Erinnerungsfeier am Kurfürst-Salentin-Gymnasium
Neugestaltung des Lebendigen Mahnmals
Andernach. „Vergessene Schicksale – fassbare Erinnerungen“ – unter diesem Motto stand dieses Schuljahr die Erinnerungsfeier anlässlich der Neugestaltung des „Lebendigen Mahnmals“ im Kurfürst-Salentin-Gymnasium. Schülerinnen und Schüler gedachten gemeinsam der Schicksale von Menschen in Krieg und Gewalt und wollten so dem Schrecken ein Gesicht geben.
Schon seit einigen Jahren befindet sich in der alten Eingangshalle des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums ein von Schülerinnen und Schülern mitentwickeltes Mahnmal. Dieses „Lebendige Mahnmal“ ist veränderbar und wird alljährlich neugestaltet. Mehr als hundert Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Jahrgangsstufen wirkten dieses Jahr an dem fächerübergreifenden Projekt mit. Im Unterricht beschäftigten sie sich anhand von Nachkriegsliteratur mit den Auswirkungen von Krieg und Gewalt auf das Werk eines Künstlers. Unter diesem Eindruck verfassten sie Gedichte, welche den Schrecken dieser Geschehnisse verdeutlichten. Aus diesen Gedichten wurde schließlich das „Lebendige Mahnmal“ neugestaltet. „Ein besonderes Anliegen war uns, dass die Schülerinnen und Schüler sich auch auf emotionaler Ebene mit dem Schrecken der Weltkriege und des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Nur so können sie erkennen, wie bedeutsam es ist, daran mitzuwirken, eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern“, erklärt die Kunstlehrerin Stella Weber, unter deren Anleitung das Mahnmal umgestaltet wurde. Durch die Auseinandersetzung mit Einzelschicksalen, auch im Rahmen eines Zeitzeugengesprächs mit einem Holocaust-Überlebenden, wurden die Schüler in ihrem emotionalen Lernen unterstützt.
Von besonderer Bedeutung für alle Schülerinnen und Schüler der Schule war sicherlich die Erinnerungsfeier selbst. Hier präsentierten die mitwirkenden Schülerinnen und Schüler nicht nur das neugestaltete „Lebendige Mahnmal“. Sie dachten auch gemeinsam daran, wie Krieg und Gewalt die Geschichte der Schule, aber auch die ihrer Familie prägten. Die Erinnerung an die Michaelstruppe, eine in der Zeit des Nationalsozialismus von Schülern der Schule gegründeten Widerstandsgruppe, zeigte den Anwesenden auch, dass es unter damaligen Umständen Menschen gab, die Courage zeigten. Ihr Mut ist auch für heutige Generationen ein Beispiel.
Sebastian Hebeisen, Regionalgeschäftsführer des DGB Koblenz, verdeutlichte den anwesenden Schülerinnen und Schülern anhand seiner persönlichen Familiengeschichte, wie sehr die ausgrenzende und menschenverachtende Politik in der Zeit des Nationalsozialismus die Biographien der Familien prägte. Umso wichtiger sei es, dass die Schülerinnen und Schüler sich ihrer zivilgesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind.
Der Oberbürgermeister der Stadt Andernach, Achim Hütten, der an der Erinnerungsfeier teilnahm, lobte die Aufarbeitung der Vergangenheit und die gleichzeitige Vergegenwärtigung der gesellschaftlichen Verantwortung: „Projekte wie dieses an Schulen sind wichtig und wir freuen uns daher, dass Schülerinnen und Schüler ihr Mahnmal zu einem lebendigen machen.“
Die eigentlich ab dem 22. März geplante Ausstellung im ArtLab im Kunstpavillon in Burgbrohl bietet Interessierten einen Einblick in die Arbeit der Schülerinnen und Schüler am „Lebendigen Mahnmal“. Sie wird zu einem späteren Zeitpunkt eröffnet werden. Hier werden die Ergebnisse eines fächerübergreifenden Projekts zum Thema Erinnerungsstücke ausgestellt, welches im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Mahnmals in der Jahrgangsstufe 7 durchgeführt wurde. Auch hier stehen vergessene Schicksale und fassbare Erinnerungen im Zentrum.
