Rheinbach liest e.V.
Rheinbacher wollen Bücherei behalten
Rheinbach. In der vergangenen Woche war es endlich soweit: Nach Flut und den Auswirkungen der Pandemie konnten in der öffentlichen Bücherei St. Martin in Rheinbach 1602 Unterschriften zum Erhalt der Bücherei an die Adressaten der Petition übergeben werden.
Zum Hintergrund: Die Kirchengemeinde St. Martin hatte im Sommer 2020, den bestehenden Kooperationsvertrag (gemeinsame Finanzierung als Vertragsbücherei) gekündigt, mit dem Ziel ihn neu zu verhandeln. Diese Kündigung geschah auch vor dem Hintergrund eines drohenden Rückzugs des Bistums aus der Finanzierung. Die Beendigung der finanziellen Beteiligung des Erzbistums nach 2023, überraschend schnell ausgesprochen per Pressemitteilung im Juni 2021, verschärfte die Situation und stellte die Zukunft der Rheinbacher Bücherei infrage.
Da Rheinbach liest e.V. der Erhalt der Bücherei in der jetzigen Form und an zentralem Ort sehr am Herzen liegt, rief man die Aktion „Alarmstufe Rot - Unsere Bücherei braucht Zukunft“ ins Leben. Zum einen, um in der Bevölkerung ein Bewusstsein für den Ernst der Lage zu schaffen und um hier ein Votum sowie Unterstützung zu generieren. Zum anderen aber auch, um dazu beizutragen, die Kirchengemeinde St. Martin, das Erzbistum Köln, das Rheinbacher Rathaus sowie der Stadtrat im Gespräch zu halten. Monika Flieger, 1. Vorsitzende von Rheinbach liest e.V.: „Die Zeit drängt. Das Zeitfenster für eine sichere Planung und eine für Rheinbach angemessene Lösung schließt sich.“
Im Rahmen von Alarmstufe Rot! wurden in der Innenstadt Unterschriften gesammelt. Rund zwei Drittel der 1602 Unterschriften wurden bei der gleichnamigen Online-Petition abgegeben. Jetzt konnten diese persönlich an Pfarrer Bernhard Dobelke, dem Kirchenvorstandsmitglied Martina Burke, Dr. Peter Scharr aus dem Referat „Kultur und Bildung“ des Erzbistums sowie den Ratsvertretern Heribert Schiebener (Grüne), Silke Josten-Schneider (UWG) und Oliver Wolf (CDU) überreicht werden. Zur Runde gehörten u.a. auch Monika Flieger, Sabine Post und Gerd Engel von Rheinbach liest e.V. und die hauptamtlichen Kräfte der Bücherei, Daniela Hahn (Leitung), Birte Wulf-Hipperson und Martina Prüser, die um die Zukunft ihres Arbeitsplatzes bangen.
Die Vertreter der drei Ratsfraktionen betonten, dass auch ihnen die Bücherei als Ort der Bildung und Lesevermittlung im Herzen der Stadt wichtig sei und dass sie ihren Teil dazu beitragen wollen, eine für alle tragbare Lösung herbeizuführen. Oliver Wolf: „Die Bücherei ist uns mehr wert, als das, was der bisherige städtische Zuschuss ausdrückt.“ Dr. Scharr, der auf die zurückgehende Kirchensteuereinnahmen und die Notwendigkeit zu sparen verwies, präsentierte eine für die meisten Anwesenden neue Information. Es gibt offenbar eine Überarbeitung des bestehenden Vertragsangebotes seitens der Kirchengemeinde an die Stadt. Dieses beinhalte nun doch wieder einen Zuschuss des Erzbistums – jedoch reduziert gegenüber den rund 40.000 Euro jährlich und inhaltlich bezogen auf die Medienanschaffung. Hierzu muss man wissen, dass das Bistum alle Katholischen öffentlichen Büchereien (KÖB’s), also die ehrenamtlich geführten „Pfarrbüchereien“ mit einem Medienzuschuss fördert. Über die Höhe des Zuschusses im Vertragswerk wollte Dr. Scharr nichts sagen.
Dieser neue Vorschlag liegt der Stadtverwaltung vor, und offenbar ist auch bereits ein weiterer Gesprächstermin im Rathaus anberaumt. Leider war kein Vertreter der Stadt anwesend, um hier eine Einordnung vorzunehmen.
Für den Verein Rheinbach liest e.V ist die Bücherei ein wichtiger Kooperationspartner. Neben der Funktion als Leseförderer mit einem breiten Literaturangebot für alle, bietet sich hier auch ein wichtiger nicht kommerzieller Begegnungsort für alle Rheinbacher, sei es um in Büchern zu recherchieren, am PC Bewerbungen zu schreiben oder das Neueste in der Tageszeitung zu lesen.
Daher hofft der Verein, dass alle Beteiligten die Zukunft der Bücherei bald sichern, damit auch die drei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen sowie die annähernd 40 Ehrenamtlichen weiter planen und arbeiten können.
Pressemitteilung
Rheinbach liest e.V.
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