Verleger Andreas Holzapfel schenkte dem Willy-Brandt-Forum sieben Brandt-Fotografien
Porträts des Altbundeskanzlers aus „Kürschners Volkshandbüchern“
Unkel. Über ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk konnte sich das Willy-Brandt-Forum (WBF) in Unkel freuen. Kurz nach dem dritten Advent überreichte Andreas Holzapfel dem WBF-Geschäftsführer Rudolf Rupperath und dem stellvertretenden Vorsitzende Rudolf Barth einen Collage-Fries mit sieben Porträt-Fotografien von Willy Brandt, die deutlich belegen, dass sich auch Politikergesichter im Laufe der Zeit verändern. „Und diese erstreckt sich in besagtem Fall immerhin von 1949 bis 1990, stammen die Fotografien des Altbundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers doch aus dem ‚Kürschner‘, dem Volkshandbuch, in dem die Abgeordneten des Deutschen Bundestages der jeweiligen Legislaturperiode mit Bildern und Kurzbiografie vorgestellt werden“, so der Enkel des Verlagsgründers Adolf Holzapfel. Neben dem Foto-Fries schenkte er dem WBF auch einen gerahmten Auszug der Rede, die Willy Brandt als Alterspräsident bei der Eröffnung des 12. Deutschen Bundestages, dem ersten gesamtdeutschen Bundestag nach der deutschen Einheit, zwei Tage nach seinem 77. Geburtstag am 20. Dezember 1990 in dem noch nicht restaurierten Reichstag gehalten hatte.
„Der erste Herausgeber des Volkshandbuchs war der 1852 in Gotha geborene Schriftsteller und Lexikograph Joseph Kürschner, der 1890 die Parlamentarier der achten Wahlperiode des Deutschen Reichstags veröffentlicht hat“, berichtete der Verleger. Mitgebracht hatte er ein Exemplar dieses schon rot-weiß gestreiften „Ur-Kürschners“, dessen Format eher an eine größere Streichholzschachtel als an ein Buch erinnerte. Das kleine Buch mit Fotos und Biografien der Reichstagsmitglieder entwickelte sich zum Verkaufsschlager.
Ab 1896 erschien Kürschners Volkshandbuch dann im Verlag von Hermann Hillger, der später auch Herausgeber war. Nach der Ausgabe zur Reichstagswahl 1933 wurde das Buch von den Nationalsozialisten verboten. Im Mai 1949 gründete der Berliner Verleger Adolf Holzapfel dann in Darmstadt die Neue Darmstädter Verlagsanstalt GmbH, als einziges Überbleibsel aus den Berliner Jahre die Verlagsrechte an Kürschners Volkshandbuch im Gepäck.
„Nach dem Krieg erschien die erste neue Ausgabe erst zur zweiten Legislaturperiode 1953, in der Willy Brandts Konterfei, im Fries das erste Foto ganz links aus dem Jahr 1949 trotz der alphabetischen Anordnung ganz hinten zu finden ist, weil die Berliner Abgeordneten damals noch einen Sonderstatus hatten“, erklärte Andreas Holzapfel.
Zu der Schenkung angeregt habe ihn sein Rheinbreitbacher Nachbar, der frühere Büroleiter von Willy Brandt und Vorgänger von Christoph Charlier als Vorsitzender des Willy-Brandt-Forums. Er habe immer wieder nachgefragt, ob der Verlag nicht etwas in unserem Fundus für die Ausstellung habe, das man dem früheren Bürger von Unkel zuordnen könnte.
„Mir war klar gewesen, dass es dabei nicht um den Kanzler, sondern um den Parlamentarier Brandt gehen müsste, der im ‚Kürschner‘ nicht nur drei Mal als Alterspräsident zu finden ist, sondern auch zehn Sterne hat“, so Andreas Holzapfel. Einen Stern erhalten Abgeordnete für jede Legislaturperiode, der sie dem Bundestag angehörten. Mehr Sterne als Willy Brandt, nämlich zwölf, hat bislang nur Wolfgang Schäuble, der seit über 45 Jahren ununterbrochen Mitglied im Deutschen Bundestag (DB) und damit nicht nur aktuell dienstältester Abgeordneter im DB ist.
Der 75-Jährige ist auch dienstältester Abgeordneter in der deutschen Parlamentsgeschichte seit der ersten konstituierenden Sitzung des Norddeutschen Reichstags 1867. DL
