Allgemeine Berichte | 12.11.2021

Altes Pfarrhaus in Müllenbach bleibt „Kulturzentrum Schieferregion“

Offizielle Schlüsselübergabe

Die Ausstellung.

Die Ausstellung.

Müllenbach. Seit dem Jahre 2011 war der Verein zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte, kurz „Schieferverein“, als Mieter in dem im Jahre 1895 erbauten Pfarrhaus der Pfarrei St. Hubertus Müllenbach-Laubach einquartiert. Schon im ersten Jahr begann man mit diversen Baumaßnahmen im angemieteten 1.Obergeschoss, wo besonders der alte Pfarrsaal zu einem kleinen Museum und Empfangsraum für die vielen Wandergäste des Schiefergrubenwanderwegs umgestaltet wurde. Nahezu 10.000 Euro steckte der Verein zwischen 2011 und 2015 in den Ausbau und die Gestaltung der Räumlichkeiten. Neben einer multimedialen Ausstattung zur Präsentation von Filmen und Vorträgen wurde die Archivierung alter Akten, Landkarten, Grubenpläne, Chroniken der Schieferregion, Presseberichte der vergangenen zwei Jahrhunderte, Ortsfamilienbücher, sowie Vereinschroniken in den Vordergrund gestellt. Das Kulturzentrum Schieferregion beherbergt so „Das Gedächtnis der Schieferregion Kaulenbachtal“, wie es der Vorsitzende des Schiefervereins, Dieter Laux bezeichnet. Bestreben des Vereins war und ist es, mit dem Kulturzentrum Schieferregion einen zentralen Treff- und Anlaufpunkt für die Bürger und Gäste der Region zu installieren. Im Jahre 2014 erfährt man dann aber erstmalig von Plänen des Bistums Trier, das alte Pfarrhaus in Müllenbach zum Verkauf zu stellen. Ein Schock für die Mitglieder des Schiefervereins, die so viel Herzblut und viele hundert Arbeitsstunden in den Aufbau des Kulturzentrums gesteckt hatten. Der Vorstand war bemüht in vielen Gesprächen mit den Kirchenvertretern den Verkauf des Gebäudes abzuwenden, da eine anderweitige Unterbringung der vielen gesammelten Ausstellungsstücke und Archivalien, also ein neues Vereinsheim, nicht zur Verfügung stand. Letztendlich konnte der geplante Verkauf durch Erhöhung der monatlichen Mietzahlungen vorerst verhindert werden. Die Ruhe sollte jedoch nicht lange währen. Im Jahre 2017 stand der Verkauf des Gebäudes abermals zur Debatte und der Vereinsvorstand sah sich wieder in der Situation über kurz oder lang vielleicht auf der Straße zu sitzen. Der Mietvertrag war bis zum 31.12.2017 befristet, was einen immensen Handlungsdruck erzeugte. Wieder wurden viele Gespräche und Verhandlungen geführt, Alternativmöglichkeiten der Unterbringung gesucht, Ortsbürgermeister und Gemeinderäte bis hin zum VG-Bürgermeister in den Findungsprozess eingebunden. Die Intervention der Ortsgemeinden Müllenbach, Laubach und Leienkaul in Verbindung mit der Verbandsgemeinde Kaisersesch, mit dem Ziel ggf. mit Fördergeldern eine Lösung zur Erhaltung des Pfarrhauses als Kulturzentrum Schieferregion zu finden, sorgte für eine weitere vorübergehende Verlängerung des Mietvertrages. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Verlängerung trugen auch die Gremien des Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrates St. Hubertus, die sich gleichfalls für eine Lösung im Sinne des Schiefervereins aussprachen. Die Verlängerung des Mietvertrages lief jedoch unter der gleichzeitig laufenden Ausschreibung des Gebäudes auf dem Immobilienmarkt. Interessenten besuchten zwischenzeitlich immer wieder das Gebäude zu einer Besichtigung, erkannten aber wohl, welche Bedeutung das Haus für die Region hat, meldeten sich nach der Besichtigung nicht mehr oder sagten ab. Mitte des Jahres 2018, die Anrainergemeinden des Kaulenbachtals hatten sich zwischenzeitlich in einer beispielgebenden interkommunalen Zusammenarbeit für ein gemeinsames Angebot zum Kauf des Pfarrhauses in Müllenbach vereinbart, erlebten jedoch mit der Ablehnung ihrer Offerte durch das Bistum Trier einen herben Rückschlag in ihren Bemühungen. Wieder sprachen sich im Nachgang der Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat der Kirchengemeinde für den Kauf durch die Ortsgemeinden in Verbindung mit dem Schieferverein aus, jedoch blieben die Entscheidungsgremien in Trier bei ihrer Haltung. Der Vereinsvorstand versuchte mit einem Brief an den Landrat auch dessen Befürwortung für den Kauf durch die Ortsgemeinden zu erreichen. Ein Schreiben des Landrates an das Bistum Trier, mit der Bitte das Angebot der drei Ortsgemeinden im Hinblick auf die kulturhistorische Bedeutung der Aktivitäten des Schiefervereins, positiv zu betrachten, führte gleichfalls zu keiner Veränderung. Das Bistum wies auf die Entscheidungsfreiheit des zuständigen kirchlichen Verwaltungsgremiums hin. Zu Beginn des Jahres 2020 teilte dann der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Kirchengemeinde St. Hubertus Müllenbach-Laubach, Herbert Brück mit, dass nach nochmaliger Rücksprache mit dem Bistum nunmehr folgende Regelung gefunden werden konnte. Das Pfarrhaus solle im Jahre 2020 insgesamt drei Mal, quartalsmäßig, im lokalen Amtsblatt der VG Kaisersesch zum Verkauf ausgeschrieben werden. Fände sich nach Ablauf dieser Ausschreibung kein Käufer, werde das Bistum auf das Angebot der Ortsgemeinden aus dem Jahre 2018 eingehen. Die Freude war groß, als nach Ablauf der Ausschreibungen kein weiterer Interessent gefunden werden konnte. Die Absprache der Ortsgemeinden mit den zuständigen Verwaltungsbereichen und abschließend mit der Kommunalaufsicht führte dann zu Beginn des Jahres 2021 zur endgültigen Bestätigung des Kaufes durch die Ortsgemeinden Müllenbach, Laubach und Leienkaul in Verbindung mit dem Schieferverein. In den Amtsräumen von Notar Schäfer in Cochem wurde der Kaufvertrag von allen Beteiligten unterzeichnet. Die Kirchengemeinde Müllenbach-Laubach erhält für die Dauer von zehn Jahren ein Mitnutzungsrecht für zwei kleinere Räume plus Toilettenanlage, was preismindernd wirkte. Die Ortsgemeinden, welche mit jeweils 20.000 Euro (Müllenbach und Laubach) und 10.000 Euro (Leienkaul) im Rahmen der ihnen genehmigten Ausgaben den Kauf bezuschussen, erhalten gemäß Vertrag eine Sicherungshypothek für den Zeitraum von 99 Jahren. Die Nutzung des Gebäudes zur „Archivierung der Orts- Kirchen- und Schieferbergbaugeschichte sowie zur musealen Ausstellung“ bleibt zwingend vorgeschrieben. Zur offiziellen Schlüsselübergabe traf man sich vor kurzem im Kulturzentrum Schieferregion. Vereinsvorsitzender Dieter Laux dankte in seiner Ansprache nochmals allen Beteiligten, insbesondere den Ortsbürgermeistern Andreas Klotz (Mü.), Manfred Adams (Lau.) und Burkhard Klinkner (Lei.) für ihr Engagement welches sie anlässlich der langwierigen Kaufverhandlungen zeigten. Sein Dank ging jedoch auch an die ebenfalls anwesenden Vertreter des Pfarr- und Verwaltungsrates, die sich im Verlauf der Verhandlungen immer wieder positiv für den Erwerb des Gebäudes durch den Verein und die Gemeinden ausgesprochen hatten. Das Kulturzentrum, so versprach Laux, wird in den kommenden Monaten und Jahren in seiner Funktion als zentraler Anlaufpunkt für Kultur und Geschichte in der Schieferregion Kaulenbachtal weiter ausgebaut. Eine energieeffiziente Renovierung steht an und viele weitere Ideen sollen umgesetzt werden. Die Bürger der Region sind eingeladen, ihren zentralen Anlaufpunkt rege zu unterstützen. Die vom Verein in regelmäßigen Abständen angebotenen „Bürgerabende“ für eine gemeinsame soziale Kommunikation zu nutzen und damit den großen Zusammenhalt und die Identifikation mit ihrer Heimat und ihrer Geschichte auch nach außen zu tragen.

www.schieferverein.de

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