Segelfluggruppe Wershofen e.V.
Neuer Hangar für die Flieger
Segelfluggruppe Wershofen weiht ihre neue Flugzeughalle ein
Wershofen. Starker Wind, niedrige Wolken und beginnender Regen bedeuten alles andere als gutes Flugwetter. Doch das sollte die Segelfluggruppe (SFG) Wershofen nicht davon abhalten, am 15. April die Einweihung ihrer neuen Flugzeughalle zu feiern. Rund 239.000 Euro investierte der Verein in das neue Zuhause für die Fluggeräte. Auf die eigentlich als Augenfänger für die Feierlichkeiten geplanten historischen Segelflugzeuge vor dem Neubau musste allerdings wetterbedingt verzichtet werden.
Anfliegen mit historischen Schätzchen
Die Segelflug-Oldies gehörten zum „Verein zur Förderung des historischen Segelflugs“ (VFhS), dessen Mitglieder in der Woche nach Ostern zum Start der Segelflugsaison für ihr „Anfliegen“ mit vier historischen Segelflugzeugen nach Wershofen gekommen waren. Ältestes Exemplar war eine 1942 gebaute Mü 13d, einst für angedachte olympische Segelflugwettbewerbe konstruiert. Allerdings blieb das Leichtgewicht aufgrund des kräftigen Windes im Anhänger, während die etwas robustere Schleicher Ka 2b aus dem Jahr 1956 und die seltene Musger Mg23 SL von 1963 Eifelthermik schnupperten. Einige hartgesottene Piloten wagten sogar einen Cabrio(aus)flug mit der Schleicher K 8b mit offenem Cockpit. Ebenfalls im Einsatz war ein in Wershofen beheimateter Oldtimer in Vereinsbesitz: Der Prototyp der doppelsitzigen Schleicher ASK 13 mit Baujahr 1966 ist das bislang einzige fliegende Denkmal in Rheinland-Pfalz. Doch angesichts der Wetteraussichten wurden die Oldtimer kurz vor Beginn der Festveranstaltung in geschütztere Umgebungen gebracht.
Die Oldtimerenthusiasten mit ihren alten Schätzchen hätten eigentlich ganz gut zu der Halleneinweihung gepasst, war doch die geplante Intensivierung der beliebten Ferienfluglager von Gastvereinen auf dem idyllisch gelegenen Fluggelände mit ausschlaggebend für eine 50%-Förderung des Hallenbaus im Rahmen des Leader-Projektes der Europäischen Union, was bei der ursprünglich geplanten Summe einen Förderbetrag von 112.000 Euro bedeutete. Mit rund 1000 Übernachtungen pro Jahr sorgen die fliegenden Touristen auch dafür, dass Geld in die Region kommt. Die neue Halle ermöglicht es der SFG Wershofen nun, zum einen Unterstellkapazitäten für die recht empfindlichen Fluggeräte bereitzustellen, und zum anderen, Teile des alten Hangars aus den 50er-Jahren für den Ausbau der sanitären Anlagen umzunutzen.
Nach einer längeren Konzeptionsphase war der Bau der neuen Halle im November 2020 gestartet worden. Während Erd-, Beton- und Stahlbauarbeiten von teils ortsansässigen Unternehmen erledigt wurden, lag die Durchführung der Installationsarbeiten wie auch die Herrichtung der Nebenanlagen in den Händen der Segelfluggruppe. Insgesamt 1.300 Stunden wurden so ehrenamtlich von den Mitgliedern geleistet. Bedingt durch Corona-Pandemie, Flutereignisse, Lieferengpässe und unvorhergesehene Aufwände zur Herrichtung des Untergrundes verzögerte sich die Fertigstellung des Gebäudes etwa um ein Jahr. Die Kosten blieben dennoch weitestgehend im kalkulierten Rahmen. Im Frühjahr 2022 erfolgte schließlich die provisorische Inbetriebnahme und nun die Einweihung.
Interessante Einblicke
Bei Kaffee und Kuchen konnte der Vereinsvorsitzende Herbert Nett zahlreiche Mitglieder und Gäste zur Einweihungsfeier begrüßen. Projektleiter Sascha Plötzer gab den Gästen einen Überblick über den Bauverlauf und die Herausforderungen, die es zu meistern galt. In seinem Grußwort bekundete Verbandsgemeinde-Bürgermeister Guido Nisius, zugleich auch Vorsitzender der Leader-Region Rhein-Eifel, dem Verein seine Anerkennung für die Umsetzung des Projektes, aber auch für die hervorragende Entwicklung des Fluggeländes, das als Sonderlandeplatz auch Teil der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur ist. Das für so ein Projekt erforderliche ehrenamtliche Engagement betonte Jörg Federrath, Vizepräsident des Luftsportverbandes Rheinland-Pfalz. Er machte aber auch deutlich, dass es immer schwieriger werde, Personen zu finden, die zur Übernahme der Verantwortung bereit sind. In einer anektdotenreichen Erzählung berichtete Ehrenmitglied Otto Betzner als einziges noch lebendes Gründungsmitglied des Vereins davon, wie in den 50er-Jahren die erste Flugzeughalle des Vereins entstanden war. Damals hatten die baulich versierten Mitglieder, nachdem ein Grundstück zur Verfügung stand, kurzerhand mit viel Enthusiasmus den Hallenbau von Hand begonnen und zügig abgeschlossen. Der damalige Jagdpächter, Inhaber eines Baustoffhandels, unterstütze den Bau mit der kostenlosen Lieferung der Stahlträger für das Hallendach. Dass man für den Bau auch eine Baugenehmigung benötigt hätte, fiel den Vereinspionieren hingegen erst im Nachhinein auf. Mit viel Verhandlungsgeschick konnte dieses Manko damals jedoch durch Vereinsgründer Karl Brenner aus der Welt geschafft werden. Aus heutiger Sicht ist so was kaum noch vorstellbar.
Das gemeinsame Grillen zum Abschluss der Veranstaltung wurde aufgrund der kühlen Temperaturen kurzerhand in die Vereinsgaststätte verlegt. Dort war dann auch zu vernehmen, dass es den Oldtimerfliegern in der Eifel so gut gefallen hat, dass sie im kommenden Jahr wiederkommen möchten. Auch soll künftig mindestens eines der historischen Segelflugzeuge dauerhaft in dem neuen Hangar stationiert werden. Der Hallenneubau trägt also schon erste Früchte.
Gründungs- und Ehrenmitglied Otto Betzner berichtet vom Bau der ersten Flugzeughalle in Wershofen. (Foto: Stefan János Wágner)
Verbandsgemeindebürgermeister Guido Nisius übergibt die Flugzeughalle ihrem Bestimmungszweck. (Foto: Stefan János Wágner)
Segelflugzeug-Oldtimer der 50er- und 60er-Jahre waren in Wershofen zu sehen. (Foto: Uwe Bodenheim)
