Grandiose Uraufführung des Westerwälder Märchens „Der alte Eichbaum“
Phantasievoll, lebensfroh und tiefsinnig
Die Erzählungen ließen Zuschauer wie Akteure bewegt zurück
Höhr-Grenzhausen. Manche Berichte brauchen etwas mehr Zeit. Dem Westerwälder Dichter und Denker Dietmar Gerharz standen sichtbare Spuren der Rührung und der Freude über die gelungene Aufführung in Höhr-Grenzhausen seines Märchens für Menschen von 8 bis 80 Jahren im Gesicht geschrieben. Strukturiert und fein inszeniert durch die Regie von Markus Fischer, sonor und stimmlich kraftvoll in Szene gesetzt durch Schauspieler Bernd Bittner und wundervoll dargeboten und interpretiert durch Michael Specht waren sich am Ende des Märchens alle einig, hier war etwas ganz Besonderes entstanden. Im vollbesetzten Saal des „Till Eulenspiegel“ wurde die Geschichte des alten Eichbaumes, der so vielen Lebewesen Schutz und Unterkunft bietet in lebendigen Geschichten in fabelhafter Form in 15 Episoden und zwei Akten erzählt und musikalisch interpretiert.
So phantasievoll und lebensfroh und doch tiefsinnig spielten die Geschichten, begleitet von Zeichnungen und Skizzen des Schreibers, rund um die Tierwelt des Rundblick Uhus, der narzisstisch, launischen Diva Nachtigall, dem schlitzohrigen Fuchs oder der naiven Taube Frieda Friede, die am Ende immer wieder darauf abzielten das Gute und Sinnvolle der Welt in Form des abschließenden Satzes darzubieten: „ ...und schaut man zu dem Dorf dem fernen, Menschen könnten hier was lernen!“.
Faszinierend war die Aktualität des Stoffes Gerharz, gerade in Zeiten des steigenden Umweltbewusstseins und der Auseinandersetzung mit ökologischen Fragen, ohne jedoch dogmatisch und ideologisch zu werden. Die Geschichten schlossen immer wieder den Kreis der unabdingbaren Notwendigkeit des gemeinsamen Miteinanders, aber stellten auch die Wichtigkeit des individuellen Individuums jedes einzelnen Lebewesens dar. Gefühlvolle und tiefsinnige Ideen wurden genial leicht vom konzentrierten Publikum aufgenommen und am Ende mit stehendem Applaus honoriert. Es blieben Bilder im Kopf, die die Welt ein kleines bisschen besser machen könnten. Und das ist gerade in der heutigen Zeit so wertvoll. Und doch war jederzeit Humor und Leichtigkeit im Saal gegenwärtig. Auf die Frage ob er mit der Aufführung seines Textes zufrieden sei, antwortete der Dichter: „Vor Ihnen steht ein glücklicher Mensch und wenn ich mich so umschaue geht das allen so!“ Schöner ist die Uraufführung sicher nicht in Worte zu fassen. Lediglich ein Kritikpunkt stand zur Debatte: Es gab nichts zu kritisieren.
Ein Märchen, das förmlich nach Wiederholung schreit.
