Zwei Grundschulklassen durften im Schülerparlament ihre Wünsche äußern
Politik der Kleinsten
Stadtbürgermeister stellte sich einigen Fragen
Vallendar. Warum dauert das denn immer so lang, wenn etwas Neues gebaut wird? Können die Spielplätze nicht einfach mal sauber bleiben? Wann sind die ewigen Baustellen mal verschwunden? Viele Fragen hatten die Schüler der Karl-d’Ester Grundschule Vallendar. Im Sitzungssaal im Rathaus Vallendar bekamen die beiden vierten Klassen die Gelegenheit, all ihre Fragen, Wünsche und Probleme bezüglich der Stadt Vallendar an Bürgermeister und weitere Politiker heran zu tragen.
Gemeinsame Sitzung großer und kleiner Politiker
Die Sitzordnung war dabei gut geregelt. Die Schüler saßen in einem V einem langen Tisch gegenüber, an dem sämtliche Fachmänner saßen. Michael Fölbach, der Chef des Bauhofs und Feuerwehrmann, wie die Kinder berichtigten, saß ganz rechts außen. Daneben platzierte sich Marian Künzel, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU und Wolfgang Helbach, Altbürgermeister der Stadt Vallendar und pensionierter Lehrer. In der Mitte fand Gerd Jung, Stadtbürgermeister von Vallendar, Platz. Zu seiner Linken saß Nicole Rosenbaum, die für die Amtsgeschäfte im Rathaus zuständig ist und an diesem Morgen das Protokoll der Sitzung schrieb. Tania von Minding, die Rektorin der Grundschule, saß neben ihr. SPD-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Heitmann und Fabian Baldus von der FDP machten den rechten Schluss.
Die Glocke von Stadtbürgermeister Jung eröffnete die Sitzung ganz offiziell. Nachdem die Regeln zunächst erklärt wurden, die dafür sorgten, dass die Sitzung wie im richtigen Parlament abläuft, durften die Schülerinnen und Schüler der 4a unter der Klassenleitung von Frau Brammer ihre bereits erarbeiteten Fragen stellen. Die Themengebiete unterschieden sich bei den 22 Fragen sehr. Ob es um das Amt des Bürgermeisters, um schulische Erneuerungen, um Gebäude oder praktische Dinge in Vallendar oder soziale Angelegenheiten ging, einer der Fachleute hatte immer eine Antwort parat. Was für die Schüler allerdings schwer zu unterscheiden war, war die Differenzierung in Stadt und Verbandsgemeinde. Der Stadtrat kann ausschließlich Fragen beantworten und klären, die mit der Stadt Vallendar in Verbindung stehen. So mussten einige Fragen, die auf Verbandsgemeindeebene standen, abgewiesen werden.
Was junge Bürger interessiert
Am interessantesten war für die Schüler die Weiterentwicklung der Schule. Einige Neuerungen durften sie erfahren. Beispielsweise gibt es einen Planauftrag für das Gelände der Grundschule, welcher Sporthalle und Schulhof erneuern soll. Die Fußabdrücke werden erneuert, aber Schaukeln auf dem Schulhof steht das hohe Gefahrenpotenzial entgegen. Schulleiterin von Minding erfuhr durch das Gespräch von Dingen, über die sie zuvor noch nichts wusste. Um den Wünschen Gehör zu verschaffen, verwies sie darauf, dass es auch innerhalb der Schule eine Art vertikale Verwaltungsorganisation gibt. Wenn sich im Klassenrat mehrstimmig für den Wunsch ausgesprochen wird, kommt er zum Schulrat, welcher im weiteren Verlauf den Wunsch gegebenenfalls an die Schulleitung weitergibt, die dann mit dem Bürgermeister darüber berät.
Einige Dinge in Vallendar standen auch auf der Tagesordnung. Dabei wurden folgende Ergebnisse festgehalten: Die Haltung von Schwimmbädern sei zu teuer, um das in Hauswasserburg zu erhalten, geschweige denn ein neues zu errichten. Da dringend Übernachtungsgewerbe in Vallendar gebraucht wird, muss ein Hotel entstehen. Für einen Freizeitpark reicht der Platz nicht aus, wobei es bei 16 Spielplätzen genug Spiel-Möglichkeiten gibt. Und für einen McDonalds muss das Unternehmen selbst gefragt werden.
Aber auch sozial waren die Schüler interessiert, sodass ihnen neben Arbeits- und Schlafmöglichkeiten für Flüchtlinge auch deren Wohlergehen am Herzen lag. Sie konnten beruhigt werden, den knapp 70 Flüchtlingen in Vallendar geht es gut und sie sind zufrieden.
Durch persönliche Fragen wurden aber auch die Schüler gut miteinbezogen, sodass ein richtiges Gespräch entstand. Nachdem munter Fragen gestellt wurden und von persönlichen Erfahrungen erzählt wurde, holte Ortsbürgermeister Jung noch prächtiges Anschauungsmaterial hervor. Die Amtskette sorgte für allgemeines Staunen. Wie schwer die goldene Kette wirklich ist, durfte eine Schülerin am eigenen Leib testen.
Unter der Klassenleitung von Frau Hellmann spielte sich das Ganze noch einmal mit der 4b ab. Die Fragen unterschieden sich zwar von denen der anderen Klasse, behandelten aber im Grunde die gleichen Themengebiete. Genauso munter hörte die Fragerei gar nicht mehr auf und musste letztendlich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit abgebrochen werden. Die Schlussworte des Bürgermeisters und die Erfolgswünsche für die neue Schule entließen die Schüler dann in den weiteren Tag.
Das Projekt Schülerparlament
Altbürgermeister Helber hatte das Projekt Schülerparlament vor einigen Jahren eingeführt. Auch weiterführende Schulen nehmen daran teil, allerdings unterscheidet sich das Format dann ein wenig. Dass es sehr sinnvoll ist, zeigte sich an dem Erstaunen der Fachleute über die Wünsche der Kinder. In der Grundschule haben noch ganz andere Dinge Stellenwert, die von Erwachsenen oft übersehen werden. Durch das Schülerparlament können auch diese Stimmen gehört werden. Es ist eine gute Chance des Austauschs zwischen Stadtverantwortlichen und den kleinsten Bürgern. Diese finden Gefallen daran, was an der regen Beteiligung deutlich zu sehen war. Dadurch findet ein guter Einstieg beziehungsweise Anfang für politisches Engagement statt. Möglicherweise ist das ein Weg, um dem Trend der Politikverdrossenheit entgegen zu wirken.
Fest steht jedenfalls, dass sowohl Schüler, als auch Stadtverantwortliche mit neuen Informationen aus dem Gespräch gegangen sind und nun auch die Bürger, die sich durch Wahlen noch nicht aktiv an der Politik beteiligen können, ihre Wünsche äußern konnten.
