Meckenheim will für Unterkunft und Beschulung sorgen
Platz für geflüchtete Familien
Kapazitäten begrenzt
Meckenheim. Besonders für Kinder ist es schwierig, wenn sie durch einen Krieg aus ihrem Alltag gerissen werden und in ein fremdes Land auswandern müssen, dessen Sprache sie nicht kennen. So geht es zurzeit den in Meckenheim angekommenen ukrainischen Flüchtlingskindern. Die Stadt Meckenheim, die Gemeinschaftsgrundschule Merl und die Hauptschule haben sich zusammengetan, um den jungen Menschen hier einen Schulbesuch zu ermöglichen. Während Anfang April noch neun Geflüchtete beschult wurden, waren für die Folgewoche bereits sechs weitere Kinder angekündigt.
Mehr als drei Kinder pro Klasse könne man kaum integrieren, hieß es bei einer Information im Rathaus. So sei die Kapazität in der Gemeinschaftsgrundschule in Merl auf 24 Kinder begrenzt. Die Schulleiterin Barbara Bienentreu wertete die vielen Nationalitäten an ihrer Schule in der aktuellen Situation als großen Vorteil. „Die Kinder sind sehr hilfsbereit“, sagte sie. So helfen russisch sprechende Kinder sehr gerne den ukrainischen Kindern im Grundschulalter, sich im Schulalltag zurechtzufinden.
Für die älteren Kinder ist die erste Anlaufstelle in Meckenheim die Hauptschule. In Meckenheim habe man den Glücksfall, dass es unter den geflüchteten Familien einige ukrainische Lehrerinnen gebe, sagte Bürgermeister Holger Jung. So leite aktuell die in ihrer Heimat an einer Schule mit deutschem Schwerpunkt tätige Helena Tomko den Unterricht im Kulturhaus Mosaik. Weil man weitere ukrainische Lehrerinnen und eine russischsprechende FSJ’lerin ebenfalls für die Aufgabe gewinnen konnte, sei die Beschulung von drei unterschiedlichen Klassen von den jüngsten der weiterführenden Schule bis zu den ältesten möglich, so Hauck.
Die Finanzierung des Projekts stehe allerdings zurzeit auf wackeligen Beinen, hieß es aus dem Rathaus. Weil es zurzeit keinerlei Mittel vom Land für die Beschulung der Angekommenen gebe, trete man mit bis zu 20 000 Euro in Vorleistung. Bürgermeister Holger Jung zeigte sich zuversichtlich, dass eine Refinanzierung in Zukunft aus offiziellen Fördertöpfen möglich sei. Aktuell müsse man die Kosten jedoch selbst stemmen. Überwältigend sei die Hilfsbereitschaft der Elternschaft, des Lions Clubs Bonn-Rhenobacum, die Schulausstattungen und Schulbücher spendeten. Das Projekt „Warme Mahlzeit“ des Kinderbildungswerks von Ehrenbürgerin Erika Meyer zu Drewer kümmerte sich um die Verpflegung der Kinder.
Dennoch sei man auf Spenden auf die Spendenkonten der Fördervereine der Schulen angewiesen, betonten Holger Jung, Barbara Bienentreu und Peter Hauck unisono. Dem Förderverein der Geschwister-Scholl-Hauptschule kann man mit Zuwendungen auf das Spendenkonto DE 54 3705 0299 0072 0027 35 helfen. Der Förderverein der Gemeinschaftsgrundschule führt ein Spendenkonto unter DE64 3705 0299 0058 0022 54.
Im Moment seien die meisten Geflüchteten privat untergekommen, was aber keine Dauerlösung sein könne, hieß es aus dem Rathaus. Um die Menschen möglichst rasch unterzubringen, arbeite die Stadt mit Hochdruck daran, Unterkünfte für die Geflüchteten zu generieren. Im Gespräch sind die Liegenschaft des ehemaligen Jugendamts im Ruhrfeld sowie das Gebäude am Neuen Markt, das früher das Jobcenter beherbergte. In diesen stadteigenen Gebäuden seien gute Voraussetzungen bereits vorhanden, man müsse jedoch die Sanitäranlagen ergänzen, sagte Bürgermeister Holger Jung.
