Caritas-Fachdienst „Familienpflege“ wird eingestellt
Qualifizierte Arbeit ohne angemessene Vergütung
Rhein-Sieg-Kreis. Mehr als vier Jahrzehnte lang, seit 1976, haben gut ausgebildete Familienpflegerinnen aus dem Caritasverband Rhein-Sieg e.V. Familien in Notsituationen beigestanden. Zum 30. Juni aber wird dieses Angebot eingestellt.
„Eine schmerzliche Entscheidung“, nennt es Vorstand Harald Klippel. Viele Jahre lang habe die Wohlfahrtspflege zur Finanzierung dieser qualifizierten Arbeit auf einen Landesvertrag mit den Krankenkassen gehofft. Denn anders als die von den Kassen üblicherweise getragenen Haushaltshilfen haben die Familienpflegerinnen in ihrer Ausbildung pädagogisches Rüstzeug erhalten, um Familien in allen Facetten verlässlich unterstützen zu können.
Waren früher Entbindungen oder Krankenhausaufenthalte Anlass für den Einsatz der Familienpflege, begründeten bereits Ende der 90er Jahre psychische Langzeit-Erkrankungen oder die Überforderung eines oder beider Elternteile die qualifizierte Hilfe. Diese aber wird seit einigen Jahren nur noch selten von den Kassen übernommen.
„Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass die Krankenkassen zwar den Dienst schätzen, aber keine angemessene Vergütung für die Fachleistung zahlen wollen“, erklärt Vorstand Harald Klippel nun diesen endgültigen Schritt, den vor dem Caritasverband Rhein-Sieg schon zahlreiche andere Wohlfahrtsverbände etwa aus Köln oder dem Rhein-Erft-Kreis getan haben. „Wir haben uns die Schließung des Dienstes nicht leicht gemacht, insbesondere auch deshalb, weil sie Familien betrifft, die diese Unterstützung benötigen“, so Klippel.
Eine Feststellung die Susanne Schlotmann, Teamleiterin des Fachdienstes Familienpflege, bestätigt: „Es gibt viele Familien ohne Angehörige oder ein anderes eigenes Netzwerk“, weiß sie aus Erfahrung. „Da geht es ganz schnell um die Existenz, wenn ein Elternteil zum Beispiel durch Krankheit ausfällt“. Eine reine Haushaltshilfe hole die Kinder nicht von der Kita ab oder unterstütze die Geschwister bei den Hausaufgaben, um nur Beispiele aus dem Arbeitsalltag der Familienpflegerinnen zu nennen. Ebenso hatte sich das Angebot „HOT©“, HaushaltsOrganisationsTraining, als Krisenintervention bewährt. Familien, denen eine Versorgung der Kinder aus eigener Kraft nicht gelingt, lernen hier so niederschwellig wie tatkräftig, wie ein Haushalt zu führen ist. Doch auch HOT© wird von den Jugendämtern zu selten angefordert, um das Angebot auf Dauer vorzuhalten.
Froh zeigt sich der Vorstand, dass allen noch Ende des vergangenen Jahres in der Familienpflege tätigen Mitarbeiterinnen eine Anschlussbeschäftigung in anderen Diensten des Verbandes angeboten werden konnte. Weitere Auskünfte unter Tel. (0 22 41) 12 09 309 bzw. per Mail doerte.staudt@caritas-rheinsieg.de.
Pressemitteilung
Caritasverband Rhein-Sieg e.V.
