Verbandsgemeinde Bad Ems lud zu einer Informationsveranstaltung ein
Ohne Ehrenamtler geht beim Thema Flüchtlinge auf Dauer gar nichts
Bekleidungsraum wird eingerichtet - Paten für Familien gesucht - Stärkere Einbindung von Vereinen
Bad Ems. Zu einer Informationsveranstaltung „Integration von Flüchtlingsfamilien“ hatte die Verbandsgemeinde Bad Ems Vereine und interessierte Bürger in der vergangenen Woche in den Sitzungssaal des Rathauses eingeladen. „Die Aufnahme von Flüchtlingen verläuft derzeit absolut reibungslos. Das auch, weil für die zurzeit etwa 160 Flüchtlinge ausreichend Wohnungen auf dem freien Markt gefunden werden konnten“, sagte Bürgermeister Josef Oster zur Begrüßung im bis auf den letzten Platz gefüllten Sitzungssaal. „Mit dieser dezentralen Unterbringung ist ein wichtiger Schritt zur Aufnahme und Integration gelungen. Jetzt sind wir auch auf ihre Hilfe angewiesen.“
Oster und die Mitarbeiter des Sozialamtes rechnen damit, dass nun monatlich etwa 20 weitere Flüchtlinge in die Verbandsgemeinde kommen, darauf bereite sich die Verwaltung derzeit vor. Bis zum Jahresende werden also rund 200 Flüchtlinge in Bad Ems und den Ortsgemeinden leben. Zurzeit werde ein Netzwerk aus ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern aufgebaut, das für eine reibungslose Integration von Flüchtlingen sorgen soll, der Nieverner Jürgen Zanger ist dazu als nebenberuflicher Koordinator von der Verbandsgemeinde angestellt. Zanger griff zunächst die Themen Netzwerk und Patenschaften auf. „Wir müssen es schaffen, durch den Aufbau eines Netzwerkes die Arbeit zu erleichtern“, beschrieb Zanger, der selbst als Pate für Flüchtlingsfamilien einschlägige Erfahrungen gesammelt hat, einen ersten Ansatz. Sprachkurse seien ein ganz wichtiges Element: „Und zwar, bevor der Asylantrag durch ist. Je eher man damit anfangen kann, desto leichter gelingt später eine Integration. Außerdem wollen die Flüchtlinge lernen.“
Bekleidungsraum steht allen Bedürftigen offen
Außerdem konnte im ehemaligen Schulpavillon an der Feuerwehr ein Bekleidungsraum für alle Bedürftigen eingerichtet und die ersten Mitarbeiter gewonnen werden. „Dies ist keine Einrichtung nur für Flüchtlinge, sondern für alle Bedürftigen“, unterstrichen Zanger und Oster. „Wir haben uns dabei auch ganz bewusst für den Begriff Bekleidungsraum entschieden, der sonst übliche Begriff ,Kammer‘ klingt so düster“, so Zanger. Aus Platzgründen ist zunächst auch nicht daran gedacht, Möbel und Einrichtungsgegenstände zu sammeln, man will sich voll auf den Bereich Bekleidung konzentrieren.
Eine ganz wichtige Aufgabe sei aber auch weiterhin das Beschaffen von Wohnraum. „Zurzeit haben wir noch genug Wohnungen, aber angesichts der Zahlen kann eine Reserve nicht schaden“, so Osters Einchätzung. Deshalb der Aufruf, freien Wohnraum auch in den Ortsgemeinden an das Sozialamt zu melden.
Paten sollen im örtlichen Alltag unterstützen
Was auf Paten, die die Betreuung einer Flüchtlingsfamilie übernehmen, in der ersten Zeit zukommen könne, berichtete Zanger dann, ergänzt durch weitere Paten, aus eigener Erfahrung. Das Netzwerk und Leitfäden für Paten sollen dieses Ehrenamt in naher Zukunft erleichtern. So geht es zunächst einmal nur darum, örtliche Gegebenheiten zu zeigen. Wo wird eingekauft? Wo ist ein Arzt? Von wo fahren Bus und Bahn? Aber auch ein Arztbesuch muss vorbereitet werden: Je nach Glaubenszugehörigkeit muss im Vorfeld auch schon einmal geklärt werden, ob eine Untersuchung durch einen Mann oder eine Frau erfolgen darf. Auch beim Einrichten eines Bankkontos brauchten die Flüchtlinge Hilfe, mit dem sogenannten Duldungsausweis sei dies aber bei Bad Emser Banken kein Problem.
Internet ist einzige Verbindung zu Angehörigen in der Heimat
Besondere Bedeutung komme dem Einrichten einer Internetflatrate zu, so Zanger. „Das Internet ist die einzige Verbindung zu den Angehörigen in der Heimat. Das wird sehr rege genutzt.“ Gerade in der Anfangszeit seien aber vor allem die Vereine für Flüchtlinge wertvoll, sie seien deshalb ideal für Patenschaften. „In den Vereinen findet sich immer schnell mal ein Fachmann, wenn irgendetwas zu reparieren oder zu erledigen ist. Vor allem in den Sportvereinen lernen Flüchtlinge aber auch sehr schnell Regeln des Miteinanders und die deutsche Sprache“, so Zanger.
Die Möglichkeiten zu helfen sind vielfältig
Wer Interesse hat zu helfen, kann sich gern als Pate für Flüchtlingsfamilien bei der Verbandsgemeindeverwaltung melden. Dort wird auch noch die Spendenannahme koordiniert, bis der Bekleidungsraum ins Laufen gekommen ist. Zurzeit werden besonders für Flüchtlingskinder Bekleidung, Spielsachen, aber auch Kinderfahrräder und Schulranzen gesucht. Von den 160 Flüchtlingen, die derzeit in der Verbandsgemeinde leben, sind nämlich 40 Kinder und Jugendliche. Davon sind 15 im Kindergartenalter, neun Kinder sind zwischen sechs und zehn Jahren alt und 16 könnten beziehungsweise werden auf weiterführende Schulen gehen.
Interessenten für Patenschaften, Vermieter von freien Wohnungen oder potenzielle Spender wenden sich per E-Mail an soziales@bad-ems. de oder unter Tel. (0 26 03) 79 31 38 an Oliver Tiwi, der bei der Verbandsgemeindeverwaltung hauptamtlich für die Flüchtlinge zuständig ist. Tiwi beantwortet gerne auch andere Fragen und Anregungen im Zusammenhang mit den Flüchtlingen. / Willi Willig
