10 Jahre Freilichtbühne am schiefen Turm
Quasimodo verhilft Erzdiakon Frollo zum Absturz
Jubiläumsensemble begeistert mit „Der Glöckner von Notre Dame“
Kaisersesch. Es ist der sonore Kanon-Gesang der klösterlichen Kuttenträger im Historienzeitalter der französischen Romantik, der die erwartungsfreudigen Theaterbesucher zunächst bei der Open-Air-Aufführung „Der Glöckner von Notre Dame“ in ihren Bann zieht. Im gezimmerten Käfig vor sich her tragen die Kapuzenmönche dabei Gudule, die Gott lauthals ihr Leid wegen der angeblich von Zigeunern geraubten Tochter klagt. Sie selbst gibt sich die Schuld daran und fristet deshalb ihr Dasein als Büßernonne in besagtem Holzverlies. Auf dem „Parvis Cathétrale Notre-Dame - Place Jean-Paul II.“ stellen sie die Büßerin ab und ziehen sich in die Gassen der Altstadt zurück. Gleichzeitig nimmt die von Bettlerkönigin Clopine Trouillefou angeführte wilde Horde der Pariser Diebe und Taugenichtse den Vorplatz der Cathédrale in Beschlag, wo sich gerade Dichter und Mysterien-Autor Pierre Gringoire mit ungeschickten Vasallen an einem griechisch-antiken Moralitäten-Spiel versucht. Doch er scheitert kläglich und wird vom schmutzigen Pöbel ausgelacht. Die ebenfalls zum Platz strebenden Zigeuner werden bis auf die schwarzhaarige Schönheit La Esmeralda und deren mitgeführter Ziege Djali vom Pulk der zerlumpten Bettler und eingreifenden Soldaten abgedrängt. Das fahrende Volk ist auch im Paris des 18. Jahrhunderts von keiner Gesellschaft gelitten. Bei La Esmeralda machen sie wegen deren besonderer Tanzkünste eine Ausnahme, jedoch will der Mob den Dichter Gringoire wegen seiner Unfähigkeit aufknüpfen. Der entkommt dem Strang nur deshalb, weil La Esmeralda sich bereit erklärt, diesen zu ehelichen, obwohl sie sich in den Soldatenhauptmann Phöbus de Chateaupers verliebt hat. Man feiert den Tag der Narren, an dem sich das Volk auf dem Vorplatz von Notre Dame vergnügt und einen zufällig Auserwählten zum Narrenpapst kürt. Es ist dies Quasimodo, der bucklige und im Gesicht völlig entstellte Glöckner von Notre Dame, der das Treiben vom Turm der Cathédrale aus verfolgt hatte. Jetzt wird er, mit goldfarbenem Umhang und Kopfbedeckung versehen, in einem Karren über den Platz gezogen. Allerdings macht Erzdiakon Claude Frollo dem Spuk ein rigoroses Ende und verweist Quasimodo zurück ins Kirchengemäuer. Dabei ist dem „Chef de Cathédrale“ ebenfalls die schöne La Esmeralda aufgefallen, für die er augenblicklich Gefühle unredlicher Art hegt und ihr unisono eine Unterkunft in Notre Dame anbietet. Mit Einbruch der Dunkelheit überschlagen sich dann die Ereignisse vor Notre Dame. Quasimodo versucht dabei, in Unkenntnis der Sachlage, die scheinbar in Bedrängnis geratene La Esmeralda vor deren Galan Hauptmann Phöbus zu retten. Dies bringt ihm nach erfolgter Festnahme einen Schuldspruch von Richter Barbedienne vor dem Tribunal, das Zur-Schau-Stellen am Pranger vor grölenden Gaffern, sowie deftige Peitschenhiebe von Henker und Folterer Robert ein. Verwirrt und blutend flüchtet er sich anschließend zurück in sein kirchliches Refugium, wo Erzdiakon Frollo in der Folge versucht, sich auf unsittliche Weise der schönen La Esmeralda zu nähern. Außer sich vor Wut, er wollte ja auch zuvor der Zigeunerin lediglich zur Hilfe eilen, greift sich Quasimodo dabei den Erzdiakon und wirft ihn von der Cathédrale Notre Dame aus luftiger Höhe auf deren Vorplatz. Mit zerschmettertem Körper tut Frollo hier seinen letzten Atemzug. Anlässlich seines 10-jährigen Jubiläums begeistert der Theaterverein bei diesem Open-Air-Spektakel nach Victor Hugo (1802-1885) auf ganzer Linie. Rund 80 hervorragende Laiendarsteller bringt Regisseur Helmut Mattern in diesem Zusammenhang auf die Freilichtbühne, die im historischen Ortskern ebenso mit einer tollen Kulisse aufwarten kann. Im Spiel hält sich Mattern eng an die Romanvorlage Hugos und besetzt auch die tragenden Rollen mit exzellenten Hauptdarstellern. Hier seien Susanne Schubert als La Esmeralda, Stephan Hilken als Dichter Gringoire, Thomas Ellerich als Erzdiakon Frollo, Stefan Gasser als Quasimodo, Kirsten Roscher als Bettlerkönigin Clopine, Otto Krechel als Phöbus de Chateaupers, Gerd Röser als Richter Barbedienne und Maria Oster als Büßernonne Gudule besonders hervorgehoben, die ihre anspruchsvollen Charaktere stets eindrucksvoll und glaubwürdig verkörpern. Ein klassisches Sommernachtstheater, das nicht nur von seinen tollen Darstellern lebt, sondern auch inhaltlich, bezüglich aktueller Problematik, als Meisterstück des Gesamtensembles überzeugt. Info: An diesem und am kommenden Wochenende finden jeweils freitags und samstags weitere Aufführungen statt.
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Vor dem Tribunal verurteilt der Präsident des Geistlichen Gerichts den Glöckner zu Pranger und Peitschenhieben.
Gringoire, rechtmäßiger Ehemann der Zigeunerin, kommt nicht zum Zug. Er klagt sein Leid dem bösen Erzdiakon.
Quasimodo, den einfältigen Glöckner von Notre Dame, hat der Pariser Mob zum aktuellen Narrenpapst gekürt.
Das Gesindel auf dem „Parvis Cathédrale Notre-Dame“ ist mit Bettlerkönigin Clopine hervorragend organisiert.
