Allgemeine Berichte | 13.01.2022

Zweckverband irritiert über Gerichtsurteil

„Ökologie und Ökonomie auf Müllhalde“

Fischer: „Erwarten schnelle und überzeugende Schritte“

Linz. Der Vorsitzende des Zweckverbandes Abwasserbeseitigung Linz-Unkel, Bürgermeister Hans-Günter Fischer, zeigt sich irritiert über ein Urteil des Koblenzer Verwaltungsgerichts. Dieses hatte entscheiden, dass Karbonisat in Deutschland nicht als „verkehrsfähiges Produkt“ zugelassen, also nicht als Dünger verkauft werden dürfe.

Fischer erklärte, dass „wir selbstverständlich den Richterspruch respektieren, aber in Berufung gehen werden.“ Faktisch bedeute dieses Urteil, dass „Ökologie und Ökonomie gleichermaßen auf der Müllhalde“ landeten.

„Anachronismus aus dem letzten Jahrhundert“

Vielmehr forderte er, dass sowohl die Gesetzgeber von Bund und Ländern als auch die Gerichte „endlich dafür sorgen müssen“, dass moderne Verfahren wie in der Abwassereinigungs-Anlage Linz-Unkel auch wirtschaftlich realisiert werden könnten. Fischer bezeichnete es als einen „Anachronismus, dass ein Dünger, obwohl er die zulässigen Grenzwerte der Düngemittel-Verordnung einhält, als solcher nicht genutzt werden darf.“

Das Karbonisat (der Dünger, d.Red.) ist deutlich weniger belastet als der Klärschlamm in seiner Ausgangsform, der hingegen auf die Felder verbracht werden darf. Dieser Anachronismus zeuge von einem „Verständnis aus dem letzten Jahrhundert.“ Karbonisat, so Fischer, dürfe als Dünger „nicht diskriminiert“ werden.

„Klimaschutz und Nachhaltigkeit bleiben auf der Strecke“

Der Vorsitzende des Zweckverbandes erinnerte an die breite Unterstützung für das Projekt. Diese „sehr innovative Idee“ sei von den Umweltministerien Rheinland-Pfalz und des Bundes sowie fachlich durch das Umweltbundesamt unterstützt und gefördert worden. Zudem seien sämtliche Verfahren, Prozesse und Technik transparent dargestellt worden.

Fischer bedauerte ausdrücklich, dass ein politisch mit höchster Priorität gefördertes Verfahren „kaputtgemacht wird“. Fischer weiter: „Stoffkreislauf, Klimaschutz und Nachhaltigkeit bleiben auf der Strecke. Das ist ein Skandal.“ Denn dem politisch gewünschten Weg zu mehr Klimaschutz werde damit „ein Bärendienst erwiesen“.

Hintergrund

Jeder Mensch braucht Phosphor zum Leben, ebenso Tiere und Pflanzen. Die Pflanzen bekommen ihn aus der Erde, in diesem Fall also aus den Feldern. Die Menschen nehmen ihn dann mit der Nahrung zu sich.

Bei der Ernte werden aber nicht nur die Pflanzen, sondern mit ihnen auch der Phosphor aus der Erde entfernt. Deshalb muss er durch Dünger wieder hinein in die Felder.

Menschen scheiden das Phosphor fast vollständig wieder aus. Normalerweise wird der „Abfall des Menschen“ in Kläranlagen einfach verbrannt und damit auch das Phosphor. In der innovativen Anlage in Linz-Unkel ist das anders.

Der Phosphor wird hier wiedergewonnen und nutzbar gemacht. Ein möglicher Rest an Schwermetallen und anderen Schadstoffen im Schlamm wird durch die extrem hohe Verbrennung vernichtet.

Der Klärschlamm selbst wird um rund 90 % reduziert. Er wird vollständig in hochwertigen Dünger umgewandelt – und könnte als solcher verwendet werden.

Deutschland importiert fast allen erforderlichen Phosphor aus dem Ausland. Auch deshalb ist die Anlage Linz-Unkel von so herausragender Bedeutung: Sie könnte weniger Abhängigkeit von Importen bedeuten.

Durch die Umstellung des Verfahrens in der Anlage Linz-Unkel können zudem 700 Tonnen CO2 jährlich eingespart werden.

Das in der Anlage Linz-Unkel praktizierte Projekt wurde bereits vor Jahren von Experten ausdrücklich gelobt: Beim Wettbewerb um den Deutschen Ingenieurbaupreis 2016 beispielsweise gab es für diese Methode eine ausdrückliche Anerkennung.

Pressemitteilung

Verbandsgemeinde

Linz am Rhein

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