Allgemeine Berichte | 21.12.2021

Franziskus Gymnasium Nonnenwerth

Nonnenwerther Weihnachtskonzerte im Kirchenasyl

Zunächst fand das Konzert vor der Erlöserkirche statt. Fotos: privat

Bad Honnef/Remagen. Am Freitag, 17. Dezember war es endlich so weit: Das weihnachtliche Einstimmen mit den Nonnenwerther Musikensembles, was seit jeher Zuhörer aus Nah und Fern anzieht, konnte beginnen, so als sei die Tradition nie unterbrochen worden!

Und es wurde dank der gastlichen Umgebung der Erlöserkirche in Bad Honnef und dem persönlichen Einsatz von Pfarrer Löttgen-Tangermann, sogar ein richtig romantisches Miteinander. Die temporäre Ausweichspielstätte wurde aufgrund der neuen Fährzeiten am Inselgymnasium notwendig, die seit diesem Schuljahr vom Besitzer auf 18 Uhr begrenzt wurden. Doch durch die guten Kontakte des ehemals unter franziskanischer Trägerschaft stehenden Gymnasiums zu den umliegenden Gemeinden beider Religionsrichtungen war ein heimeliger Ort schnell gefunden.

Die Nonnenwerther Schülerfirmen boten zudem ihre Produkte im Pfarrhof an und die MSS 12 reichte Heißgetränke und Weihnachtsgebäck, sodass ein wunderschöner Miniatur-Weihnachtsmarkt unter Beachtung der Corona-Bestimmungen entstand.

Da auch das Wetter mitspielte – es blieb trocken bei milden Temperaturen – , konnte die Rhine Island Big Band, unter der Leitung ihres langjährigen Bandleaders Thomas Heck, zur Begrüßung aller Gäste direkt mit ein paar Repertoire-Klassikern aufwarten. Allen Widrigkeiten der Corona Phasen zum Trotz zeigte sich das Ensemble nach den letzten Abitur-Abgängen zwar verjüngt, hat aber mit gutem Zusammenhalt ‚überlebt‘. Übers Jahr war zum großen Teil online geprobt worden, erst seit September auch wieder in Präsenz. Im November hatte noch ein Probenwochenende stattgefunden, sodass gemeinsames Musizieren zuletzt schon wieder etwas von Normalität bekam.

Zum Auftakt war „Minnie The Moocher“ zu hören, gefolgt von „Harlem Nocturne“, die der einsetzenden Dämmerung und somit den besonderen Lichtverhältnissen eine musikalische Note gaben.

Als Drittes konnte man mit „Skyfall“ zwar einen Titel aus allseits bekanntem Agenten-Kontext hören, aber merken, dass der Schule, die gerade Schweres erlebt, der Himmel eben noch nicht auf den Kopf gefallen ist.

„Every Litte Thing She Does Is Magic“ schloss sich ‚zauberhaft‘ an: Mögen die Titel der Band keine ‚richtigen‘ Weihnachtslieder sein – weihnachtlich im Geist waren sie allemal. Und was wäre ein Nonnenwerther Big Band Beitrag zum Weihnachtskonzert ohne „Oye Como Va“, der Zugabe seit über fünfzehn Jahren?!

Eingestreut in den Vortrag der Big Band waren zwei Titel des Saxophon Ensembles, das auf der Zielgeraden der Vorbereitung fast ohne gemeinsames Proben die Aufgabe meisterte: Der Spiritual „Joshua Fit The Battle Of Jericho“ wurde gefolgt von „Frosty The Snowman“. Ein richtiger Schneemann wäre wohl nicht nur wegen der milden Temperaturen dahingeschmolzen!

Mit den Singklassenkindern kam dann Weihnachtsstimmung pur auf. Die Fünft-und Sechstklässler sangen mit Inbrunst von „O du Fröhliche“ bis „Stille Nacht“ die Klassiker der deutschen Weihnachtsliteratur. Es sei schon ein kleines Wunder, dass sie so schön – nach monatelangen Proben mit Mundschutz oder bei kühlen Temperaturen im Freien – sängen, merkte ihre Musiklehrerin und Chorleiterin Iris Flögerhöfer gerührt an und fügte hinzu: „Für viele von ihnen ist es das erste Konzert seit zwei Jahren. Unser Enthusiasmus ist ungebrochen und das ist wirklich ein Wunder!“

Umrahmt und begleitet wurden die Weihnachtslieder durch den Musik Grundkurs 10, der mit „Hark The Herald Angel Sings“ und „Tochter Zion“ sehr bemerkenswerte musikalische Akzente setzte.

Und noch ein Ensemble begeisterte die ca. 150 Zuhörer*innen an diesem stimmungsvollen Abend bei Glühwein und Apfelpunsch: die Junior Jazz Band unter der Leitung von Jürgen Roth. Sie spielten neben Hits der Pop- und Rockgeschichte wie „Call Me Maybe“ oder „Eye Of The Tiger“ auch Klassiker der angelsächsischen klassischen und swingenden Weihnacht, neben „We Wish You A Merry Christmas“ den beliebten „Jingle Bells Rock“. Die jungen Musiker von der Klasse 6 bis 9 zeigten dabei spielend den hohen Ausbildungsstand, den sie aufgrund des Nonnenwerther Musikkonzeptes schon erreicht haben. Am traditionellen Gymnasium mit starkem musischen Zweig erhalten die Schüler der Unterstufe nämlich ausnahmslos den Unterricht im Fach Musik praktisch, als Teil der Singe-, Streicher- oder Bläserklasse!

Das Ende der Speerspitze zeigte nachfolgend das „Nonnenwerther Pocket-Brass-Ensemble“, welches aus Sebastian Lüchow (MSS 11) am Tenor- und Baritonsaxophon, Daniel Fuchs (MSS 10) an der Posaune und Musiklehrer Jürgen Roth an der Taschentrompete besteht. Komplett ohne Rhythmusgruppe groovten die Bläser ein knackiges „Silent Night“ und eine mitreißende Cover-Version von „Stand by me“, welches hypnotisch auf die vorbeilaufenden Passanten zu wirken schien, denn viele blieben mit offenem Mund gebannt stehen.

Zum großen Finale des ersten Teils tummelten sich schließlich verheißungsvoll die Bläserschar aller bis dahin mitwirkenden Ensembles auf den Stufen zur Kirche. Sie präsentierten festlich „Adeste Fideles“ und „Wir sagen euch an, den lieben Advent“, welches von den anwesenden Zuhörer*innen aufgegriffen und mitgesungen wurde.

Pfarrer Löttgen-Tangermann entfuhr nur, ob der großen Inselgemeinschaft auf seinem Kirchplatz, ein ergriffenes „Welch ein musikalischer Reichtum!“

Danach verlagerte sich das Konzert zum klassischen zweiten Teil in die Erlöserkirche, der mit „Deck The Hall“ und „Maria durch ein Dornwald ging“ von Heilig’s Blechle (Gerhard Halene, Jürgen Roth, Daniel Fuchs, Henry Kalbitzer und Sebastian Lüchow) sehr festlich von der Empore eröffnet wurde.

Die Streicherensembles unter der Leitung von Katharina Peters (Junior Camerata) und Natalia Kazakova (Camerata) fanden in der von Arthur Claus stimmungsvoll beleuchteten Kirche eine wundervolle Akustik für ihren samtweichen Klang. Die Junior Camerata überzeugte mit drei Beiträgen durch erstaunlich saubere Intonation und Spielfreude. Im folgenden Beitrag des Celloquartetts demonstrierten Carolin Zimmermann, Tristan Moritz und Lilith Roggendorf, wie das Zusammenspiel mit ihrer Cellolehrerin Natalia Kazakova sie zu Höchstleistungen beflügeln kann.

Im Anschluss dazu begeisterten weitere Solisten die Zuhörer: Lilith Roggendorf und Mia Rother mit einem bravourös gespielten Duo, Janna Rasche (Sopran) mit dem sphärisch-schön gesungenen „Ave Maria“ von Caccini, sowie Cäcilia Plötner mit dem höchst professionell gespielten, rasanten „Histoire du Tango“ von Astor Piazzolla. Sie zeigte damit im klassischen Bereich, wohin einen die Reise führen kann, wenn man viel Ausdauer und Leidenschaft seine Passion für Musik gefunden hat. Cäcilia Plötner (MSS12) ist mehrfache Preisträgerin bei „Jugend Musiziert“ und war im Sommer jüngste Dozentin beim 1. Nonnenwerther Musikcamp!

Die Camerata Nonnenwerth spielte mit wunderbarer Intonation und viel Elan vier anspruchsvolle Stücke: das „Rigaudon“ aus Händels Wassermusik, den 1. Satz der Kindersinfonie von Leopold Mozart, den Walzer Nr. 2 von Dmitri Schostakowisch und das Allegro Moderato aus der „Unvollendeten Sinfonie“ von Franz Schubert.

Bemerkungswert war dann auch das „Ausständchen“ eines MSS 12er-Abschluss-Ensemble, welches mit Bratschistin Mia Rother und Cellistin Carolin Zimmermann ergänzt wurde. Technisch einwandfrei präsentierte es den sehr anspruchsvollen Blumenwalzer aus der „Nussknacker“-Suite von Peter Tschaikowsky fulminant.

Was für ein Programm nach zwei Jahren Corona, langem Zoomunterricht, Brandschutzquerelen und einem drohenden aus der Inselschule!

„Wir waren am Ende selbst überrascht, dass wir zwei 90-minütige Konzertblöcke mit über 100 Mitwirkenden gestemmt bekamen. Mir persönlich ist keine andere Schule bekannt, die dieses Jahr etwas ähnliches auf die Beine stellen konnte“, sagte der Musiklehrer Jürgen Roth.

Was Hingabe, Lernbereitschaft und Einsatz angeht sind die Schüler*innen des Franziskus Gymnasiums Nonnenwerth seit Jahren von der Klasse 5 bis zur Jahrgangsstufe 12 auf beeindruckend hohem Niveau.

Die Frage, ob es für sie ein Weihnachtswunder geben wird und ihre Ausbildungsstätte auch über das Jahr 2022 Bestand hat, liegt in diesem Jahr weniger am Christkind als am runden Tisch, der momentan über die Zukunft der rheinland-pfälzischen „Leuchtturm-Schule“ berät.

An diesem Abend jedoch standen Musik, geselliges Miteinander und stimmungsvolles Einstimmen auf die Weihnachtszeit im Vordergrund.

Zum zweiten Teil verlagerte sich das Konzert in die Kirche.

Zum zweiten Teil verlagerte sich das Konzert in die Kirche.

Zunächst fand das Konzert vor der Erlöserkirche statt. Fotos: privat

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