Vortrag zum Thema „Jüdisches Leben in Müllenbach“ lässt Pfadfinder Details zur Judenverfolgung im dritten Reich erfahren
Pfadfinderstamm ergriffen von der Geschichte der jüdischen Familie Mayer
Müllenbach. Etwa 30 Pfadfinder des Stammes Carpe Diem Müllenbach-Laubach ließen sich unlängst im Kulturzentrum Schieferregion in Müllenbach detaillierte Informationen zur Judenverfolgung im dritten Reich und zur Geschichte der jüdischen Mitbürger im eigenen Heimatort vermitteln.
Wichtiger Vortrag
Für Stammesleiter Hans Schumann ein wichtiger Vortrag, der seinen Stammesmitgliedern einen tiefen Einblick in die menschenverachtende Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 gab und ihnen damit die Möglichkeit eröffnete, die Aussagen vieler rechtsgerichteter Agitatoren der heutigen Zeit zu bewerten. Referent Dieter Laux, Vorsitzender des örtlichen Vereins zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte und gleichzeitig Chronist der Ortsgeschichte, konnte den Zuhörern in seinem etwa zweistündigen Vortrag tiefe Einblicke in die von ihm seit etwa 20 Jahren zusammengetragenen Informationen, Recherchen, Zeitzeugenberichte und Fotos der Familie Mayer geben.
Angesehene Familie
So erfuhren die Pfadfinder, dass Moses und Emanuel Mayer mit ihren Familien bis Anfang der Dreißigerjahre des letzten Jahrhunderts als Metzger und Viehhändler im Ort etabliert waren und niemand etwas gegen die beiden Familien einzuwenden hatte. Im Gegenteil, als Nachbarn, Vereinsmitglieder, Schulkameraden und Mitbürger hatten sie viele Freunde im Ort. Beide Männer hatten sich im Ersten Weltkrieg für ihr Land eingesetzt, und Moses war mit dem Eisernen Kreuz für seine Verdienste im Einsatz für das Vaterland ausgezeichnet und anerkannt. Mit Beginn der judenfeindlichen Stimmungsmache der Nationalsozialisten begann auch für die Mayers eine unsichere Zeit. Schon früh versuchte man die Kinder der Familie mit Hilfe von Rebecka, der Schwester von Emanuel und Moses, die schon Anfang des Jahrhunderts mit ihrem Ehemann Leopold Felsenthal nach Amerika ausgewandert war, in die USA emigrieren zu lassen.
Einige schafften die Emigration
Die beiden Kinder von Emanuel schafften die Emigration frühzeitig. Nur drei der sechs Kinder von Moses konnten ebenfalls emigrieren, zwei Mädchen waren später nach Binningen verheiratet und lebten dort mit ihren Familien. Der jüngste Sohn, Julius, war noch zu Hause bei den Eltern. Noch im Jahre 1941 schafften Moses und seine Frau Sophia ebenfalls die Emigration über Genua nach New York. Der Sohn Julius verblieb bei Onkel und Tante und sollte später den Eltern folgen, sobald diese Fuß gefasst hätten in New York, ihrem Emigrationsziel. Die Situation in Deutschland wurde jedoch immer schwieriger für die Bürger jüdischen Glaubens. 1942 gab es keine Möglichkeit mehr, das Land zu verlassen. Am 30. April 1942 mussten sich alle hier verbliebenen Juden an der Molkerei in Kaisersesch zur Deportation in den Osten einfinden.
Deportation in die Vernichtungslager
Von hier ging die Fahrt in die Vernichtungslager in Polen. Emanuel, seine Ehefrau Johanna, Neffe Julius und dessen beiden Schwestern Else und Lilly, die wie schon erwähnt nach Binningen verheiratet waren, waren Teil des unmenschlichen Transports. Ihr letztes Ziel war das Ghetto im polnischen Izbica, von hier wurden die Juden den nahen Vernichtungslagern zugeführt. Dieter Laux ließ seine Zuhörer die Leidensgeschichte der jüdischen Mitbürger hautnah miterleben. Die Ruhe im Saal und die nachdenklichen Gesichter vermittelten dem Referenten die Betroffenheit der Zuhörer angesichts der schonungslosen Details innerhalb des Vortrags, der durch viele Fotos unterstützt wurde. Schumann bedankte sich bei dem Referenten für den gelungenen Vortrag, der seinen Stammesmitgliedern die Geschichte der Müllenbacher Juden in Verbindung mit dem „Größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte – dem Holocaust“ vermittelte. „Sie werden die die Agitationen, der rechtsorientierten Parteien, die heute sogar im Bundestag sitzen, neu zu bewerten wissen. Der Vortrag hat dazu beigetragen das ´Nie wieder` in den Köpfen der Jugendlichen zu manifestieren“.
