„50. Jahre Radio Andernach“: Feierstunde im historischen Rathaus
Partnerschaft zwischen der Stadt Andernach und der Bundeswehr erneuert und im Rahmen eines Empfangs gewürdigt
Andernach. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von „Radio Andernach“ wurde die historisch besondere Partnerschaft zwischen der Stadt Andernach und der Bundeswehr erneuert und im Rahmen eines Empfangs im historischen Ratssaal gewürdigt. Zu der festlichen Veranstaltung waren zahlreiche Gäste der Stadt Andernach sowie Vertreterinnen und Vertreter der Bundeswehr geladen, die gemeinsam auf 50 Jahre Radio Andernach blickten. Unter den Ehrengästen befanden sich der Oberbürgermeister der Stadt Andernach, Christian Greiner sowie Kommandeur des Zentrums Operative Kommunikation, Oberst Dr. Ferdi Akaltin. Musikalisch wurde die Feierstunde von einem Blechbläserensemble des Heeresmusikcorps 300 aus Koblenz untermalt. Christian Greiner hielt zu Beginn der Feierlichkeiten eine Ansprache, in der er die Bedeutung von „Radio Andernach“ für die lokale Gemeinschaft hervorhob. „´Radio Andernach´ ist nicht nur ein wichtiger Informationssender und eine Brücke zwischen Einsatz und Heimat. Wir in Andernach sind sehr stolz, dass dieses Aushängeschild seit 50 Jahren den Namen unserer Stadt trägt“, betonte er. Auch Zeitzeugen berichteten aus den Anfängen von „Radio Andernach“ und der Entwicklung bis heute.
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die feierliche Unterzeichnung einer neuen Partnerschaftsurkunde zwischen der Stadtverwaltung Andernach und der Bundeswehr. Diese Urkunde symbolisiert die enge Zusammenarbeit und das gegenseitige Engagement beider Institutionen für die Region. Oberst Dr. Ferdi Akaltin, lobte die langjährige Kooperation und die wertvolle Unterstützung, die „Radio Andernach“ der Bundeswehr und der Gemeinschaft bietet. „Die Patenschaft, die die Stadt Andernach seit 2003 mit ´Radio Andernach´ pflegt, bekräftigen wir heute mit dieser Feierstunde. Sie soll Teil eines breiten Fundamentes der Anerkennung unserer Streitkräfte in der Gesellschaft sein“, sagte Christian Greiner während der Übergabe der Urkunde.
„Radio Andernach“ –die Stimme aus der Heimat im Wandel der Zeit
Seit 1974 leistet die Truppe für Operative Kommunikation und ihre Vorgängerorganisationen einen wichtigen Beitrag zur Betreuung deutscher Soldatinnen und Soldaten im Ausland. Gerade in der aktuellen Zeit mit Fake News und hybrider Kriegsführung ist Truppeninformation noch wichtiger als zuvor. Die technischen Möglichkeiten und Erfordernisse der Zeit waren dabei im stetigen Wandel: Was vor 50 Jahren mit einer wöchentlichen Audiokassette begann, ist längst ein 24/7-Vollprogramm mit App und Stream samt dem eigenen Fernsehsender BWTV geworden.
1974 beginnt die Arbeit des Radiosenders
Alles begann mit einer politischen Zeitenwende: 1974 standen im Kalten Krieg die Zeichen zwischen West und Ost auf Entspannung, die Bundesrepublik hatte die Informationsaktivtäten ihrer PSV-Tuppe in die DDR hinein eingestellt. Diese Aufgabe hatte bisher unter anderem das PSV-Sendebataillon 1 in Andernach durchgeführt, das nun einen neuen Nebenauftrag bekam: Neben der Vorbereitung für die Beeinflussung der Soldaten des Warschauers Pakts im Verteidigungsfall sollten nun die deutschen Soldaten im Ausland betreut werden.
Erste Zielgruppe waren die Luftwaffensoldaten im texanischen El Paso, später kamen auch die Standorte Huntsville im US-Bundesstaat Alabama und Decimomannu auf der italienischen Insel Sardinien sowie diverse Attaché-Stäbe hinzu. Inhaltlich war es bunt: Die Hörer wurden wöchentlich eine halbe Stunde über die Entwicklungen in der Heimat informiert, dabei ging es viel um Mode und Musik. Ausgestrahlt wurde das Programm auf lokalen zivilen Sendern, aber erst nach Freigabe durch das Verteidigungsministerium. Später wurde der Auftrag geteilt: Neben den Beiträgen aus Andernach gab es auch Sendungen unter dem Titel „Radio Oberharz“ vom Schwesterbataillon aus Clausthal-Zellerfeld.
Woher kommt derName „Radio Andernach“?
Von Anfang an wurden die Kassetten für El Paso unter den Namen „Radio Andernach“ verschickt, benannt nach dem Standort des Bataillons. Der Name blieb hängen und wurde später auch beibehalten, als die Rundfunkkompanie nach Mayen umzog.
Der erste große Auslandseinsatz in Somalia 1993
1993 kam für „Radio Andernach“ die erste Zäsur: Der Kalte Krieg war vorbei, die PSV-Truppe inzwischen zur Truppe für Operative Information (OpInfo) zusammengeschrumpft und die Bundeswehr war in Somalia in ihrem ersten großen Auslandseinsatz. Der OpInfo-Zug in Somalia sorgte neben seinem eigentlichen Auftrag dafür, dass im Feldlager in Belet Huen nicht nur die Kassetten aus der Heimat ausgespielt, sondern mit Material der Deutschen Welle auch ein eigener Lagerfunk live gesendet wurde. Den deutschen Soldaten, die weit weg von der Heimat waren, überbrachten sie Informationen von zu Hause und Grüße der Angehörigen.
Eigene Einheit für das Einsatzradio
Dieses Konzept kam so gut an, dass es weiterentwickelt, wurde: In den folgenden Auslandseinsätzen auf dem Balkan stellte der inzwischen in OpInfo-Bataillon 950 umbenannte Verband aus Andernach feste Teams, die unter dem Namen „Radio Andernach“ nun dauerhaft live unter anderem aus Trogir, Sarajevo und Prizren sendeten. Im Jahr 2002 wurde der Betrieb professionalisiert, „Radio Andernach“ war nun nicht mehr der Nebenauftrag der Rundfunkkompanie, sondern am neuen Zentrum Operative Information in Mayen wurde mit dem Dezernat Betreuungsradio eine eigene Einheit für das „Einsatzradio“ aufgestellt.
Brücke aus der Heimat in den Einsatz
Die folgenden Jahre waren geprägt von den Einsätzen im Kosovo und Afghanistan. Bis 2017 war „Radio Andernach“ mit einer Einsatzredaktion in Prizren, bis 2020 in Masar-i Scharif. Der Soldatensender ist eine wichtige Einrichtung in den Einsatzgebieten, als Brücke aus der Heimat in den Einsatz stellt er die Verbindung zwischen den Soldatinnen und Soldaten im Ausland und ihren Angehörigen zu Hause her. Die in Hochzeiten über zehntausend Grüße im Jahr zeigen, dass trotz immer besser werdender Kommunikationsmöglichkeiten dieses Angebot eine wichtige emotionale Stütze für die Hörer ist.
Auch heute werden noch über 2.000 Grüße im Jahr gespielt und das trotz inzwischen guter Internetverbindungen in den Einsatzgebieten. Neben der Truppenbetreuung durch Musik, unterhaltsame Themen und die ein oder andere Lagerfeier ist natürlich auch die Truppeninformation ein wichtiger Bestandteil des Angebots: Wer monatelang fern der Heimat ist, benötigt einen verlässlichen Kanal, der ihn über alle Entwicklungen zu Hause informiert.
Lokale Themen aus dem Feldlager
Wichtiger Bestandteil des Programms der Einsatzredaktionen waren natürlich immer auch die lokalen Themen aus dem Feldlager. Nur wenn die Radioredakteurinnen und -redakteure wirklich dauerhaft mit vor Ort sind und die gleichen Entbehrungen wie die der Einsatzsoldatinnen und -soldaten erleben, können sie ein genau auf die Zielgruppe abgestimmtes Programm erstellen. Und viele Themen, welche die Hörer interessieren, lassen sich eben auch nur vor Ort recherchieren.
2014 kommt TV-Angebot dazu
Neben „Radio Andernach“ bekam die inzwischen zu Dezernat Betreuungsmedien umbenannte Einheit im Jahr 2014 einen weiteren Auftrag: Mit BWTV werden deutschsprachige Fernsehinhalte in die Einsatzgebiete übertragen. Von der ursprünglichen Idee, einfach nur Filme, Dokus und Serien zu spielen, ist das heutige Angebot inzwischen weit entfernt. Vor allem attraktive Live-Sportangebote, wie die Übertragung von Bundesliga, Champions League und Formel 1 sorgen für positives Feedback und Ablenkung vom Einsatzalltag. Außerdem stellt BWTV auch eine Mediathek bereit, sodass sich die Soldatinnen und Soldaten im Einsatz Filme und Serien auf ihren eigenen Endgeräten on demand abrufen können.
Vom Einsatzradio zum Radio für die gesamte Bundeswehr
Heute hat sich das Angebot und die Zielgruppe von „Radio Andernach“ weiter gewandelt. Mit der Freigabe des Programms für alle Angehörigen des Geschäftsbereichs des Verteidigungsministeriums und der Verbreitung im Inland über interne Medien wie Ynside und App, befindet man sich mitten in der Transformation vom Einsatzradio zu einem Betreuungsradio für die gesamte Bundeswehr. Hier müssen jedoch noch einige Schritte getan werden.
Nach Ende des Mali-Einsatzes ist „Radio Andernach“ aktuell nicht mehr dauerhaft mit einer Redaktion in einem Einsatzland vertreten. Diese Lücke wird mehr schlecht als recht durch Korrespondentenreisen geschlossen. Für die sich in Aufstellung befindliche Brigade Litauen fordert das Ministerium aktuell eine dauerhafte Berichterstattung mit großem lokalem Bezug und einem Regionalstudio vor Ort. Hier sind die Details und der tatsächliche Personalumfang gerade in der Klärung.
Klar ist auf jeden Fall: Neben der wichtigen Betreuung der Soldatinnen und Soldaten sowie deren Familien, egal ob im In- oder Ausland, sind verlässliche Informationen ein hohes Gut. Potenzielle Gegner werden Fake News und Gerüchte nutzen, um für Verwirrung und Unruhe in der Truppe zu sorgen. „Radio Andernach“ bietet der militärischen Führung einen etablierten Kanal, mit dem auch im Falle der Landes- und Bündnisverteidigung die Truppe schnell erreicht und mit eigenen Informationen versorgt werden kann. WAM
Oberbürgermeister Christian Greiner begrüßte zahlreiche Gäste.
Mit aufnahmen auf Cassetten fing alles an.
Blechbläser der Heeresmusikcorps 300 untermalten das Programm.
Die Partnerschaftsurkunde wurde unterzeichnet.
