Allgemeine Berichte | 18.07.2018, 09:11 Uhr

Monika Clevers Ausstellung „zahlen.bitte“ amüsierte mit Zahlenspielereien

Nullen sind nicht zu unterschätzen

Schattenbilder von Monika Clever (re.). Gemeinde Wachtberg/mm
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Wachtberg-Niederbachem. Zahlendiktat, 90 – 60 – 90, wer gab doch gleich derlei ‚Traummaße‘ vor? Sensible Daten, wie Hochzeitstag, Anzahl der noch verbliebenen Zähne… alle eingemacht in Weckgläsern. Gemalte Zahlenspielereien, wie „2-fler“, „1-ame“ und „N-8-wächter“. Oder die Feststellung: „Nullen darf man nicht unterschätzen!“. Aktuell?! Jeder hat seine eigenen Assoziationen, das ist das Schöne an den Ausstellungen bei Monika Clever. Seit Jahren begeistert die Niederbachemer Künstlerin eine zunehmend wachsende Fangemeinde mit ihren Installationen. Immer bespielt sie dabei in ihrem ‚Bildergarten‘ eine besondere Begrifflichkeit - mal leicht, mal tiefgründig, zumeist lustig, aber auch durchaus ernst, zum Anschauen und zum Mitmachen. Die Besucher durften also gespannt sein, was es in den diesjährigen Kulturwochen bei ihr wieder Amüsantes zu entdecken geben würde. Der Titel „zahlen.bitte – abgezählt und unbezahlbar“, Insider ahnten es schon, war sicherlich nicht als Einladung an ausgemachte Mathematik-Fans gedacht. Wachtbergs ehemaliger Beigeordneter Jörg Ostermann, der die Ausstellung eröffnete, dankte Monika Clever dann auch für ihre Leichtigkeit, mit der sie sich auf ihre ganz eigene künstlerische Art mit Mathematik beschäftigt hat.

Abgezählt und unbezahlbar

Anhand einer Gartenkarte konnten die Gäste wieder auf Entdeckungsreise gehen. Zahlen, zählen… wer oft nicht einschlafen kann, kennt es, „Schäfchen zählen“. Monika Clever ließ an einem sich drehenden Rad hängend auf Folie gedruckte Schäfchen springen. Lustige Sprüche waren an hohe Pfosten geheftet, unter anderem „Logik ist die Kunst, zuversichtlich in die Irre zu gehen.“ In „Die Summe ihrer Teile“, jeweils in Gläsern präsentiert, hatte Monika Clever DIN A4 Blätter zerteilt, von 1:2, 1:4 bis hin zu kleinsten Schnipseln und schließlich nur noch Asche. Besonders schön ihre unter Efeu aufgereihten kleinen Bronzeschiffchen, betitelt „Wir waren 13“. Wenn es um Zahlen geht, darf eines nicht fehlen… das Pi, es thronte mittig in einer riesigen runden Glasscheibe, versteckt im Gebüsch. „W-8-berg in Zahlen“, das lockte die Wachtberger an, ein alter Safe mit zig Schubladen, in jeder eine (Zahlen-)Angabe mit Wissenswertem aus der Gemeinde. „0815“, „911“, „4711“… derart beschriftet amüsierten Aktenordner in alten Weinkisten an der Gartenmauer. Auch Monika Clevers inzwischen schon fast traditionelle Münzen gab es wieder, diesmal mit eingeprägtem „zahlen.bitte“ - eine schöne Erinnerung für die Besucher.

Ein Gästebuch hatte Monika Clever auch wieder ausgelegt. Nein, nicht einfach nur den Namen eintragen, das wäre zu einfach. Monika Clever stellte vielmehr, passend zum Ausstellungsthema, die Frage: „3 Dinge für die Insel. Und, was würden Sie mitnehmen?“ Auch ihre kleinen Kästen zum Öffnen waren wieder an einer Wand montiert. Immer als 7er-Familie waren auf der Vorderseite die jeweils ersten Begriffe genannt, im Innern wurden die letzten dann vervollständigt. Bei den Bergen des Siebengebirges war’s einfach, andere Begrifflichkeiten erschlossen sich vielfach erst durchs Kästchen-Öffnen. Last but not least ist immer auch der große, unter den Bäumen platzierte, Tisch ein Hingucker. In diesem Jahr standen, „abgezählt“ auf dem schwarzen Tuch, zig weiße Sparschweine. Was hatte Jörg Ostermann zu dieser Installation bei der Eröffnung angemerkt? „Ich hätte das ‚Weltspartag‘ genannt… und eine Bank als Sponsor dazu genommen!“ Das hatte Monika Clever nicht vorbereitet, dafür aber einen Kulturbeutel für alle, denen es gefallen hat: „zahlen.bitte, danke!“

Malerei und Blech

Wie im vergangenen Jahr schon waren auch dieses Mal wieder Gastkünstler mit dabei. Gitta Briegleb überraschte mit einer 3er-Bilderserie in feurig rot leuchtenden Tönen. Die im Titel, „Sehende Tulpen“, angedeutete typische Blumenform ließ sich erst bei näherer Betrachtung entdecken. Die Sonne in einem anderen, „Untergehende Sonne“ genannten, Werk strahlte dagegen deutlich rot abgesetzt auf hellen klaren Grüntönen. Werner Luhmer begeisterte mit seinen fantasievollen Arbeiten aus Blech. Groß als Aufsteller, klein als Deko-Accessoire hatte er vielfältige Motive aus dem eher nüchternen Material ausgestanzt und ihnen damit Leben verliehen. Bewusst zum Teil mit rostiger Patina versehen, leuchteten einige Objekte im Sonnenlicht ros(t)ig um die Wette.

Musik, Führung, Gedichte

Die Vernissage begleitete die Formation „Jazztime“ um Saxophonist Christian Bortz, Bassist Henning Spohr und Gitarrist Jens Stenglein mit klassischem Jazz aus dem Great American Songbook. Zu der in der ersten Woche angebotenen Führung mit Monika Clever durch die Ausstellung konnte diese zahlreiche interessierte Gäste begrüßen. Der eine oder andere dürfte da so manches bisher Unentdeckte im Bildergarten erst richtig wahrgenommen haben. Über gleichermaßen viele Besucher konnte sich die Gastgeberin freuen, als am zweiten Wochenende mit Ursula Contzen die Lyrik-Lesung „Was zählt“ auf dem Beiprogramm stand. Gekonnt sinnig und thematisch zum Bildergarten passend trug Ursula Contzen einige ihrer Gedichte vor, derart zur Freude der Zuhörer, dass sie am Schluss gebeten wurde, ein besonders schönes nochmals vorzutragen.

Die Ausstellung „zahlen.bitte“ im Bildergarten Monika Clever, Konrad-Adenauer-Straße 34 in Wachtberg-Niederbachem, ist am letzten Wochenende der Kulturwochen nochmals geöffnet: Samstag/Sonntag, 21. und 22. Juli, jeweils von 11 bis 18 Uhr. Pressemitteilung der

Gemeinde Wachtberg

Schattenbilder von Monika Clever (re.). Foto: Gemeinde Wachtberg/mm

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