Kunstsalon lockte besonders am verkaufsoffenen Sonntag die Menschen in die Remagener Innenstadt
Neun Galerien öffneten Pforten und gaben bei entsprechenden Regeln der „Nähe“ Raum
Unter dem Motto „Distanz und Nähe“ konnte die vielfältige Kunst in den Galerien und Ateliergemeinschaften oder per Video bewundert werden
Remagen. Es ist schon etwas Besonderes: der Kunstsalon in Remagen im Herbst. Kleiner angesichts Corona, aber sehr ansprechend fiel der Kunstsalon in diesem Jahr aus. Neun Galerien und Ateliergemeinschaften hatten ihre Pforten geöffnet. Insgesamt 16 Kunststationen nahmen in diesem Jahr am 14. Kunstsalon in Remagen teil. Alle Stationen waren über Internet zu erreichen und hielten jeweils etwa einminütige Informationen für die vielen Interessierten bereit. Eine sicher sehr gute Idee, nicht nur für die vielen Menschen, die doch eher auf „Distanz“ bleiben möchten.
War der Besuch am Samstag eher verhalten, so war die Fußgängerzone und der Bereich des Historischen Dreiecks zwischen Kirche, Bachstraße, Marktplatz und Kirchstraße am Sonntag doch recht belebt. Und die Menschen nutzten nicht nur die Möglichkeit die Künste zu bewundern, sondern nutzten gleichermaßen den verkaufsoffenen Sonntag, um beim Remagener Einzelhandel das ein oder andere Schnäppchen zu ergattern. Verbunden war dies mit einem Plausch mit der Familie, Bekannten, Verwandten oder Nachbarn auf der Straße. So standen in der Fußgängerzone im Freien die Menschen gruppenweise und mit gebührendem Abstand beisammen und nutzten die Gelegenheit zwischen Kunst und Einkauf für einen kleinen Plausch.
Die einzige Künstlerin, die die Corona-Pandemie inhaltlich aufgegriffen hatte, war Molly Noebel in ihrem Studio MoNo. Sie präsentierte Maskengestalten in „Coronarrisch“-Collagen. Weitere Nähe-Station war bei Rosemarie Bassi, bei der der italienische Künstler Lorenzo Fonda seine Werke präsentierte. Setzte er vor 16 Jahren bei Rosemarie Bassi noch überwiegend menschliche Körper in Szene, so waren es dieses Mal mal mehr die Landschaften, auf die Rosemarie Bassi wert gelegt hatte, zeigten sie doch auch ihre Heimat. Bei Christoph Noebel in der Galerie Artspace K2 wurden „Elementare Strukturen geboten. Aus dem Zyklus von Noebel konnten Collagen mit verschränkten Knochen und abstrakten Formen bewundert werden. Sie standen in ansprechendem Zusammenspiel mit der weißen Bodenskulptur von Herbert Höcky und den Werken von Volker Thehos mit Fundknochen.
Im Modegeschäft Diehl´s zeigte Helga Kaes Bronzefiguren und abstrakte Werke aus Kaninchendraht. Im Modern Art Showroom M.A.S.H. präsentiertte Almuth Leib die Ausstellung „Sendepause“. Gemeinsam mit Janko Arzensek und Eva Töpfer hat sie in der Corona-Pause sehr viel gearbeitet. So entstanden ihre Arbeiten in strahlendem Blau ,die streng geometrischen Grafik-Formen von Arzensek ebenso wie die Gemälde von Eva Töpfer. Präsentierte Herbert Höcky seine Bodenskulptur am Samstag noch auf dem Marktplatz, so war am Sonntag, und das leider ein wenig abseits vor der Rathauspassage, das Kunstwerk von Kinetik-Künstler Willi Reiche als einziges zu bestaunen. Das „bewegte“ Kunstwerk zeigte rote Boxhandschuhe, gelbe Flossen, Tennisschläger und Paddel in Bewegung und zog schmunzelnde Blicke auf sich. Über viel Zuspruch konnten sich ebenso die Künstler Beate Steven und Rolf Habel im Künstlerforum Remagen hinter dem Rathaus freuen. Die Kölner Bildhauerin begeisterte mit Bronzefiguren ebenso wie mit Holzskulpturen, beispielsweise eine Punk-Madonna. Der Bad Neuenahrer Habel zeigte Gemälde, unfertig, fertig, und auch Arbeiten, die gemeinsam mit mehreren geschaffen wurden.
Im Studio Kerma zeigte Erika Klassen beeindruckende Werke, auch aus der Nähe, Malerei in verschiedenen Technik wie Aquarell oder Acryl. Die starken Blautöne faszinierten dabei ebenso wie die Malerei, mal gegenständlich, mal abstrakt. Im l´atelier in der Bachstraße präsentierte Gisèle Hillen blühende Landschaften, die ein wunderbares Pendant zum trüben Herbstwochenende bildeten. Und wer auch über die Künstler der Galerien und Ateliergemeinschaften, die alle auch aus der Distanz zu bewundern sind, informiert werden möchte, der sollte ganz einfach die Seite der Stadt Remagen öffnen und dort unter Veranstaltungen den Kunstsalon aufrufen. Die einminütigen Videos sind sehenswert, ebenso wie der 14-minütige Film über die Kunst in der Partnerstadt Maisons-Laffitte. So bot der 14. Kunstsalon unter dem Titel „Distanz und Nähe“ in der derzeitigen „Abstandszeit“ ein kleines Highlight für Kunstinteressierte und auch der verkaufsoffene Sonntag trug zu ein klein wenig Abwechslung in der „distanzierten“ Zeit bei. AB
Im Künstlerforum stellte auch Bildhauerin Beate Steven aus: hier die Punk-Madonna mit KInd.
Blühende Landschaften von Gisèle Hillen.
