Neulich beim Urologen
von Gregor Schürer
Sehen sie mir das Thema nach, liebe Leserinnen und Leser!
Es ist die 13. Folge von „Neulich“, da musste es was Spezielles sein.
Ich war also neulich beim Urologen. Da bin ich einmal jährlich zur Vorsorge, weil das für Menschen meines Alters
ratsam ist. Es gibt Schöneres. Es gibt aber auch deutlich Schlimmeres.
Ich gehe eigentlich ganz gerne hin. Zum ersten, weil das Praxisteam ausnehmend freundlich und kompetent ist. Zum zweiten, weil man im Wartezimmer häufig Freunde und Bekannte (wieder) trifft und nach einem etwas befangenen „Du/Sie auch hier…“ interessante Gespräche führen kann. Nicht selten über Krankheiten, aber oft genug auch über andere Dinge. Und drittens, weil es erlaubt sein muss, einmal im Jahr in einen Plastikbecher zu pinkeln und das Ergebnis in eine Durchreiche zu stellen, Klappe auf, Urinprobe rein, Klappe zu.
Danach werde ich zur Blutabnahme gebeten. Die Arzthelferin bringt gleich fünf leere Spritzen dafür mit, ich scherze: „Lassen Sie noch was drin.“ Da fällt mir ein, dass der Aderlass früher als Therapie galt, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren, wird also nichts schaden. Ist ein bisschen wie Blut spenden, nur eben für sich selbst.
Ich darf mich ins Behandlungszimmer setzen und komme dort ins Grübeln: Wie mag es wohl sein, wenn man als Urologe den ganzen Tag auf und in diverse, sonst eher schamvoll bedeckte fremde Körperteile schauen muss und was macht das möglicherweise mit dem eigenen Gemüt?
Da kommt der Arzt meines Vertrauens und fragt, wie es mir geht. „Gut“ antworte ich und frage ihn dasselbe. „Auch gut“ sagt er und erzählt mir danach, dass er in seiner Freizeit zum Ausgleich Musik macht. Sein ganzes Leben lang schon spielt er mit großer Begeisterung auf diversen Tasteninstrumenten, nur für sich selbst. Er strahlt dabei über das ganze Gesicht und in seinen Augen funkelt es.
Dann untersucht er mich, gründlich, überall und ganz ohne Peinlichkeiten. Anschließend entlässt er mich mit einem „Ich bin zufrieden mit Ihnen“.
Ich bin es auch: Weiß ich doch, dass ich mir um mich selbst keine Sorgen machen muss. Und um meinen Urologen auch nicht
