St. Thomas Realschule plus geht mit der ProAG neue Wege
Persönliche Erfahrungen ermöglichen Ausbildungsplatzgarantie
Drei Schüler konnten in einer Feierstunde Ende Dezember einen Ausbildungsvertrag unterschreiben
Andernach. Neue Wege – neue Aussichten: Die St. Thomas Realschule plus konnte im Zuge ihres Projekts „Praxistagorientierte Ausbildungsplatzgarantie (ProAG)“ erste Erfolge erzielen. Im Rahmen ihrer Berufsorientierungsmaßnahme, mit der Schülerinnen und Schüler verstärkt in Ausbildungsverhältnisse gebracht werden sollen, konnten einige Jugendliche in Betriebspraktika durch ihre Leistungen überzeugen und dürfen sich nun über Ausbildungsverträge freuen. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern des Projekts, der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, der Industrie- und Handelskammer und der Stadt Andernach, wurden Ende Dezember die Ausbildungsverträge von drei jungen Männern im Rahmen einer Feierstunde im Historischen Rathaus unterzeichnet.
Oberbürgermeister Achim Hütten und Martin Leupold, Schulleiter der St. Thomas Realschule plus, konnten neben den künftigen Auszubildenden, deren Erziehungsberechtigten sowie den Ausbildern, zahlreiche weitere Gäste begrüßen, darunter die Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil (CDU), der Landtagsabgeordnete Marc Ruland (SPD) und Vertreter der Kooperationspartner und der Schule. Leupold berichtete, wie es zu der ProAG an seiner Schule kam. „Warum soll das nicht auch in Andernach funktionieren“, habe er sich gefragt, als er ein solches Projekt in seiner nordrhein-westfälischen Heimatstadt Meckenheim kennenlernte. Seit 2012 zielte er daher auf eine Umsetzung dieser Idee in Andernach. Am Anfang sei er noch auf Skepsis gestoßen bei der Suche nach geeigneten Kooperationspartnern, doch zwei Jahre später habe die St- Thomas Realschule plus dann einen Probelauf mit Realschülern und der thyssenkrupp Rasselstein GmbH erfolgreich abschließen können. Inzwischen hätten sich auch weitere rheinland-pfälzische Hauptschulen (Niederzissen, Bingen) für das Modell entschieden.
Missstände nicht schöngeredet, sondern den Hebel angesetzt
Es ist Fakt: Hauptschüler haben schlechte Chancen auf eine Ausbildung. Eine Studie ergab, dass Ausschreibungen für viele Ausbildungsplätze bereits so formuliert sind, dass Hauptschüler ausgeschlossen werden, auch wenn ihr Abschluss eigentlich für den Beruf ausreicht. Zudem zeigt eine Analyse des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), dass ausbildungsreifen Hauptschülern rund 60 Prozent der eigentlich zahlreichen offenen Stellen der Lehrstellenbörse verschlossen bleiben.
Um diesem Problem entgegenzuwirken, bietet die St. Thomas Realschule plus daher, bereits eine geraume Zeit vor dem Schulabschluss, Berufsorientierungsveranstaltungen, Orientierungspraktika, Workshops in Unternehmen, Besichtigungen, Berufstest und schulinterne Fortbildungen an. Und, da bekanntlich Noten weniger über die Arbeits-Qualität eines Menschen aussagen, als das persönliche Kennenlernen, sieht die Ausbildungsplatzgarantie ProAG der St. Thomas Realschule plus Andernach außerdem vor, dass die Schüler ab der zweiten Hälfte der achten Klasse für ein Jahr an jeweils an einem Schultag in der Woche ein Praktikum in einem Kooperationsbetrieb absolvieren. Ein solcher Betrieb ist auch bereit, einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen. Nach sechs Monaten können die Praktikanten dann eine Ausbildungsplatzgarantie unterschreiben, wenn sie mindestens befriedigende Noten in den Hauptfächern vorweisen und ihre Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt haben. So können am Ende der 9. Klasse deutlich mehr junge Menschen ihre Schule mit einem Ausbildungsvertrag verlassen.
Der Grundstein für eine sichere Existenz ist gesetzt
Der ProAG-Ausbildungsvertrag sieht außer dem Auszubildenden, dessen Erziehungsberechtigten sowie dem Ausbildungsbetrieb fünf weitere zustimmende Unterzeichner vor: die St. Thomas Realschule plus, die Stadt Andernach, die Agentur für Arbeit Andernach, das Job-Center Mayen-Koblenz und die IHK Mayen-Koblenz. Einen Ausbildungsplatz haben nun „sicher in der Tasche“: Justin Kniss, der bei dem Elektrobetrieb Josef Müller Söhne GmbH (Andernach) zum Elektroniker ausgebildet wird, Wladsilaw Ladiewskij, der den Weg des Fachlageristen beschreitet (Hürlimann Stahlhandel GmbH & Co. KG, Andernach) und Abdulhannan Muhamad, der bei „Haarkunst bei Guido“ (Kruft), das Friseurhandwerk erlernt.
Mit ihrer Teilnahme am Projekt ProAG können Betriebe auch ihrem, vielbeklagten, Fachkräftemangel entgegenwirken. Die klassischen Wege zur Nachwuchsfindung wie Stellenanzeigen, Ausbildungsmessen, Schülerpraktika wurden durch die Praxistagorientierte Ausbildungsplatzgarantie wirkungsvoll ergänzt.
