Allgemeine Berichte | 15.11.2024, 13:49 Uhr

Veranstaltungen in der ehemaligen Synagoge in Mogendorf

Ökumenischer Gottesdienst zur Pogromnacht

Dekan Dr. Axel Wengenroth (am Stehpult) und Dr. Georg Poell gestalteten einen ökumenischen Gottesdienst zu den Novemberpogromen 1938.  Fotos: Sabine Hammann-Gonschorek
67

Mogendorf. In der Evangelischen Kirche Mogendorf, die auf den Grundmauern einer Synagoge steht, haben rund 50 Gottesdienstbesucher eine besondere Gelegenheit zur historischen und gesellschaftlichen Reflexion wahrgenommen. In einem Ökumenischen Gottesdienst setzten sich Dekan Dr. Axel Wengenroth und Dr. Georg Poell mit der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 auseinander. Ihre These: Nur durch die aktive und passive Ent-Solidarisierung vieler Menschen mit ihren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern wurde die Pogromnacht möglich. „Ein Leib und viele Glieder“, so lautete das zentrale Bild, das Dr. Wengenroth und Dr. Poell in ihren Ansprachen entfalteten, inspiriert vom biblischen Text aus dem 1. Korintherbrief (12,12-26). Die Redner betonten, dass das Bild des Körpers als Gemeinschaft die wechselseitige Abhängigkeit und die Notwendigkeit von Vielfalt symbolisiere – sowohl in der Kirche als auch in der gesamten Gesellschaft. Poell wies darauf hin, wie schwer es falle, Ausfälle oder Einschränkungen im eigenen Körper zu kompensieren, und übertrug dies auf das Miteinander in der Gesellschaft, wo jede und jeder eine nicht ersetzbare Aufgabe und Rolle habe. „In unserer Gesellschaft muss die Würde jedes einzelnen Menschen auch ohne Bezug auf Gott begründet werden können“, so Dr. Poell.

Wengenroth nutzte den Gottesdienst, um die Teilnehmenden darauf hinzuweisen, wie wichtig es sei, „Blasen und Filter“ zu überwinden, in denen Menschen oft nur mit Gleichgesinnten kommunizieren. Gesellschaftliche Vielfalt funktioniere nur, wenn alle Bereiche und Menschen – ob „Auge“ oder „Hand“ – im Bewusstsein ihrer wechselseitigen Abhängigkeit verbunden sind. Er zog auch Parallelen zur „Erkrankung“ des „body politic“ (englisch: Staatswesen) im Nationalsozialismus und betonte, dass nur eine bewusste, gelebte Solidarität eine solche gesellschaftliche Krankheit verhindern könne. „Die Novemberpogrome waren nicht nur ein Verbrechen an sich, sondern zugleich ein Symptom für die grundsätzliche Krankheit der Gesellschaft unter den Nazis“, sagte der Dekan.

Musikalisch gestaltet wurde die Veranstaltung von Trio Flex und von Eberhard Ströder an der Orgel. Das Trio Flex mit Britta Aigner-Schumann, Joachim Westphal und Dekanatskantor Jens Schawaller schuf mit Klezmer-Klängen eine emotionale Verbindung zur jüdischen Kultur und verlieh dem Gottesdienst so eine besondere Atmosphäre.

In einer Veranstaltung vor dem Gottesdienst hatte Dr. Georg Poell rund 30 interessierte Teilnehmende auf eine historische Spurensuche im Kirchengebäude mitgenommen. Er zog Parallelen zu anderen jüdischen Gotteshäusern in der Region, schlug theologisch eine Brücke zwischen jüdischem und christlichem Glauben und sprach über die 2018 installierten Kirchenfenster, die Szenen aus dem Alten Testament darstellen und so ein kulturelles Erbe in die Gegenwart tragen. Die Kollekte des Gottesdienstes wird für die Erhaltung der Fenster verwendet.

Die Evangelische Erwachsenenbildung im Dekanat Westerwald und die Katholische Erwachsenenbildung Westerwald – Rhein-Lahn veranstalten im zweiten Jahr in Folge im November eine Veranstaltungsreihe, um die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wach zu halten und daraus Lehren für die Gegenwart zu ziehen.

Pressemitteilung

Evangelisches Dekanat

Westerwald

Dr. Axel Wengenroth und Dr. Georg Poell.

Dr. Axel Wengenroth und Dr. Georg Poell.

Dekan Dr. Axel Wengenroth (am Stehpult) und Dr. Georg Poell gestalteten einen ökumenischen Gottesdienst zu den Novemberpogromen 1938. Fotos: Sabine Hammann-Gonschorek

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag 2026
Wir helfen im Trauerfall Vorsorge
Daueranzeige 2026
Image
Dauerauftrag
Moonlight Concert 27.11.26
Empfohlene Artikel
Foto: B. Risse / Kreisverwaltung Ahrweiler
67

Sinzig. Landrätin Cornelia Weigand hat am Montag die Baugenehmigung für das neue Lebenshilfehaus in Sinzig übergeben. Die Lebenshilfe Kreisvereinigung Ahrweiler e. V. plant den Neubau an der Ecke Münzgasse/Renngasse in Sinzig. Die Übergabe fand im sanierten alten Lebenshilfehaus in der Pestalozzistraße statt. Zu den Teilnehmern gehörten Bürgermeister Andreas Geron, Ortsvorsteher Reiner Friedsam und der frühere Sinziger Bürgermeister Norbert Hesch.

Weiterlesen

Gülser Forum
17

Mehr als 200 Menschen kamen zum Güls Forum in die Schulsporthalle. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die Güls seit Jahren beschäftigt und in den vergangenen Wochen noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen hat: Wie soll sich die Nahversorgung im Ort künftig entwickeln – und was bedeuten die Planungen am Moselbogen für den heutigen Ortskern?

Weiterlesen

Blick auf das Freigelände der neuen Kita bei der Einweihungsfeier.
40

„Als Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft machen wir ganz Vieles: Straße, Brücken, Parkanlagen … aber am liebsten machen wir Kitas. Das sagte Geschäftsführer Herbert Wiemer bei der Einweihung der neuen Kita Blandine Merten in Bad Neuenahr.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Adobe Stock
1448

An mehreren Stellen steht diese und nächste Woche ein Blitzer

In Bad Neuenahr-Ahrweiler wird geblitzt

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler plant zur Erhöhung der Verkehrssicherheit Geschwindigkeitskontrollen an verschiedenen Standorten. In der Kalenderwoche 44 sind Messungen in der Schützenstraße im Stadtteil Ahrweiler sowie in der Sinziger Straße im Stadtteil Lohrsdorf vorgesehen.

Weiterlesen

In Bekond wurden die Siegerweine und -brände gekürt. Hier gratuliert Kammerpräsident Ökonomierat Michael Horper den erfolgreichen Brennerinnen und Brennern.
1927

Bei der Landeswein- und Sektprämierung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz wurden in Bekond die erfolgreichsten Winzerinnen und Winzer sowie Brennerinnen und Brenner ausgezeichnet. Kammerpräsident Ökonomierat Michael Horper, Mittelrhein-Weinprinzessin Jill Rüttgen und Weinmajestät „Burgundia“ Jona Marie Esser aus Ahrweiler überreichten die Urkunden für die Siegerweine und Siegerbrände. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen