Laienspiel-AG des Mons-Tabor-Gymnasiums überzeugt mit Les Misérables
Revolution in der Aula
Montabaur. Es ist das Jahr 1862, in dem der französische Schriftsteller Victor Marie Hugo sein Werk „Les Misérables“ (zu Deutsch: Die Elenden) fertig stellt. Über 150 Jahre später wird das Stück in der Aula des Mons-Tabor-Gymnasiums zum Leben erweckt. Zum 35. Mal begeisterten die Mitwirkenden der Laienspiel-AG (LAG) ihr Publikum mit einem berühmten literarischen Werk.
Das Stück handelt von dem ehemaligen Bagno-Sträfling Jean Valjean, der zu der Zeit Napoleons bis zu der Louis Philippes lebt und nach seinem Gefängnisausbruch lernt, was es heißt zu helfen. Nachdem ihm nach 19 Jahren Haft wegen des Diebstahls eines Stücks Brot die Flucht gelingt, findet er beim Bischof von Digne Zuflucht. Dieser verteidigt ihn nach einem erneuten Diebstahl, als Inspektor Javert, ehemaliger Aufseher Valjeans, ihn überführen möchte. Ab diesem Tag gelobt Valjean sich, ein besserer Mensch zu werden und fängt unter dem Namen M. Madeleine ein neues Leben an. Als Bürgermeister und Fabrikant in Montreuil hilft er den Armen mit seinem Reichtum. Besonders Fantine, eine verarmte junge Frau, die eine uneheliche Tochter zur Welt gebracht hat, hat sein Mitleid erregt. Ihre Tochter Cosette musste sie in die Obhut des habgierigen Gastwirts Thénardier geben, um nicht der Sittenlosigkeit angeklagt zu werden. Valjean kauft Cosette frei, um Mutter und Tochter wieder zu vereinen, doch als dieser am Krankenbett von Fantine verhaftet wird, stirbt sie an einem Schock. Dem Gefangenen gelingt erneut die Flucht und er zieht zusammen mit Cosette, der er all seine Vaterliebe schenkt, nach Paris, um unter dem Namen Fauchelevent unterzutauchen.
Marius, ein junger Student, der sich zusammen mit seinen Genossen dem Regime widersetzen will, wirbt um die schöne Cosette, die sich ebenfalls in den Studenten verliebt. Als die Geheimhaltung vor ihrem Ziehvater misslingt, steht Cosette kurz davor, mit Valjean nach England zu fliehen, da dieser die Liebe der beiden nicht gestattet. Erbittert hofft Marius beim Juniaufstand von 1832 an den Barrikaden auf seinen Tod, wird aber ausgerechnet von Valjean gerettet. Seinem jahrelangen Verfolger Inspektor Javert schenkt er ebenfalls das Leben, als er ihn hätte töten können. Dieser nimmt sich, völlig verwirrt, was Recht und Unrecht sein mag, an einem Fluss das Leben.
Valjean offenbart Marius, nach seiner Hochzeit mit Cosette, seine Vergangenheit, woraufhin Marius den Kontakt zu dem ehemaligen Gefangenen abbricht. Nichtsahnend von seinem Retter wird Marius ironischerweise von Thénardier, der Valjean schlecht reden möchte, auf das eigentliche Gemüt Valjeans aufmerksam gemacht. Gerade noch rechtzeitig treffen Cosette und ihr Ehegatte am Sterbebett von Valjean an, wo Marius ihn um Verzeihung bittet, bevor Jean Valjean seinen ewigen Frieden findet.
Die LAG hat sich mit der Präsentation dieses Stücks erneut übertroffen. Die Bühne wurde noch in den Publikumssaal erweitert, sodass die Szenen realistischer wahrgenommen werden konnten. Besonders die Szene des Juniaufstands war ein großes Highlight. Die französische Garde lief mitten in der Aula, zwischen den Zuschauern ein und kämpfte gegen die Studenten, die sich hinter Schutzmauern an den Barrikaden platziert hatten. Wie in jedem Jahr war die Liebe fürs Detail sowohl in Bühnenbildern, als auch in Kostümen spürbar. Textsicher ließen die Schauspieler, die die achte bis zwölfte Klasse besuchen, Valjean, Cosette, Marius und Co zum Leben erwecken und beeindruckten auch durch einen Hauch französischen Akzent. Das Publikum fieberte mit, als die Studenten ihr Leben ließen, um Frankreich zu revolutionieren, litt mit, als Éponine mitansehen musste, wie ihre große Liebe Marius ein anderes Mädchen begehrt und schmunzelte, als sich Thénardier und seine Frau neue hinterhältige, aber ziemlich unsinnige Pläne ausdachten.
Die leitende Frage „Was ist Recht?“ wurde besonders von Inspektor Javert häufig gestellt. Diese Rolle spielte Kinga Kroliczek, die mit ihrem authentischen Laienspiel schon viele Jahre das Publikum in der Aula des MTG verzauberte. Für sie war die Vorstellung am letzten Dienstag die letzte ihrer Schullaufbahn. Ihr wurde nicht nur durch tosenden Applaus gedankt, sondern auch von den Regisseuren Frau Buhrmann, Herrn Wies und Herrn Kessel in Form eines Fotoalbums. Die leitenden Lehrer gingen natürlich auch nicht leer aus. War die Aula eine Stunde zuvor noch ein Schlachtfeld des Juniaufstands, befanden sich die Zuschauer nun bei einer Oscarverleihung der besonderen Art. Zum Ende wurde allen Mitwirkenden, vor und hinter der Bühne, noch einmal gedankt und mit kräftigem Applaus endete die Vorstellung der LAG in diesem Jahr. Tränen der Freude oder des Abschieds überkamen den ein oder anderen Akteur, sowie Zuschauer, dennoch steht eines fest: Die LAG fällt nicht unter den Namen „Les Misérables“!
Jean Valjean besucht die kranke Fantine, die in naher Zukunft einen Schock erleiden wird.
Cosette trifft das erste Mal auf ihren späteren Ehegatten Marius. Ihr Ziehvater Jean Valjean beobachtet alles genau.
