Allgemeine Berichte | 04.09.2019

Rheinbacher Ausschuss für Stadtentwicklung beriet über kein Projekt

Neugestaltung des Pallotti-Areals jetzt auch baurechtlich auf den Weg gebracht

Über den künftigen Standort eines „Jugendmedizinischen Zentrums“ gab es unterschiedliche Ansichten – Nachverdichtung zu Wohnzwecken möglich

Rheinbach. Das Pallotti-Areal im Herzen der Stadt Rheinbach soll bekanntlich völlig neu gestaltet werden. Lediglich das historische Gymnasialgebäude an der Kölner Straße, die unverwechselbare Pallottiner-Kirche und die kleine Marienkapelle im hinteren Teil bleiben erhalten, so sieht es der städtebauliche Entwurf des Architekturbüros ASTOC Architects and Planners GmbH aus Köln vor. Das Planungsbüro war als Sieger aus dem städtebaulichen Wettbewerb hervorgegangen, der von den Pallottinern als bisherigen Eigentümern des Areals und den Gebietsentwicklern von Bouwfonds Property Development (BPD) ausgelobt worden war. Architekt Peter Berner, geschäftsführender Gesellschafter des Architekturbüros ASTOC, stellte die Pläne nun in Ausschuss für Stadtentwicklung,Umwelt, Planung und Verkehr vor.

Demnach soll ein Teil des Geländes autofrei gehalten werden, zumindest an der Oberfläche. In dem zur Schützenstraße hin gelegenen Abschnitt soll es nämlich „Wohnen im Grünen“ geben, ganz ohne Straßen und Autos, lediglich Fußwege sollen hier die Gebäude verbinden. Allerdings gibt es dort unterirdisch eine große Tiefgarage, die von der Schützenstraße aus angefahren wird, und von der aus man mit dem Aufzug direkt in die eigene Wohnung emporfahren kann - so zumindest der Plan.

Urbaner Riegel steht im Mittelpunkt

Eher in gewohnter Reihenhaus- und Mehrfamilienhaus-Bauweise soll der Teil zwischen der Turnhalle und dem Stadtpark entwickelt werden, wo sich bislang das neuere Schulgebäude des Pallotti-Kollegs befindet. Direkt daneben soll auch ein Kindergarten errichtet werden. Im Mittelpunkt steht jedoch ein urbaner Riegel zwischen dem alten Gymnasialgebäude über die Kirche hinweg bis fast zur Marienkapelle. In diesem Bereich soll eine dreigeschossige Bebauung plus Dachgeschoss in Form von drei hintereinander gereihten, rechteckigen Hofquartieren in unterschiedlicher Ausprägung entstehen. Diese bestehen jeweils aus zwei bis vier Baukörpern, die zusammen ein rechteckiges Gebäudeensemble mit Innenhofbereich ergeben. Dazwischen bildet die Pallottikirche eine Art Gegenstück, weil hier der Innenbereich bebaut und der Außenbereich frei ist.

Insgesamt sollen auf dem 51.500 Quadratmeter großen Gelände etwa 285 Wohneinheiten entstehen. Auf Basis des Siegerentwurfs leitete der Ausschuss nun ein Bebauungsplanverfahren ein, in dem zunächst der aus dem Jahr 2011 stammende Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan „Pallottistraße“ neu gefasst wurde, auch mit Blick auf die Nachverdichtung zu Wohnzwecken und für eine mischgebietsorientierte Nutzung. Dabei soll auch Nachverdichtungsmöglichkeiten innerhalb der angrenzenden privaten Grundstücksflächen östlich der Politikkirche aufgezeigt werden. Um für diese Grundstücksflächen eine mögliche Erschließung und Bebauung langfristig zu sichern, wurden sie nun auch den Geltungsbereich des anstehenden Bebauungsplanverfahrens mit aufgenommen.

Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren

Der Bebauungsplan soll im Übrigen nicht im regulären, sondern im beschleunigten Verfahren weitergeführt werden. Die Öffentlichkeit will man jedoch aufgrund der herausragenden Bedeutung des Projekts für die städtebauliche Entwicklung der Rheinbach Innenstadt frühzeitig in die Planung mit einbeziehen. Lediglich die fünf Sozialdemokraten im Ausschuss stimmten dagegen, weil der Ausschuss ihrem Vorschlag nicht gefolgt war, zunächst einen städtebaulichen Vertrag mit dem Investor abzuschließen. In dem sollte unter anderem eine Quote von 15 Prozent öffentlich geförderter Wohnungsbau ebenso festgeschrieben werden wie 300 Stellplätze für Fahrräder.

In engem sachlichem, räumlichem und zeitlichem Zusammenhang mit der Entwicklung des Pallotti-Areals steht auch die geplante Verwirklichung eines „Jugendmedizinischen Zentrums“ auf der ehemaligen Gärtnereifläche der Pallottiner. Die Pläne hierzu stellt Architekt Nikolaus Decker vom Ingenieurbüro BauWerkStadt (Bonn) vor. Dieses Zentrum soll verschiedene Ärzte und Therapeuten mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendgesundheit, einen Mehrzweckraum für Veranstaltungen, eine Cafeteria und eine Apotheke sowie einzelne Wohnungen unter einem Dach vereinen. Dabei ist ein Baukörper mit zwei Etagen und einem ausgebauten Mansardendach geplant. Während die beiden unteren Geschosse ausschließlich mit Praxen belegt werden soll, sind in der dritten Etage neben Praxis- und Funktionsräume auch drei bis fünf Wohnungen vorgesehen.

Negative verkehrsmäßige Auswirkungen befürchtet

Das Vorhaben besteht aus drei verschiedenen großen Baukörpern, die über verglaste Zwischenteile zu einem L-förmigen Gebäude zusammengefasst werden. Unter dem Gebäude ist eine Tiefgarage mit 33 Pkw-Stellplätzen und 14 Fahrradstellplätzen vorgesehen. Dazu beschloss der Ausschuss die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes im beschleunigten Verfahren, allerdings bei sieben Gegenstimmen von SPD und UWG. Die waren der Ansicht, das in direkter Nachbarschaft zur Pallotti-Kirche geplante Jugendmedizinische Zentrum stehe am falschen Platz und passe besser auf das Pallotti-Areal, und zwar auf die andere Seite in die Nähe des Schützenhauses. An der jetzt geplanten Stelle habe es derartige verkehrsmäßigen Auswirkungen, dass die damit verbundenen Belastungen nicht zu vertreten seien.

JOST

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