seinem Vorgänger Rudolf Vollmer. Nach Unkel zu der kleinen Feierstunde angereist waren auch Josef Pasternak, der Kantor der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, sowie deren Geschäftsführer, Ulrich Zöphel. „Es gibt noch rund 100 jüdische Friedhöfe in der weiteren Umgebung, rund 400 in ganz Rheinland-Pfalz, die bezeugen, dass hier Juden gelebt haben. Die ersten sind wahrscheinlich mit den Römern als Händler oder als Sklaven an den Rhein gekommen“, erinnerte Josef Pasternak, der sich für die ausgenommen guten Wartung des jüdischen Friedhofs in Unkel bedankte.
Erstmals namentlich erwähnt werden Unkeler Juden, die Schutzgebühr, das so genannte Gleidt zahlen mussten, in der so genannten „Türkenhilfe“ 1578. Zwar wurden ihnen 1814 durch das Nassauische Edikt Handelserleichterungen zugestanden, die Judenpolitik war aber weiterhin eher restriktiv. Aus dem 1817 von Preußen eingerichteten „Judenregister“ geht hervor, dass in der Bürgermeisterei Unkel 17 jüdische Familien lebten, neben acht in Rheinbreitbach und fünf in Erpel vier in Unkel. 1853 waren dann 44 Juden allein in Unkel ansässig, die sich 1867 zwar der Linzer Synagogengemeinde anschlossen, aber als Spezialgemeinde selbstständig blieben.
Nach dem Bau einer eigenen Synagoge 1874 in der Grabenstraße erwarb diese am 11. April 1877 neben dem evangelischen/städtischen Friedhof ein fünf Ar großes Grundstück, das Platz für 100 Grabstätten bot, nachdem die Unkeler Juden ihre Toten bis dahin in Linz oder auf dem Bad Honnefer Judenfriedhof in Selhof „Auf der Helte“ beerdigt hatten.
Am 2. August 1879 wurde der Metzger Gottschalk Levy aus Scheuren als erster auf dem neuen Friedhof beerdigt, seine Tochter Bertha Auerbach fand am 27. Januar 1940 als letzte dort ihre Ruhestätte. Insgesamt wurden 42 jüdische Mitbürger sowie fünf Kinder auf dem Unkeler Friedhof begraben bis zu einer Verfügung der Kreisverwaltung. Nachdem die Nationalsozialisten bereits im Juni 1941 moniert hatten, das der jüdische Friedhof das Stadtbild störe, forderte die Neuwieder Verwaltung die Unkeler auf, die Grabsteine unverzüglich zu entfernen, den Friedhof zu schließen und das Gelände als öffentliche Bleiche zu nutzen. „Man machte es sich unheimlich einfach, indem die Grabsteine nebenan in die ehemalige Kiesgrube geworfen wurde, die längst als Schuttabladeplatz genutzt wurde“, erinnerte Gottfried Herkenrath. Nach dem Krieg wurden die übrig gebliebenen Grabsteine auf Geheiß der Amerikaner geborgen und wieder aufgestellt. Heute befinden sich auf dem Gelände aber nur noch acht Grabsteine, zwei davon ohne Inschrift. Außerdem konnte sie nicht an den entsprechenden Beerdigungsstellen errichtet werden.
Einen jüdischen Friedhof nennt man auch „Haus der Ewigkeit“. Dazu passt, dass das Niederlegen und Pflanzen von Blumenschmuck auf einem Grabes nicht dem jüdischen Brauch entspricht. Eine Verunreinigung der Toten mit gärenden, säuernden oder sonstigen Nebenprodukten der Zersetzung wird so vermieden. Stattdessen legt man als Zeichen des Gedenkens an den Verstorbenen einen Stein an das Grab, ein Brauch, der noch aus der Zeit der Wüstenwanderung stammt.
Da es bei den Juden nicht so etwas wie ein Kirchenregister gibt, auf den Grabsteine aber auch die Namen der Vorfahren zu finden sind, stelle jüdischen Friedhöfe mit diesen „steinernen Urkunden“ eine wichtige historische Quelle von einzigartigem historischem Wert dar. Die Namen sind nach jüdischem Glauben untrennbar mit der Seele verbunden. Daher ist es enorm wichtig, dass der jeweilige Name erhalten bleibt. Außerdem muss für die leibliche Auferstehung beim Erscheinen des Messias zumindest ein Teil der Gebeine erhalten sein.
„Bisher hat keine Tafel an diesen 1988 unter Denkmalschutz gestellten Friedhof erinnert, der für die Kulturstadt Unkel und ihre Bürgerschaft ein historisch besonders wertvoller Ort ist und der als Haus der Ewigkeit, also als unveräußerliches Gut auch nie seine Bedeutung verliert“ , erklärte Gottfried Herkenrath, bevor er zusammen mit Ester Kottscheid die Gedenktafel am Eingangstor enthüllte. Diese sei den auf dem Friedhof Bestatteten gewidmet und soll die Öffentlichkeit mahnend an den Zustand des ständig Geschändet-Seins aufmerksam machen. „Ihre Seelen mögen eingebunden in den Bund des Lebens“, zitierte Josef Pasternak dann eine gängige Inschrift auf jüdischen Grabsteinen, um mit dem „Gebet für das Vaterland“ die Feierstunde zu beenden.
