Allgemeine Berichte | 19.06.2017

Musik aus Finnland mit der Kammerphilharmonie und Chor des Landesmusikgymnasiums

Nordische Klänge verzaubern Westerwälder Publikum

Der Chor des Landesmusikgymnasiums beeindruckte das Publikum beim Finnland-Konzert. privat

Montabaur. Anlässlich des hundertsten Jubiläums der Unabhängigkeit Finnlands veranstalteten die Kammerphilharmonie musica viva und der Kammerchor Art of the Voice vom Landesmusikgymnasium RLP am vergangenen Sonntag im Schloss Montabaur ein ganz besonderes Konzert, das man in dieser Form wohl nur selten zu hören bekommt. Im nahezu ausverkauften Veranstaltungszentrum der ADG erklang fast ausschließlich Musik aus Finnland, darunter echte Raritäten von Sibelius und zwei weiteren Komponisten des 20. Jahrhunderts, deren typisch nordische Atmosphäre das Publikum von Anfang an in seinen Bann zog. Die Romance op. 42 von Jean Sibelius für Streicher bestach durch ihren elegischen und stellenweise auch dramatischen Charakter, den die Kammerphilharmonie unter der Leitung ihres Dirigenten Tobias Simon meisterhaft expressiv herausarbeitete. Auch das berühmte „Andante festivo“ von 1922, in der überarbeiteten Fassung für Streichinstrumente, das musica viva fest in ihrem Repertoire hat, überzeugte durch großen Klang und Ausdruck. Dass die Finnen aber auch ein traditionsbewusstes und lebenslustiges Volk sind, bezeugten zwei farbenreiche Kompositionen von eher unbekannten Komponisten: Die Bilder der Landspielleute von Pehr Henrik Nordgren mit den Untertiteln „Die Pflücker“, „Der Denker“, „Das Menuett des alten Mannes“ und „Des Fiddlers Lieblingsstück“ zeichneten das finnische Leben in farbenfrohen Schattierungen. Folkloristische, aber auch meditative Elemente wurden gekonnt kombiniert mit hochmodernen, spannungsreichen Harmonien und Spieltechniken; solistische Passagen kontrastierten mit virtuosem, mitreißendem Orchestertutti. Ähnlich kontrastreich, aber noch folkloristischer gehalten waren die Sechs Volkslieder aus der Provinz Häme von Väinö Raitio, die aufgrund der zahlreichen Pizzicato-Passagen teilweise täuschend echt an ein Mandolinenorchester erinnerten.

Weitere Höhepunkte des hochkarätigen Konzerts waren ohne Frage die solistischen Beiträge: ein Duo für Violine und Viola von J. Sibelius, gekonnt interpretiert von Patrick Schnabel und Laura Cardoso Kircher, und zwei Humoresken – ebenfalls von Sibelius – für Solo-Violine und Streichorchester. Den Solopart übernahm Johanna Bechtel aus Heidelberg, die im März dieses Jahres ihr Abitur (als Jahrgangsbeste) am LMG abgelegt hat und sich nun auf ein Violinstudium vorbereitet. Sie brillierte mitreißend virtuos und musikalisch über dem warmen Klangteppich des Orchesters und wurde vom Publikum nicht ohne eine Zugabe entlassen.

Die Veranstalter dieses Konzerts, die Deutsch-Finnische Gesellschaft (DFG) in Zusammenarbeit mit dem Förderverein VEFF des LMG zeigten sich hochzufrieden und dankbar über die fruchtbare und künstlerisch hochwertige Zusammenarbeit anlässlich des hundertsten Jahrestages der finnischen Unabhängigkeit. Deren Vorsitzende Jürgen Schreckegast und Ulrich Schwark würdigten die zahlreichen Ehrengäste, unter anderem Landrat Achim Schwickert sowie zahlreiche Vertreter der benachbarten Landesverbände der DFG. Die Einnahmen aus diesem Benefizkonzert sollen für die Anschaffung eines dringend benötigten neuen Konzertflügels für das LMG verwendet werden.

Abgerundet und zusätzlich bereichert wurde das Konzert durch drei Chorwerke von Reger, Thieriot und Matti Hyöki, die der Oberstufenkammerchor Art of the Voice nuancenreich zu Gehör brachte – regulär unter der Leitung von Martin Ramroth, diesmal aber vertretungsweise ebenfalls von Tobias Simon dirigiert. Fürs große Finale wurde die Streicherphilharmonie noch um zwei Hörner (Viktoria Nückel und Sonja Schnabel), Flöte (Sina Hannappel) und Klarinette (Anisa Dababi) erweitert. Zusammen gestalteten sie mitreißend phrasiert die „Valse triste“ und abschließend mit Chor die inoffizielle finnische Nationalhymne aus der berühmten „Finlandia“ von Sibelius.

Selbst optisch ließ das Konzertereignis keine Wünsche offen: Passend zu diesem Anlass stellte das Finnlandinstitut Berlin die Ausstellung „Jean Sibelius – die Musik, der Künstler, der Mensch“ zum Konzerttag zur Verfügung. Außerdem verliehen stimmungsvolle Naturbilder der weiten finnischen Landschaften, auf Großleinwand projiziert, dem Konzert zusätzliche Atmosphäre.

Nordische Klänge verzaubern Westerwälder Publikum

Der Chor des Landesmusikgymnasiums beeindruckte das Publikum beim Finnland-Konzert. Fotos: privat

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